Geschrieben von Dienstag, 24 Januar 2006 20:25

Subway To Sally - Interview mit Eric Fish

Review

Wer kennt sie nicht – SUBWAY TO SALLY, die Begründer des Mittelalter-Metals aus Potsdam. Nach der Veröffentlichung des in Fankreisen sehr kontrovers diskutierten Langeisens „Engelskrieger“ segelte das Septett im vergangenen Jahr mit dem Album „Nord Nord Ost“ wieder sprichwörtlich in heimischeren Gefilden – nicht jedoch, ohne Althergebrachtes mit einer gehörigen Portion Innovativität zu verbinden, was seitens der Fans wiederum mit hohen Verkaufszahlen honoriert wurde. Es folgte daraufhin eine ausgedehnte Deutschland-Tournee. Im Vorfeld des Konzertes in der Karlsruher Festhalle Durlach ergab sich für BurnYourEars die Gelegenheit zum ausgiebigen Gespräch mit Frontmann Eric Fish.

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, ihr hattet mit „Nord Nord Ost“ einen riesigen Erfolg in den deutschen Singlecharts …

 … nicht Singlecharts …

 … Albumcharts, sorry, und steht jetzt auch ziemlich am Ende der Tour. Was gibt’s für ein Fazit zu ziehen?

Es war ein grandioses Jahr, hast du ja selber schon gesagt. In der heutigen Situation mit all den Kommerzbands, die natürlich viel mehr verkaufen als wir, auf Platz fünf in den Charts zu landen, ist natürlich großartig. Was noch viel großartiger ist, ist aber, dass die Tour, die wir im September gestartet haben und jetzt fortsetzen, fast komplett ausverkauft ist. Es kommen so viel Leute wie noch nie. Und das ist, denke ich, ein verdienter Lohn für unsere ganz konsequente Arbeit, nämlich einfach Musik zu machen, ohne sich um den so genannten Mainstream zu kümmern, also einfach sein Ding zu machen.

So sehe ich das als logische Konsequenz unserer harten und auch vor allem langen Arbeit, und diese Früchte fahren wir jetzt eben ein. Das macht uns natürlich glücklich, diese wunderbare Situation, gerade jetzt zum Jahresende auf der Tour in solchen Läden zu spielen. Teilweise wurden die Konzerte ja schon in größere Hallen verlegt!

Was eigentlich jeden dazu anhalten sollte, seine Sache durchzuziehen, ohne mit dem Strom zu schwimmen. Das Thema "neues Album" müssen wir jetzt zwar nicht mehr groß aufwärmen, so neu ist es ja schließlich auch nicht mehr, trotzdem: Hättet ihr euch gedacht, so breit gefächert damit einzuschlagen?

Das kann man vorher nie wissen und man macht sich auch gar keine Gedanken. Das würde nämlich schon wieder heißen, dass man schreibt, damit diese oder jene Strömung bedient wird, eine Publikumsgruppe befriedigt wird oder so, und so funktioniert’s ja eben nicht. Eine Platte ist immer die Summe aller Erfahrungen, die man gemacht hat und die Summe dessen, was eine Band gerade Bock hat, zu tun.

Der Weg, beispielsweise zu machen, was der Produzent gerade will, ist nicht unser Weg. So kann ich nur sagen: Im Laufe des Produzierens und eigentlich schon beim Songwriting war ich mir sicher, dass es ein sehr massenkompatibles Album werden würde, auch ganz anders als der Vorgänger.

Aber ihr habt es euch nicht von vornherein vorgenommen …

Nein. Es ist wirklich beim Schreiben entstanden. Was natürlich schon ein Vorhaben war, und das merkt man an den Texten, die bei uns immer schon vorher da sind, an. Auf „Engelskrieger“ haben wir ja fast nur sehr strange Themen angesprochen, damit war’s dann aber erst mal gut.

