Zu Anfang kurz ein Rückblick mit der obligatorischen "Neue-Gitarristen-Frage", auch wenn Dein Einstieg in die Band schon knapp zwei Jahre lang her ist: Was hast Du vor Surge gemacht und wie kam es zur Zusammenarbeit?
Wir kennen uns alle schon ziemlich lange, ich bin auch früher schon mit Surge als Backliner mit auf Tour gewesen und hab mit Antek schon vorher in einer Band [Revolver] gespielt. Also auch Braunschweig-mäßig mit Kumpels, die in Kontakt mit der Band stehen, Musik gemacht… Kurz gesagt, wir kennen uns schon ziemlich lange und als Dennis ausgestiegen ist, hatte ich genau 12 oder 13 Tage Zeit, mir das Programm draufzuschaffen und dann bin ich auf Tour gegangen. Ich bin quasi auf der Rotlicht-Tour dazugekommen, bei den Nachholterminen.
Schön, dass Dich die Plattenfirma dann als "neuen Gitarristen" ankündigt, obwohl Du ja auch bei der Nachtzeche-Tour schon richtig fest mit dabei warst.
Ich bin halt jetzt das erste Mal, wo es einen offiziellen neuen Release gibt, der "Neue". (lacht) Obwohl sich das gar nicht mehr so anfühlt.
Kein Wunder nach zwei Jahren. Der Labelwechsel ist aber tatsächlich neu, von Sony zu Nuclear Blast. Wie kam der überhaupt zustande, denn Sony ist ja eigentlich – so sollte man meinen – der Traum eines Musikers, zumindest von den Möglichkeiten her.
Traum eines Musikers … kann man so sehen, wenn man generell bei einem Majorlabel sein möchte, weil die halt mehr Geld zur Verfügung haben. Ich kenne da natürlich nicht so die Einzelheiten aber ich würde mal schätzen, dass die Mittel, die so ein Label wie Nuclear Blast zur Verfügung hat, sich nicht unbedingt davon unterscheiden. Andere große Majorfirmen sind in Deutschland ja eigentlich auch nur, wie nennt man das, Dependancen oder so von den amerikanischen. Die hängen ja auch nur an der langen Leine von irgendwelchen Firmen in Amerika und können mit dem Geld auch nicht mehr so 'rumscheissen, wie das vielleicht mal war. Und daher ist das alles relativ.
Im Endeffekt ist es für die Band wichtig, dass man mit Leuten zusammen arbeitet, die gewisse Möglichkeiten haben, wenn es darum geht, so ein Thema heiß zu machen oder hier und da noch ein wenig Geld nachzuschieben, um Kleinigkeiten zu ermöglichen. Um eben noch mal irgendwo hinzufahren, um ein Interview zu geben oder schnell 'nen Gig zu machen. Dass eben das öffentliche Interesse sich so weit steigert, dass man hier und da noch was machen kann. Und das kann Nuclear Blast genau so, wie jedes andere Major-Label auch.
Klar, Nuclear Blast ist im Metalbereich eine der größten Nummern …
… das war aber auch nicht wichtig für uns, dass Nuclear Blast ein Metal-Label ist. Das kommt immer von außen, dass Leute jetzt sagen "Aaahhh, jetzt macht Ihr also 'ne Metal-Platte, weil Ihr beim Metal-Label seid!". Dabei war für uns erstmal nur wichtig: Wer gibt uns am meisten Geld, damit wir 'ne neue Platte aufnehmen können? Und das am besten – nach unseren Vorstellungen – so gut wie möglich.
Ausschlaggebend war auch, dass Nuclear sich gut dargestellt haben und Markus Steiger, der Eigentümer, hat halt Bock auf die Platte gehabt. Was wir cool fanden, war halt, dass er quasi aus dem Kinderzimmer bei seinen Eltern die Firma aufgebaut hat. Was wir, weil wir auch gerne alles selber machen, cool finden und was auch jeden aus der Band beeindruckt hat, was er da quasi aus dem Nichts geformt hat. Und das ist eben schön, mit solchen Leuten zusammenzuarbeiten.
