Geschrieben von Freitag, 21 Februar 2003 22:54

Dog Eat Dog - Interview mit Bassist Dave Neabore

Review

Der Hund bellt wieder!

Ja, lang ist's her, als Dog Eat Dog mit Hits wie „No Fronts" oder „Isms" die Kings im Crossover-Zirkus waren. Doch in den vergangenen Jahren wurde es unheimlich Still um die vier US-Boys mit der gewissen Gute-Laune-Garantie. Aber sie sind (fast) wieder zurück!

Dass Dog Eat Dog eigentlich kein Crossover ist und was uns das demnächst erscheinende neue Album bringen wird, wusste mir Bassist Dave Neabore im lockeren Gespräch im Marburger KFZ zu sagen. Nur ob es in den letzten Jahren eher schlecht oder gut lief, wird nicht so ganz eindeutig. Macht euch selbst ein Bild.

Ihr seid seit eurem letztem Album „Amped" (1999) nun schon das zweite Mal in Folge ohne neues Material in Europa auf Tour. Abgesehen davon hat man auch nichts von euch gehört. Was war los mit Dog Eat Dog in den letzten fünf Jahren?

Tja, eine Menge verrückter Dinge sind in der Zwischenzeit passiert. Ich weiß, dass viele Leute, die sich nicht so gut mit der Band auskennen, glauben, dass wir aufgehört haben zu spielen oder so was. Aber eigentlich lief es nach der Veröffentlichung von „Amped" ganz gut für uns, obwohl es keine wirkliche Tour zu diesem Album gab, sondern immer nur kleine vereinzelte Auftritte oder irgendwelche Festivals. Das lag unter anderem daran, dass unser altes Label Roadrunner für das Album so gut wie nix getan hat und nicht mehr voll hinter uns stand.

Momentan versuchen wir, die Leute wieder mit einer kleinen Tour auf dem Laufenden zu halten, um zu zeigen, dass wir noch da sind und live immer noch verdammt gut rocken können. Außerdem haben wir endlich wieder neues Material am Start, das wir auch schon hier in Deutschland für Demos eingespielt haben. Bald soll die neue CD im Kasten sein. Und dafür bot es sich an, nach Deutschland zu kommen. Es war eigentlich auch nicht geplant, so lange hier unterwegs zu sein, aber das Feedback war so groß, dass wir einfach eine einmonatige Tour draus gemacht haben.

Ihr nehmt also euer neues Album in Deutschland auf?

Ja, wahrscheinlich. Bis jetzt sieht es zumindest danach aus. Man muss wissen, dass wir nach der Veröffentlichung von „Amped" einen Vertrag mit einem neuen Management unterzeichnet haben, was aber ganz schön in die Hose ging. Daraufhin mussten wir fast eineinhalb Jahre warten, bis der Vertrag auslief und wir von Neuem beginnen konnten. In dieser Zeit war es natürlich nicht möglich, irgendetwas auf die Beine zu stellen.

Aber jetzt ist alles wieder gut: Wir haben ein neues Management, eine neue Booking-Agentur, das Umfeld stimmt und dass wir neue Songs im Gepäck haben, sagte ich ja bereits. Es ist also alles so, wie es sein sollte.

Wo sind denn die Unterschiede zwischen Dog Eat Dog aus dem Jahre 1994 und den jetzigen Dog Eat Dog?

Es gibt neue Bandmember, obwohl die ursprünglichen Gründungsmitglieder, Sean (Gitarre), John (Vocals) und ich immer noch dabei sind. Brandon, der erst später dazukam, ist ein großartiger Drummer. Das ist der größte Unterschied. Ich finde, wir verbreiten genauso wie früher noch diesen Fun-Vibe. Spaß und eine gute Zeit zu haben, gehört noch genauso dazu, wie das Gemeinschaftsgefühl zwischen der Band und den Fans, was uns enorm wichtig ist. Also kann man sagen, dass sich in der Hinsicht an uns nichts verändert hat.

Wir spielen nun schon seit 14 Jahren zusammen und sind eigentlich immer noch die gleiche Art von Band. Allerdings sind wir insgesamt besser als 1994, da wir auf viel mehr Erfahrungen zurückgreifen können. Vielleicht nehmen wir es jetzt sogar etwas ernster, gute Musik zu machen.