Wir haben unsere Einstellung dokumentiert, die ist natürlich auch nach wie vor aktuell – wir spielen auch immer wieder Songs von der Platte – aber noch mal so einen derben Aufschrei wollten wir nicht bringen. Es ging also durchaus wieder ein Stück zurück in die Fantasiewelt, die SUBWAY ja auch ausmacht, und dementsprechend ist die Musik ja auch geworden, denn sie transportiert ja letztlich nur die Texte. Und diese Rückkehr in unsere Fantasiewelt ist denke ich auch der Grund, warum die Leute uns die Scheibe quasi aus den Händen reißen.

Man hat es euch gedankt, absolut. Du hattest angeschnitten, dass bei euch die Texte zuerst kommen, die Musik dann das Transportmittel darstellt. Wie entsteht bei euch von Grund auf ein typischer SUBWAY-Song? Kommt Bodenski irgendwann in den Proberaum gewackelt und meint, „Ich hab’ da’n neuen Text, macht ma!“ – oder so ähnlich?

Bevor ein Text geschrieben wird, wird erst einmal die Grundrichtung festgelegt, eine Art Idee von der ganzen Sache formuliert. Und dann begibt man sich gemeinsam auf die Suche nach Themen, eventuell Geschichten, manchmal auch nur einer Zeile oder einem Titel, der einem einfällt, der aber irgendwie schon so viel in sich trägt, dass da auch ein Text draus werden kann. Hinter fast jeder Geschichte, die wir haben, steckt eine persönliche Erfahrung, manche Texte sind aber auch wie auf Zuruf oder ein Schlagwort entstanden.

Bodenski ist gut genug, um auch Ideen anderer gestalten zu können, was er auch gemacht hat. Am Ende gibt’s einen Stapel von 20-30 Texten, die jeder mit sich herumträgt – vor allem die drei Leute, die prädestiniert sind, zu schreiben: Bodenski, Ingo und ich – und die hat man eben, und ich erzähle jetzt von mir, pausenlos vor Augen, kann sie auch irgendwann fast auswendig. 

Später gibt’s meistens die Situation, dass man mich irgendwo mit der Gitarre in der Hand antrifft, wenn mir eine Melodie einfällt oder sich der Refrain findet. Für mich baue ich so einen Ansatz daraufhin aus und mache ein Lied draus. Klar gehört ein wenig Handwerk dazu, zu wissen, was geht und was nicht.

Weiterhin hat natürlich heutzutage auch jeder die Möglichkeit, zuhause aufzunehmen – und dann wird’s eben der Band zum Fraß vorgeworfen, rauf und runter. Am Ende geht dann alles noch mal durch Ingos Hände, wenn eben alle den Song gut finden. Der verpasst dem ganzen das typische SUBWAY-Flair, hat eben auch das Wissen um die Harmonik und Rhythmik. Auf seinen Input können wir kaum verzichten.

Bei diesem Album habe ich es so geschafft, drei Songs beizusteuern. Ingo hat eine ähnliche Herangehensweise, also quasi durch nächtelanges Rumprobieren. Und eben erst, nachdem man’s zuhause vorproduziert hat, komplett mit Stimme und so, geht man ins Studio und nimmt die Nummer auf.

Gerade interessant ist eben die Frage: Wie bekommt man bei sieben Leuten die verschiedensten Einflüsse unter einen Hut?

Klar, man muss sich eben durchsetzen. Manchmal muss man ganz bewusst etwas, von dem man überzeugt ist, auch gegen bandinterne Widerstände behaupten, zumindest, dass sich irgendwo damit beschäftigt wird. Es ist extrem selten, dass alle gleich "Hurra!" rufen. Nur als Beispiel: Für dieses Album habe ich glaube ich so um die 14 Songs geschrieben, und wie ich schon sagte, haben’s dann drei auf das Album geschafft – was auch noch mal zeigt, wie hoch die Messlatte liegt ...

... was ja auch kein schlechtes Zeichen ist. Werdet ihr in Zukunft den Weg weitergehen, den ihr jetzt mit „Nord Nord Ost“ beschritten habt?

(Seufzt) Also, das kann ich überhaupt nicht prophezeien, weil ich schlicht keine Ahnung habe. Lass’ uns erst mal jetzt die Tour spielen, dann wird’s im Frühjahr ja die Akustik-Tour geben, die uns sicher sehr viel Spaß machen wird, und vielleicht werden sich daraus auch wieder Einflüsse ergeben, die sich auf dem nächsten Album wieder finden.