Musstet Ihr aus Vertragsgründen von Sony gehen oder habt Ihr Euch dazu selbst entschlossen?
Wir haben keine Verlängerung angeboten bekommen, jedenfalls konnten sie uns nicht das bieten, was vertragsmäßig drin gewesen wäre. Wenn sie uns hätten halten wollen, hätten sie zu unseren alten Konditionen unverhältnismäßig viel Geld ausgeben müssen, weil der Vertrag zu Zeiten geschlossen wurde, wo es diese ganze mp3- und CD-Brenner-Geschichten noch gar nicht gab. Wo die Industrie noch ganz anders dagestanden hat, und da wären sie schön blöd gewesen, wenn sie gesagt hätten: "Ja, bleibt doch bei uns und macht noch 'ne Platte zu unglaublich viel Geld".
Sie hätten uns ein anderes Angebot machen können, aber wenn man so lange mit einer Firma zusammenarbeitet, ist es leider auch so, dass die Leute, mit denen man dort groß geworden ist, irgendwann nicht mehr dabei sind. Da ändern sich einfach die Bezugspersonen. Aber zu dem Ganzen kann Axel, also unser Manager, sicher viel mehr sagen. Der ausschlaggebendste Grund, dass wir uns getrennt haben, war der, dass sie einfach nicht mehr so viel Geld für uns ausgeben wollten.
Kommen wir zu dem viel Wichtigeren, nämlich der Musik. Nach Eurem eher melancholisch-flächigen "Rotlicht"-Album, das auch textlich recht nachdenklich war, klingt "Alpha" jetzt völlig groovig, mit Metal-Riffs und insgesamt viel weniger experimentell. Wie kam es zu dieser Entwicklung, war das eine bewusste Entscheidung?
Hmmm … Es gab sicherlich immer wieder Diskussionen in der Hinsicht "Was macht man jetzt als nächstes?" Besonders mit hat sich natürlich die Frage gestellt, wie gehe ich jetzt an das Thema ran? Und wie schreibe ich die Musik für eine Band, die ja auch eine gewisse Geschichte hat? Im Endeffekt bin ich dann an den Punkt gekommen, wo ich gedacht habe, ich denke besser nicht zu viel darüber nach sondern schreibe erstmal so viel Material, wie geht. Wir haben ja fast anderthalb Jahre an dem Material geschrieben und im Endeffekt haben wir nur einen Bruchteil davon benutzt. Oder wir haben's auch gar nicht erst hingekriegt, aus dem vorhandenen Material Songs zu basteln …
… ging das Schreiben direkt nach der "Rotlicht"-Tour los?
Ja, eigentlich schon. Ich hatte mit Antek zum Beispiel viel Material, was wir für die "Revolver"-Session nicht benutzt haben. Das Refrain-Riff von "Mission erfüllt" rührt zum Beispiel da her, wenn man so tief in die Materie gehen will. Oder auch "Radiosong", das war halt eigentlich ein Revolver-Song, den wir dann für Surge genutzt haben.
Ich halte insbesondere den Titel "Mein Tag" wichtig für diese Platte, da er nicht ganz so "schwer" rüberkommt. Die Platte kann einen ja, wenn man so will, auch ein bisschen 'runterziehen, weil sie sich textlich sehr stark um Probleme dreht. Es wird einfach nicht viel versteckt.
Wir haben nie ein klares Konzept entwickelt, wo wir gesagt hätten, "Wir wollen so klingen ...". Weil das lässt sich dann eh nie so beeinflussen, da Texte und Musik nie gleichzeitig entstehen. Mal ist einfach die Musik fertig und wenn man dann so eine Art Demo hat, setzt sich Olli daran und macht die Texte dazu. Dann verändern sich die Songs auch manchmal noch sehr radikal. Da gab's nie so eine Art Masterplan. Jetzt, so nach ein paar Wochen oder Monaten, wo ich die Platte noch mal höre, höre ich sie auch ganz anders als in dem Schaffensprozess. Es war auch nie der Plan, zu sagen: "Wir machen jetzt mal 'nen Metalsong".