Aber ihr habt auch keinen Saxophonisten mehr. Warum?

Diese Saxophon-Sache kam damals eher aus einem Witz oder aus einer Laune heraus. Wir haben eigentlich niemals nur ansatzweise gedacht, daraus einen festen Bestandteil der Band zu machen. Es war eher „icing on the cake". Aber die Leute drängten darauf, aus uns „die Band mit Saxophon" zu machen, weil das halt keiner in der Form hatte außer uns. Von uns war das aber in dem Maße nicht beabsichtigt.

Als wir uns dann an das „Play Games"-Album ranmachten, verlangte jeder Trompete, Saxophon usw., was im Endeffekt total überzogen war. Danach musste ich einfach auf die Bremse drücken, weil ich keine Lust mehr hatte, in der Band zu spielen, von der erwartet wird, dass sie ständig und immer einen Saxophonspieler dabei hat. Ich meine, wir sind eine Rockband und sind das auch schon immer gewesen.

Dieses Saxophon-Ding geriet ungewollt außer Kontrolle. Anstatt es aber ganz aus unserem Sound rauszukicken, haben wir es immerhin bei vier Songs auf dem „Amped"-Album mit eingebaut. Und es wird auch weiterhin ein Teil von Dog Eat Dog bleiben. Wir werden wohl niemals eine Scheibe gänzlich ohne Saxophon aufnehmen. Aber momentan haben wir nicht das Bedürfnis, live mit Saxophon zu spielen. Wenn du dir Songs wie „No Fronts" oder „Who's The King" ohne dieses Instrument anhörst, wirst du keinen Unterschied merken, glaub mir.

Äh, okay ... Ist es vielleicht für euch rückblickend traurig zu sehen, dass ihr einmal als „Breakthrough Artist" auf MTV gewählt wurdet, die Bühnen mit Metallica oder Ozzy geteilt habt, und jetzt aber in so kleinen Clubs spielen müsst? 

Nein, überhaupt nicht. Als wir damals in meinem Keller die Band gestartet haben, dachten wir nicht im Entferntesten daran, irgendeine Art von Erfolg mit unserer Musik haben zu können. Wir haben uns auch niemals eingeredet, dass wir diesen Erfolg verdient hätten, sondern haben ihn genossen, solange er da war, denn wir wussten schon zu jener Zeit, dass der Erfolg nicht ewig währen wird. Nichts bleibt für immer. Selbst eine Supergroup wie Metallica wird es irgendwann in der Zukunft nicht mehr geben.

Ich will jetzt Dog Eat Dog nicht mit Metallica vergleichen, jede Band ist anders. Was ich damit nur sagen will, ist, dass der Erfolg damals von außen kam. Wir haben zu dieser Zeit prinzipiell auch nichts anderes gemacht als heute. Die Welle ist halt vorbei, wir hoffen gerade deshalb, neue Fanschichten zu erreichen. Leute, die vielleicht zehn Jahre jünger sind als die Leute, die uns Mitte der Neunziger gehört haben.

Wir sehen schon auf unseren Konzerten, dass wir ein sehr junges Publikum haben, die den gleichen Spaß am Abgehen haben, T-Shirts kaufen usw. wie die Leute damals. Letztendlich soll ja alles Spaß machen. Man hat mit 33 oder 35 einfach andere Sachen vor. Dog Eat Dog ist für mich immer noch enorm wichtig, aber ich höre und mache auch unterschiedlichste Musik. Deshalb spiele ich auch in anderen Bands. Wir werden also in nächster Zeit garantiert nicht aufhören, sondern besser denn eh und je weitermachen. Das neue Album wird der beste Beweis dafür sein.

Würdet ihr dennoch zugeben, Fehler in eurer Karriere gemacht zu haben?

Klar doch, wir haben riesige Fehler gemacht, tonnenweise, keine Frage. Aber viele Leute verstehen einfach nicht, dass man, wenn man in einer Band ist, die zudem noch Erfolg hat, gleichzeitig noch grün hinter den Ohren ist, oft von außen eingezwängt und in unterschiedliche Richtungen gedrängt wird. Dadurch haben wir viele Fehler begangen.