Wie gesagt – ich weiß es nicht, aber ich kann’s mir gut vorstellen. Wenn wir da so – ich sage mal – akustisch herumsitzen und ohne jeglichen Schnickschnack Musik machen, ergeben sich vielleicht wiederum Einflüsse oder Erfahrungen, die dann das kommende Album zu dem machen, was es letztlich werden wird. Aber absehen kann man so etwas nicht.

Womit du den nächsten Punkt schon angesprochen hast: Die anstehende „Nackt“-Tour. Was hat euch bewogen, genau jetzt, zu diesem Zeitpunkt nach acht Studioalben das „Unternehmen Unplugged“ zu wagen, das viele schon längst von euch erwartet hatten?

Das Ding stand schon so lange im Raum, dass nur noch ein geeigneter Zeitpunkt gefunden werden musste. Eigentlich war’s schon für letztes Jahr angedacht, sogar schon gebucht, doch es klappte dann nicht wegen der zeitgleich stattfindenden Plattenproduktion. Wir waren schon am Schreiben, und so sind wir dann eben nicht mehr zum Touren gekommen.

Jetzt kommt eine Zeit, das Album ist fertig, die dazugehörige Tour ist durch, in der wir uns im Februar und März ganz in Ruhe hinsetzen und das Ganze ausarbeiten und proben können. Daher ist der Zeitpunkt günstig. Und wenn’s dann in den Sommer hineingeht, werden wir parallel wieder am nächsten Album arbeiten.

Beschreib’ uns doch mal in wenigen Worten, was die Fans auf dieser „Nackt“-Tour erwarten wird, mit welchen Überraschungen wir beispielsweise rechnen dürfen. Auch, wenn’s dann keine Überraschungen mehr sind …

(Lacht) Genau das werde ich jetzt natürlich nicht machen, ist ja klar. Nun, SCHANDMAUL haben jetzt ihre Akustik-Tour gemacht. So wird’s bei uns aber nicht aussehen, wir werden kein Orchester oder dergleichen mitnehmen. Es wird einfach zwei Gastmusiker geben, ich werde auch nicht verraten, wer genau das sein wird ...

… na ja, gut, B. Deutung ist ja schon durchgedrungen …

Ehrlich? Schon bekannt? Woher weißt du das?

Öhm – aus dem Netz … ?

Über seine Teilnahme freue ich mich besonders. Mit B. Deutung habe ich schließlich meine musikalische Reise begonnen, und ich halte ihn für einen der besten Musiker, die ich jemals kenne gelernt habe.

Nun ja, des Weiteren wird’s wohl einfach eine sehr familiäre Geschichte werden. Songs, die die Welt – sage ich mal – kennt und liebt, von den Tanzflächen beispielsweise, sollen eben völlig nackt daherkommen. Ich glaube, das wird eine sehr, sehr intensive Geschichte werden. Wir werden mit den Leuten gemeinsam zwei Stunden singen …

… was sehr spannend werden dürfte. Generell sieht’s im Moment irgendwie danach aus, als suchtet ihr den Kontakt zum Publikum. Ihr lasst ja auch über fünf Stücke der Tour im Internet abstimmen, ihr werdet in ganz kleinen Clubs und Kirchen spielen. Ist auch ein Hintergrund, dass ihr eben wieder diese Art von engerem Kontakt zu euren Leuten sucht?

Schon. Die Beobachtung, aus der das alles resultiert, ist, dass man viele Kollegen hat und hatte, die parallel zu uns ihren Weg gegangen sind, und nicht alle sind an einem bestimmten Punkt in die richtige Richtung abgebogen. Wenn man mal „groß“ wird, muss man sehen, dass man an genau dieser Stelle das Richtige tut, also eben nicht auf die Bühne zu klettern, ohne zu spüren, was das Publikum eigentlich ausmacht.