Und es gab auch keine Entscheidung, zu sagen: "Wir knüpfen jetzt dort an, wo wir früher mal aufgehört haben"?
Das gab's schon irgendwie. Vorsatz war sicherlich, immer so den Gedanken im Hinterkopf zu haben, wie wir das live spielen können. Ich zumindest wollte halt Songs schreiben, wo ich Bock drauf hab', die live den Leuten vor den Latz zu knallen. Dass es ein bisschen lauter ist und mehr kracht. Etwas, woran man vielleicht auch die Reaktionen stärker sehen kann, als zum Beispiel bei dem "Rotlicht"-Material. Wo die Leute es vielleicht auch richtig geil fanden, aber wo man's nicht so gesehen hat, weil die sich eher die Musik angehört haben und dazu nicht total abgegangen sind.
Das Album heißt "Alpha". Seht Ihr Euch gemäß Platteninfo als Alphamännchen?
Hm, da muss ich jetzt selbst nachdenken. Im Nachhinein … Also, wie so ein Plattentitel zustande kommt, das ist oft auch irgendwie so aus der Not geboren. Wenn die Musik fertig ist, brauchst Du halt ein Cover und 'nen Namen. Das muss schnell sein, damit man diese ganze Promotionsmaschine überhaupt anwerfen kann. Wir hatten das Cover zuerst, also den Affen. Wir wollten eben 'nen Affen auf dem Album haben, warum auch immer (lacht) und dann haben wir so überlegt, mit Primaten und so … Und dann kam tatsächlich dieser Gedanke "Alphatier" auf und sicherlich kann man schon sagen, dass dann gut gepasst hat.
Aber das ist dann doch auch eher ironisch gemeint – das ist jetzt nicht so, dass wir sagen: "Wir sind die ersten und wir werden die letzten sein …" Da sollte man, glaube ich, nicht so viel 'reininterpretieren. Wir wollen den Leuten nicht unbedingt was erzählen. Wenn wer zuhört und sich da etwas herausziehen kann, dann ist das super, und wer nicht, der soll's lassen.
Guter Punkt für meine nächste Frage: Der Song "Zu allem bereit" klingt ja schon ziemlich stark nach Revolution, so nach dem Motto "Wir machen das nicht mit, zusammen sind wir stark und zu allem bereit", etc. Ich denke, Such A Surge hatten schon immer diese Tendenz – ich will jetzt nicht sagen "erhobener Zeigefinger", aber diese Attitüde "Wir sind hier, wir sind laut, lasst uns die Dinge ändern". Ist es nicht schlussendlich so, dass trotzdem nichts passiert und das Ganze die Gestalt einer Pseudo-Revolution annimmt, die Ihr immer wieder von Neuem lostreten wollt?
Hmja, das ist auch eine Diskussion, die innerhalb der Band ständig schwelt. (überlegt) Aber da hat jeder für sich, also jedes Bandmitglied, einen Weg gefunden, mit dieser Position, die wir nun mal haben durch unseren Backkatalog, seinen Frieden zu schließen. Ich habe aber kein Problem damit irgendwie … Wir machen ja nun auch Musik für Kids, also jetzt nicht nur für Leute, die jetzt über 30 sind, so wie wir selber.
Ich bin ebenfalls nicht mehr Mitte 20 und habe Eure Musik auch schon vor zehn Jahren gehört …
… Du meinst, dass wir jetzt irgendwann mal anfangen sollten, konkretere Ansätze zu verbreiten in den Texten, also wirklich mal zu sagen: "Macht das oder das … oder auch nicht ..."? Es wäre uncool gewesen, Such A Surge so eine Art "Ich-sauf-Bier-und-fahr-auf-der-Autobahn-rum-Kacke" machen zu lassen.