Plattenfirmen und andere Leute außerhalb der Band haben uns reingeredet, was wir zu tun und zu lassen haben und wie man wo Erfolg hat. Gerade in Deutschland gab's eine Zeit, in der wir cool und hip waren, aber gleichzeitig auch verpönt, weil wir in der „Bravo" auftauchten. Das Problem war schlicht, dass man uns dieses Magazin als eine wunderbare Möglichkeit, uns vielen Leuten vorzustellen, präsentiert hat. Rückblickend ist das für uns und unsere Old-School-Fans natürlich nicht so schön. Wir ahnten aber nicht, welche Ausmaße das Ganze annehmen würde. Wir haben ein beschissenes Foto für dieses beschissene Magazin gemacht und das war's. In anderen Ländern sieht das schon wieder ganz anders aus.

Insgesamt läuft es aber momentan in ganz Europa ganz gut für uns. Wir haben zwar einen kleineren Status, aber wir haben und werden immer gute Shows spielen, egal wo und egal ob auf irgendwelchen Festivals vor 20.000 Leuten oder in kleinen Schuppen wie hier in Marburg. Alles läuft prima.

Ihr hattet eure große Zeit, als Crossover das große Ding war. In den letzten Jahren hat eine härtere Gangart des Crossover die Welt geentert. Ich denke da an Bands wie Limp Bizkit oder Papa Roach. Wie siehst du die musikalische Entwicklung?

Ich würde Dog Eat Dog schon mal nicht als Crossover bezeichnen. Niemals! Der Begriff Crossover kam auf, nachdem wir auf der Bildfläche schon präsent waren. Wir hatten nie die Idee, „Crossover" zu machen und wollten auch nie in diese Schublade gesteckt werden. Nach uns kamen dann etliche Bands, die ähnlich klangen und man tat uns alle als Crossover ab.

Wir waren einfach ein paar Jungs, die das taten, worauf sie Bock hatten. Ich hab viele Ideen aus meiner alten Band Mucky Pup mit in Dog Eat Dog reingebracht, was wir dann mit härteren Elementen und Raps zusammengefügt haben. Das war eine ganz natürliche und spontane Sache, ohne jetzt krampfhaft einen auf Crossover zu machen. Wenn Leute es nötig haben, eine Band in die Crossover-Schublade zu stecken, weil auf ihrer CD mehr als nur ein Stil zu hören ist, dann sollen sie es tun. Ich jedoch bevorzuge, Dog Eat Dog als eine Rock 'N Roll Band zu sehen.

Auf „Play Games" habt ihr mit Szenegrößen wie Ronnie James Dio oder RZA vom Wu-Tang Clan zusammengearbeitet. Wer wäre heute eure erste Wahl?

Wir haben gerade einen Song aufgenommen, den die Sängerin von Die Happy einsingen soll. Wir sind mit ihnen mal getourt und der Song schreit förmlich nach ihrer Stimme. So oder so, es muss eine weibliche Stimme sein. Der Song ist noch so ne Art Demo, den wir dann ihrer Plattenfirma präsentieren werden, in der Hoffnung, dass sie die Einladung annimmt. Sie hat aber schon angedeutet, dass sie es machen will.

Wir hoffen, den Song in den nächsten Wochen dann aufzunehmen. Das wär' cool! Wenn ich mir wen aussuchen könnte, würde meine erste Wahl auf Andrew W. K fallen. Da bin ich ziemlich heiß drauf.

Welche Gruppen haben dich musikalisch beeinflusst? 

Definitiv Murphy's Law, Beastie Boys, Red Hot Chili Peppers, Fishbone, Leeway, Bad Brains. Alles Bands, die uns in den Jahren '89 oder '90 besonders stark zugesagt haben, bevor wir mit Dog Eat Dog anfingen und somit natürlich maßgeblich Einfluss auf unseren eigenen Sound hatten. Aber schon als Brandon bei uns einstieg, kamen neue Einflüsse hinzu. Das gleiche passierte, als Mark D. (Ur-Schlagzeuger noch vor der ersten Veröffentlichung; Anm. d. Verf.) oder andere neue Member hinzustießen. Gerade das macht für mich den Reiz an Dog Eat Dog aus: Es ist alles möglich.