Klar ist es toll, wenn man vor 1.500 Leuten spielt und dort als Rockstar gefeiert wird, aber es ist eben auch so was von gefährlich, daraus die falschen Schlüsse zu ziehen und nicht mehr das eigentlich Wichtige zu machen, worauf es eigentlich ankommt: Zu wissen, dass man nicht für sich Musik macht, sondern für die Leute da vorne. Und da gibt’s eben diesen blöden Spruch, der immer wieder falsch zitiert wird, vom „Geben und Nehmen“.

Ich finde, das ist eine absolute Bedingung, wenn man ehrliche Musik machen will, wenn man eben auch den Energiefluss haben will, der auf unseren Konzerten immer wieder stattfindet. Wir haben dahingehend eine ganz pragmatische Einstellung, gerade ich als Frontmann muss da sehr stark aufpassen – und ich hatte ja auch mal eine Zeit, vor etwa drei Jahren, in der ich gemerkt habe, dass ich eben dieses Feeling verloren habe.

Die Gräben wurden immer größer, wir haben auf riesigen Festivals gespielt, und der Spirit war auf einmal komplett weg. Deswegen habe ich damals auch wieder angefangen, Solo-Gigs zu spielen und somit wieder ganz nah an den Leuten dran zu sein. Das hat mir sehr geholfen. Inzwischen ist alles wieder wie früher: Wenn mal wieder mehr Leute vor der Bühne sind, wünsche ich mir, ihnen klar machen zu können, dass wir genau wie sie sind – die gleichen Probleme haben, die gleichen Wünsche, Hoffnungen und Phantasien, und dass wir nur diejenigen sind, die das eben in Musik fassen. Wie in einer großen Gemeinschaft.

Was du erzählst, ist insbesondere deswegen beeindruckend, da man häufig in Musikerbiographien von genau so einem Knackpunkt liest, den du gerade beschrieben hast. Beispielsweise Roger Waters von PINK FLOYD spürte diesen Bruch mit dem Publikum und verarbeitete die Eindrücke in „The Wall“. Irgendwann kommt häufig der Punkt, an dem der Künstler wieder näher zu seinen Fans möchte …

… genau.

Glücklicherweise beginnt genau in diesem Moment der Soundcheck des Schlagzeugs. Und – heißa – wir sitzen in einem Nebenraum der Bühne …

Themawechsel: Kommen wir zu eurem neuen Label, Nuclear Blast. Euer Album ist erschienen, die Umstände sollten sich so langsam eingependelt haben. Was hat sich geändert, seid ihr glücklicher als vorher?

Definitiv! All die Gründe, warum wir zu ihnen gegangen sind, haben sich als richtig herausgestellt. Bei jedwedem Major, bei dem wir waren, bist du nur eine Nummer. Und jetzt sind wir ein Thema! Ein Thema, mit dem umgegangen wird, wie es sein sollte zwischen Band und Plattenfirma.

Eine Firma sollte eine Band dann einkaufen, wenn sie an sie glaubt, wenn sie auf sie setzt, letztendlich natürlich auch, wenn sie mit ihr Geld verdienen will. Und alles, was die Jungs bei Nuclear Blast so tun, atmet so gar nichts Gezwungenes, nichts Geschäftliches, sondern eine ehrliche Begeisterung, die bei den Majors eben fehlt.

Menschlichkeit …

… ja. Natürlich haben sie auch geschäftlich einen sehr guten Job gemacht, wodurch wir von unserem Album mehr als je zuvor verkauft haben. Es stimmt und passt eben alles, mit denen kann man auch reden, wenn man ausgefallene Ideen hat, hier und da noch was machen möchte, und auch sie selbst kommen mit Ideen. All das sind Dinge, die heutzutage beileibe nicht mehr selbstverständlich sind, und die wir so nur bei Nuclear Blast erlebt haben.

Der Schlagzeuglärm schwillt zu einem allmählich gesundheitlich nicht mehr ganz unbedenklichen Lärmpegel an.

Aus aktuellem Anlass: Wie kommt ihr mit eurem neuen Drummer Simon Michael klar? Immerhin hat der Junge zu Zeiten, als es mit SUBWAY losging, gerade seine Schultüte in die Hand gedrückt bekommen. Wie war’s mit ihm auf Tour?