Was ich meine, ist, dass die Texte nach wie vor teilweise ein bisschen parolenhaft rüberkommen. Das hat früher super funktioniert, und auch jetzt gibt es Songs wie "Mission erfüllt", bei denen das wunderbar gelingt. Aber nehmen wir "Zu allem bereit", da spult Ihr wieder die übliche Surge-Leier herunter.
Weißt Du, es ist auch gar nicht so einfach, beispielsweise gerade bei dem Song. Da haben wir den Refrain fünf, sechs Mal umgeschrieben und auch die Musik verändert und so, und irgendwann war es dann einfach ok, so nach dem Motto "Lassen wir es einfach so". Das ist dann vielleicht nicht in letzter Konsequenz durchgedacht. Das geht auch gar nicht so, dass Du jeden Song bis ins Tiefste abklopfst in diesem ganzen Arbeitsprozess, der auch viel Stress bedeutet. Ich war jeden Tag zwölf Stunden im Studio und habe geackert. Wenn ich nicht gespielt habe, habe ich halt aufgenommen und ähm … Also dieses Gefühl hatte ich bei dem Song auch, habe aber gedacht "Ok, das ist eben für den typischen Surge-Fan immer noch ein cooler Song". Habe ich gehofft … Du kannst es halt nie jedem recht machen.
In dem Song "Mein Tag" haben wir ja auch so eine ironische Position zu unserem … "Meckerimage" gefunden. Also wir setzen uns damit auch auseinander, vielleicht kriegen wir nicht immer die Kurve. Aber bei einer Band, die es seit 13 Jahren gibt, verwachsen sich auch viele Dinge. Wo man von außen sagt, "Mensch, warum macht ihr's nicht mal anders?" Ich bin auch mit großen Vorsätzen daran gegangen, bin in die Band gekommen und hab gesagt, "So, wir machen jetzt mal das und das …". Manche Sachen konnte man superleicht ändern und manches ist halt so, wie es ist. (lacht) Das ist ein lebendiger Organismus.
Wir haben ganz viele Fans, die kommen von der Schule nach Hause, schmeißen die Platte in den CD-Player und gehen dazu ab. Und so ein Gefühl "Du bist nicht alleine", was man denen bieten kann, das ist schon viel wert. Da hat man schon mehr erreicht als mancher andere. So lange es nicht total Larifari ist, bin ich da eigentlich schon sehr zufrieden mit.
Was wollt Ihr überhaupt erreichen? Sehr Ihr die Chance, mit Eurer Musik und Euren Texten die Welt zu verbessern, wenn ich es jetzt mal so blöd formulieren darf?
Es ist ganz komisch. Als Endzwanziger kommst Du einfach für Dich an den Punkt, wo Du Dir denkst, "Ach, das hat eh alles keinen Sinn". Ich kenne total viele Leute, die mit mir zur Schule gegangen sind und jetzt vielleicht auch seit zehn Jahren schon im Berufsleben stehen, die haben gar nicht mehr die Ideale. Und bei mir ist es jetzt zum Beispiel so, ich habe einen zweijährigen Sohn und das fängt jetzt wieder von vorne an. Dass ich halt denke, man muss das machen, muss versuchen, im Kleinen anzufangen, den Leuten andere Denkansätze zu vermitteln. Man macht sich nicht mehr die großen Hoffnungen, dass das alles so krass passiert, also dass da die fetten Resultate bei 'rauskommen, aber wichtig ist es halt im Kleinen.
Ich sehe, dass das teilweise funktioniert. Ich versuche, meinem eigenen Kind gewisse Werte zu vermitteln – und wenn ich das irgendwie schaffe, dann habe ich ja im Prinzip auch die Welt ein bisschen verändert, weißt Du? Das kann man genau so auch versuchen mit einem Songtext oder einer Ansage auf 'nem Konzert oder einem Video, das man auf die und die Art macht. Ob sich dadurch das Große und Ganze verändert … Das System, das wir haben, in dem wir jetzt leben, ist ja schon wieder ganz anders als das, in dem Du und ich aufgewachsen sind. Also verändert sich ja so oder so etwas. Man muss halt darauf achten, für sich selber auf der richtigen Seite zu stehen.
