Feine Sahne Fischfilet - Sturm Und Dreck Tipp

Feine Sahne Fischfilet - Sturm Und Dreck
    Punkrock / Indie

    Label: Audiolith Records
    VÖ: 12.01.18
    Bewertung:8/10

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Um den Namen FEINE SAHNE FISCHFILET kam man in den letzten Jahren nicht herum und jetzt, da ihr fünftes Album erscheint, kann ich auch endlich mal auf Albumlänge bei den Jungs von der Ostseeküste reinhören. Ich finde es zwar schwer, die Musik von dem – sagen wir mal „Phänomen“ zu trennen, aber vielleicht ist das ja mit ein Grund dafür, warum ich „Sturm & Dreck“ so abfeiere …

Aber dieses Phänomen begreift die Band ja selbst kaum und thematisiert das daher auch auf diesem Album. Gleichzeitig freuen sie sich diebisch, wenn Nazis und besorgte Bürger ausflippen, wenn sie sehen, wie groß eine linke Band wie FEINE SAHNE FISCHFILET (was für ein bescheuerter Name) mittlerweile ist. Und man gönnt es ihnen an diesen Stellen auch. Sie kommen sehr sympathisch rüber und wirken vor allem authentisch. Zwar ist die Produktion mittlerweile relativ dick, aber dennoch haben FSF jede Menge Ecken und Kanten in ihrem hymnischen und von Bläsern unterstützten Punkrock. Nicht jeder Reim sitzt hundertprozentig, und wie Monchi selbst singt: „Ich kann immer noch nicht singen und spiel' jetzt bei Rock Am Ring“. Wie gesagt, man gönnt es Euch.

Und auch wenn die Band eigentlich eher wie ein typisches AZ-Klientel klingt, hört man doch ihr „Großes-Festival-Repertoire“: dicke Refrains und Trompeten, die die Ohohohs vorgeben. Ja, man möchte mitsingen. Und auch die Texte berühren. Es geht ums Halt-Geben. Es geht gegen den Zeitgeist. Es geht gegen Rechts. Es geht aber auch für das Miteinander. Es geht um Alkohol und Feierei. Aber auch um die Erkenntnis, wie gefährlich dieser Rausch sein kann und vor allem auch, wie hohl von innen. FFS sind hier genauso stürmisch wie reflektiert – z.B. bei der sehr ehrlichen Hommage an die eigenen Eltern.

Mit Songs wie dem Opener oder „Dreck Der Zeit“ haben FEINE SAHNE FISCHFILET ein paar Songs dabei, die „härter“ klingen, als ich es erwartet hätte – da klingt dann nichts mehr nach Indie, sondern straight nach Punkrock. Aber dennoch ist „Sturm & Dreck“ sehr mitsingbar und streckenweise sehr tanzbar. Und fasst immer hymnisch. Der Sound ist dicke und sehr abwechslungsreich und hier und da blitzen kleine interessante Details hervor, ohne zu sehr vom Punkrock abzuweichen.

Und so können FFS hier einige wichtige Hymnen präsentieren, die jedem wohltuend vorkommen werden, der sich gegen die Abgründe des Zeitgeistes stellt und das Gewicht dieser Welt auf den Schultern spürt. Und diejenigen, denen das egal ist, denen haben FFS einfach zwei Hände voll geiler Songs mitgebracht. Ich selbst hätte nicht zwangsläufig erwartet, dieses Album so abzufeiern. Hut ab.