Phantastisch! Es wundert mich selber ein bisschen, aber es ist tatsächlich so, dass dieser Altersunterschied, der unübersehbar ist, nichts ausmacht und gar keine Rolle spielt. Der Junge ist schon so erwachsen, viel erwachsener als andere Leute in seinem Alter, ist klug und intelligent und hat sehr viel Taktgefühl. (Zwinker, zwinker! – Anm.d.Red.)

Man kann sich mit ihm über alles Mögliche unterhalten, auch und eben hinsichtlich der Allgemeinbildung sind ihm erstaunlich wenig Grenzen gesetzt. Er ist wissbegierig ohne Ende und vor allem ein absolut toller Mensch, also jemand, mit dem das Zusammensein richtig Spaß macht, mit ihm zu reden, zu trinken und eben auch Musik zu machen.

Irgendwie ist’s wie ein Tritt in den Arsch, wenn er da oben sitzt und spielt. Ich als Sänger kann mich umdrehen, sehe seine grinsende Fresse hinter dem Schlagzeug, und das kickt dann noch mal so richtig. Macht richtig Spaß. Das alles natürlich ganz abgesehen von seinen technischen Fertigkeiten – er ist ein super Drummer! Er hat sich auch sehr viele Gedanken zu den einzelnen Songs gemacht und bringt mittlerweile auch tatsächlich schon seinen eigenen Stil mit ein. Das ganze ist eine rundum perfekte Geschichte!

Schön zu hören! Doch noch einmal kurz zurück zum Thema Vermarktung eurer Musik: Denkt ihr gelegentlich über neue Märkte nach, gerade eben beispielsweise die USA? In regelmäßigen Abständen kommt ja auch das Thema englische Texte auf, danach frage ich mal bewusst nicht ...

Na ja … Es ist und bleibt eben ein Hemmschuh, der nicht zu leugnen ist. Gerade in Spanien, Italien oder Griechenland, wo unsere Musik generell schon 'ne Chance hätte, gibt’s eben diese Probleme mit der Sprache. Das neue Album ist, glaube ich, auch in ganz Europa veröffentlicht worden, dazu habe ich aber keine Zahlen, von den USA weiß ich es gerade nicht, ich glaube aber, dass ja. Wenn allerdings viel passiert wäre, wüsste ich’s.

Ein neuer Markt ist nach wie vor nur durch den Einsatz von viel Geld zu erobern, glaube ich. Großflächige Werbung in einem Land der Größe der USA verschlingt eben leicht Millionen, und so begütert sind Nuclear Blast wiederum auch nicht, dass sie das mal einfach versuchen.

Ich weiß auch nicht, ob ich das so bedauere. Wir haben einige Erfahrungen gemacht, so hier und da mal, haben zwar nie eine richtige Tournee gespielt, nur ab und an einen Gig. Es hat zwar überall mehr oder weniger funktioniert, meistens sogar mehr, aber es ist gerade für mich schon was anderes, wenn ich meine Texte singe und weiß, dass die Leute jeden Satz und jedes Wort so verstehen, dass es richtig ist.

Für mich ist es anders herum kein gutes Gefühl, Leuten auf Deutsch vorzusingen, von denen ich weiß, sie verstehen es nicht. Das ist meine ganz persönliche Meinung. Und der andere Weg, nämlich Texte umzuschreiben und zu singen, ist auch weit weg von meiner Vorstellung.

So etwas kann auch zünftig in die Hose gehen …

… ja. Es ist nicht unbedingt opportun. Ich weiß es nicht … (stockt) … also, worauf ich keinen Bock habe, ist, noch mal in den USA so eine typische Ochsentour zu machen, wie wir auch hier angefangen haben. So 20 Gigs zu buchen, von Ost- zu Westküste, und dann vor jeweils 50 Leuten den Anfang zu machen, sie für die Lieder zu begeistern und so weiter. Dafür hätten wir auch gar keine Zeit und keine Möglichkeiten.

Es könnte eben nur so passieren, dass dort eine Platte veröffentlicht wird, „Nord Nord Ost“ zum Beispiel, die sich dort dann herumspricht – dass eben seitens des dortigen Publikums ein richtiges Verlangen zu spüren ist, die Band live sehen zu wollen. Dann würde das Sinn machen.