"Video" ist ein gutes Stichwort in Bezug auf "Mission erfüllt", das ja gar nicht mit den typischen Antikriegsbildern spielt, die man vielleicht erwartet hätte. Wie kam es zur Idee mit dem Kriegsveteran in der Kneipe?
Also das ist eine ziemlich lange Geschichte. Ich geb' Dir mal Olli, der neben mir sitzt, weil ich muss auch gerade mal … Vor allem hat der auch in 'nem anderen Interview eine ganz coole Antwort dazu gehabt.
Olli kommt ans Telefon, ich wiederhole die Frage und von nun an steht er Rede und Antwort:
Du hast es eigentlich schon fast selbst beantwortet. Wir wollten einfach kein Video machen, das man vielleicht schon hundertmal gesehen hat, mit CNN-Schnittfilmen, die aneinander gereiht werden und so weiter. Wir haben uns echt sehr lange Gedanken gemacht und auch viel diskutiert, wie man das visuell umsetzen kann, denn das war für uns sehr schwierig. Wir hatten verschiedene Ideen und am Ende ist diese übrig geblieben, dass wir das zeigen, was der Text vielleicht noch nicht so klar sagt. Was der Krieg auch mit einer einzelnen Person anstellen kann, und dies wollten wir dann auch mal in einem anderen Umfeld zu zeigen. Wir fanden, der Text sagt im Prinzip schon alles und wir brauchten keine Bilder, um das noch zusätzlich zu verstärken.
Besteht die Chance, dass das Video auch gespielt wird? Man kann es sich ja sonst nur von Eurer Seite runterladen.
Tja … das ist schwierig. (lacht) Wenn Du's gesehen hast, ist Dir bestimmt auch aufgefallen, dass ziemlich viel getrunken und geraucht wird …
… ach, das spielt eine Rolle?
… ja, auf jeden Fall. Es wird zumindest nicht tagsüber laufen, glaube ich. Vielleicht in Spezialsendungen abends, das wäre natürlich toll.
In der letzten Szene sieht man diese Kinoleuchte wo "Such A Surge" draufsteht, und da steht noch dieses … verdammt, ich wollte es mir notieren … neun Jahre irgendwas …
(lacht) … "nine years brain" steht da drauf …
Genau! Ist das so ein wenig selbstironisch gemeint, denn ansonsten wäre ja auch neun Jahre nicht korrekt und überhaupt …
(lacht) Das ist geil, dass Dir das aufgefallen ist. Es ist einfach nur so, dass der Club "Brain" heißt und die feiern halt jedes Jahr ihr Jubiläum, und das war gerade neun Jahre … (lacht) Das ist total banal, es ist schon fast peinlich, wie banal das ist, aber wir haben es dann einfach dringelassen. Auf unserer Internetseite im Gästebuch ist diese Frage auch schon ein paar Mal aufgetaucht: "Warum denn erst seit neun Jahren Gehirn? Vorher hattet ihr doch auch ... ?" (lacht) Ja, das ist lustig. Aber da steckt wirklich original gar nichts dahinter, außer so eine Art Danksagung an die Inhaber der Kneipe, dass wir dort drehen durften.
Wo ich Dich gerade dran habe, Ihr habt ja wieder einen Song komplett in Englisch gemacht, das war beim letzten Album ja gar nicht der Fall. "Instant Replay" – worum geht's da und warum nun wieder auf Englisch? Denn im rein musikalischen Vergleich finde ich den Song ein wenig schwächer als die anderen.
Warum Englisch, da gibt's eigentlich auch keine wirklich treffende Antwort drauf. Außer, dass ich halt einfach wieder Bock hatte, was Englisches zu schreiben. Es ist ja meistens so, dass die Musik eher fertig ist als der Text bei uns, und als das Stück dann fertig war, habe ich mich hingesetzt und hatte so ein Bild im Kopf. Und zwar war das das Bild von einem Crash-Test-Dummy, den ich dann irgendwie mit uns als Band verglichen habe. Davon handelt im Prinzip der Text auch. Der Song hieß auch zuerst "Crash-Test-Dummy" ... vielleicht auch wegen des Titels habe ich dann angefangen, auf Englisch zu schreiben und fand das auch die ganze Zeit cool.