Erzähl mir doch bitte was zu deiner Zweitband All Boro Kings.

All Boro Kings entstand in jener Zeit nach „Amped", als wir rumsaßen und auf das Auslaufen unseres Vertrags warteten. Ich tat mich mit Dan Nastasi zusammen, der damals schon auf der „All Boro Kings"-Platte von Dog Eat Dog die Saiten bediente. Wir haben die Band nach dieser Scheibe benannt, weil etliche Fans immer und immer wieder von uns verlangten, noch mal ein Album wie „All Boro Kings" zu machen. Ich hab denen bis dahin stets geantwortet, dass Dog Eat Dog sich weiterentwickelt haben und nicht noch mal solch ein Album aufnehmen werden. Später kam dann halt die Idee auf, eine Zweitband zu gründen, die wie die Fortsetzung von „All Boro Kings" klingt.

Wir haben dafür einen Vertrag mit Century Media unterschrieben, die allerdings einen sehr schlechten Job gemacht haben und, obwohl sich das Album ganz okay verkaufte, das Ding nicht zu promoten wussten. Trotz all dem ist es meine Lieblingsscheibe geworden, weil es einen Riesenspaß gemacht hat, mal wieder ohne Grenzen und Druck zu arbeiten, den wir bei Dog Eat Dog nicht ganz leugnen können. Außerdem haben wir eine coole und große Tour mit Agnostic Front, Biohazard und Hatebreed absolviert.

Mittlerweile ist das Projekt schon wieder ein wenig verstaubt, aber wer weiß, vielleicht werden wir noch mal was zusammen machen. Es war in erster Linie so ein einmaliges Ding, um unseren Dog Eat Dog Fans einen Gefallen zu tun und ihnen ein Album im alten Stile zu schenken.

Wie sieht's denn bisher mit dem neuen Album deiner Stammband aus? Wie wird es sich anhören?

Wir haben bis jetzt neun Songs fertig. Wie die letzten drei Songs sich anhören werden, weiß ich also nicht. Aber ich kann schon mal sagen, dass es wieder ein bunter Mix verschiedener Stile sein wird. Ich finde, die neuen Sachen sind näher am „Amped"-Album dran als an „All Boro Kings", wobei es ein bisschen knackiger sein wird als das letzte und auch neue Elemente ihren Platz finden werden. Es ist eine Entwicklung.

Bei einem Treffen haben wir beschlossen, einen Schritt nach vorne zu machen, uns Einflüssen zu öffnen und zu gucken, was heutzutage am besten in Dog Eat Dog funktioniert, anstatt so zu tun, als wären wir noch 22. Ich denke, das haben wir mit der Band All Boro Kings genug ausgelebt. Wir werden heute Abend drei neue Songs spielen, die die neue Platte ganz gut repräsentieren werden: typisch Dog Eat Dog, aber mit neuen Ideen.

Was glaubst du, wird die Zukunft für Dog Eat Dog bringen und was können die Fans noch von euch erwarten?

Hoffentlich eine neue CD von uns noch in diesem Jahr und noch mehr Shows in Deutschland. Am liebsten würden wir eine große Band supporten, so wie wir es am Anfang unserer Karriere z.B. mit Biohazard gemacht haben. Wir wollen der breiten Masse noch mal beweisen, dass wir jeden Club und jede Stadt sprengen können. Das wär' ne feine Sache.

Da zwei Mitglieder von euch in Washington D.C. leben, würde mich interessieren, wie ihr die aktuellen politischen Geschehnisse in den USA aufnehmt. 

Unsere politischen Meinungen sind nichts, was wir gerne in Interviews präsentieren wollen. Jeder in der Band hat eine eigene persönliche Meinung zu Politik, die aber nicht für die gesamte Band stehen muss. Wir haben schon immer gesagt, Dog Eat Dog ist keine politische Gruppe und schreibt auch keine politischen Songs. Ich mag nur sagen, dass ich mir Frieden für alle auf der Welt wünsche und dass alle ein erfolgreiches und gesegnetes Leben führen wie in Star Treck, haha!