Es soundcheckt die Vorgruppe. Tutti. Volle Möhre.

Würdest du SUBWAY TO SALLY als politische Band bezeichnen?

Würde ich, ja. Bezüglich der Texte merkt vermutlich jeder, dass bei uns kein bloßes Blabla geredet wird …

… ich denke auch beispielsweise an die „Beipackzettel“ zum Album „Engelskrieger“ …

Der Geräuschpegel wird unerträglich.

Politik ist ja nicht nur das, was man in den Nachrichten sieht, sondern alles, was man aufnimmt, kritisch beäugt und aus seinem Erfahrungsschatz zieht.

Auch, wenn es jetzt gerade auf „Nord Nord Ost“ augenscheinlich nicht so ist, liegt viel Politisches darin, gerade in Form von Gesellschaftskritik, die derartig gut in Geschichten verpackt ist, die auf den ersten Blick wie ein romantisches Märchen daherkommen. Aber auf den zweiten oder dritten Blick eben ist vieles drin, was die Gesellschaft zum Gegenstand hat und viele Missstände beleuchtet.

Kommt der – ich sage mal – „normale“ Fan da noch dahinter?

Viele ja, viele nicht, das bleibt aber jedem selbst überlassen. Wer in die Traumwelt abdriften möchte und sein Fantasiereich findet, der macht nichts falsch. Aber man merkt gerade über die uns zur Verfügung stehenden Kommunikationswege, sei’s Internet, per Post oder sonst wie, dass sich viele tiefer gehende Gedanken darüber machen, was wir singen – und das sehe ich als großes Kompliment. Wir haben, glaube ich, ein sehr kluges Publikum, und die verbringen so manche schlaflose Nacht, um dahinter zu kommen.

Durchaus möglich.

Ist das noch Musik oder schon Baustellenlärm?

(Deutet auf das Diktiergerät) Meinst du, du verstehst da später noch was?

Keine Ahnung … ich hoff’s! (Beide lachen) So langsam können wir auch zum Ende kommen, ich will deine Stimme nicht überstrapazieren!

(Grinst) Ach, das ist der erste Tag heute, da geht noch alles.

Vorhin hast du ja schon gemeint, über Songmaterial würdet ihr jetzt noch nicht nachdenken, aber …

… fragst du jetzt nach Plänen, oder wie?

Ja. Doofe Reporterfrage, was?

Das haben wir doch schon durch, oder? (Lacht) Doofe Reporterfragen muss man nicht stellen … 

Okay, wie wär’s dann mit: Was ist dein Lieblingsessen?

(Beide lachen) Das interessiert doch wirklich keinen …

Außerdem haben wir ja doch ein ganz schönes Gespräch geführt. Hast du noch eine Message an eure Fans?

Ich weiß nicht, so eine Message … Die müsste eigentlich viel länger gefasst sein, das geht nicht in einem Satz, weißt du? Ich glaube, die ganze Band in ihrer Darstellung, in ihrem Ausdruck, in dem, was die Leute von uns zu sehen bekommen, ist eine Message für sich. Weiterhin bin ich schon der Meinung, dass SUBWAY TO SALLY nicht so ist, wie andere Kapellen. Und dieses bisschen anders sein, ein bisschen ehrlicher vielleicht, direkter oder verrückter ist die Message.

Es hat viel damit zu tun, dass wir eben nicht blind durch die Welt rennen und uns des Rock’n’Rolls erfreuen, sondern über tiefere Dinge nachdenkende Wesen sind, die das in ihrer Musik transportieren. Und damit, dass wir den Leuten, für die wir diese Musik spielen, nicht nur 'ne kleine Freude machen wollen, sondern versuchen, ihnen zu helfen und ihnen Hoffnung zu geben, was in dieser Zeit, denke ich, sehr wichtig ist.

Das wiederum ist im Grunde so politisch wie nur wenig anderes.

Ganz genau.


Herzlichen Dank an Kathy Schütte von Nuclear Blast.