Ich fand's zum Schluss dann auch merkwürdig, dass nur ein einziger englischer Song auf dem ganzen Album ist, aber wie gesagt – haben wir halt gemacht. Ich finde das auch im Nachhinein gut, dass wir so etwas dann auch zulassen, also nicht sagen, "Das passt doch jetzt irgendwie nicht". Wir sind ja eigentlich auch eine deutschsprachige Band, stimmt ja auch, aber wenn wir mal Bock haben, einen englischen Song zu machen, dann machen wir's halt auch einfach.
Ihr hattet ja früher auch sehr oft französische Texte zwischendurch, dieses Mal jedoch nur auf der Single in einem Refrain.
Ja genau, das ist eigentlich auch eine Sache, die wir früher gemacht haben, und Teile der Strophe sind bei dem Song auch auf Französisch. Ja, insofern haben wir da auch wieder etwas aufgegriffen, was schon ein bisschen länger her war.
Natürlich muss ich Dich noch fragen, ob mit "Pain In The Ass" [Surge-Nebenprojekt] mal wieder etwas geplant ist?
Ne, im Moment nicht. Such A Surge beschäftigt uns fast jeden Tag, für uns hat jetzt so eine Art "neue Saison" angefangen: Der Sommer und der Frühling kommen jetzt, wir werden Tourneen spielen, eine zur EP und eine zum Album, und dann hoffen wir, dass wir fast jedes Wochenende spielen können im Sommer. Da haben wir auch Bock drauf, und Pain In The Ass… mal sehen, ob da noch was kommt. Kann man echt schwer sagen, geplant ist jedenfalls gar nichts.
Ist das Thema dann durch?
Nö, das kann man auch nicht sagen. Bei PITA ging es halt von Anfang an um die Sache "Ok, wir machen jetzt kein neues Surge-Album, wir toben uns irgendwie mal anders aus." Das war so der Gedanke, der dahinter steckte. Und jetzt werden wir uns auf jeden Fall das ganze Jahr erstmal mit Such A Surge austoben. Was dann danach passiert, ob wir dann noch mal irgendwas unter dem Namen Pain In The Ass aufnehmen, das kann passieren. Aber wie gesagt, es ist nicht so, dass wir das jetzt schon in Voraussicht anpeilen.
Und wie steht's um Eure anderen Nebenprojekte, gibt's da mittlerweile überhaupt noch welche? Also "Revolver" gibt's ja, glaube ich, nicht mehr, und dann hattest Du ja noch Dein Hip-Hop-Ding …
Naja, also Revolver gibt's, glaube ich, schon noch, aber da ist es halt genau so wie mit Pain In The Ass. Ich würde nicht ausschließen, dass Antek und Lutz noch mal zusammen mit 'nem Sänger und 'nem Basser zusammen 'ne Revolver-Scheibe machen. So ist es auch mit Originalton [Hip-Hop-Nebenprojekt von Olli]. Wir machen halt alle gerne Musik und wenn wir uns dazu entschließen, dass der Zeitpunkt für Such A Surge noch nicht wieder der richtige ist, werden wir wieder irgendwas Neues rausbringen, auf jeden Fall, unter welchem Namen auch immer. Weißt Du, das gilt so fast für jeden in der Band, weil kontinuierlich eigentlich Musik gemacht wird.
Damit verdient Ihr ja auch Euer Brot, oder habt Ihr noch irgendwelche Nebenjobs, mit denen Ihr "richtig" Kohle reinholt?
Ne … (lacht) Im Prinzip sind wir eigentlich darauf angewiesen, live zu spielen und Gage zu bekommen. Davon leben wir … (lachend) mehr oder weniger …