Carnalation – Deathmask

Carnalation Deathmask

Stil (Spielzeit): Death Metal/Grindcore (35:49)
Label/Vertrieb (VÖ): Spinefarm/Soulfood (03.02.12)
Bewertung: 7,5/10

http://www.myspace.com/carnalation

Seit vier Jahren im nordischen Untergrund unterwegs, erregte der finnische Fünfer schon nach zwei Jahren Aufsehen mit seiner ersten EP, so dass ein Label anklopfte. Als dann noch ein Herr Tägtgren sich bereit erklärte, das erste Album mitzuproduzieren, klang das recht viel versprechend. Und nun ist dieses Debüt-Scheibchen unter uns und zermalmt uns die Gehörgänge.

Dass der Prolog mit „Origins" betitelt ist, passt zu den Didgeridoo-artigen Tönen, die unheilvoll das zukünftige Gemetzel ankündigen.
Und Vollgas. Bei der Konfrontation mit dem ersten Song kann man kaum etwas anderes assoziieren. Mit einer Trillion Beats pro Minute rasen die Finnen drauflos, als ob ein spanischer Stier hinter ihnen her wäre. Erstaunlich ist dabei, dass dabei noch Zeit bleibt für kurze, nette Lead-Melodien und kleine Rhythmuswechsel. Erstaunlich ist das deshalb, weil diese Attacke schon nach weniger als drei Minuten vorbei ist.
Fast wie in der Marschmusik, nur geringfügig schneller, malträtiert der Drummer seine Snare bis zur Ekstase. Dagegen geht es in „Resistance" fast gemütlich zu, wenn groovige, abgehackte Riffs den Hals in Schwingung versetzen. Weniger gemütlich, aber passend abgedreht, sind die Vocals, die von Grunzlauten aus der Kniekehle bis zu hohen Screams der Marke wütender Gänse reichen.
Bei diesem Geprügel wird man plötzlich überrascht, dass in „2000 Years" kleine Leads ausgepackt werden, die sonst selten den Riff-Reigen unterbrechen. Als Schokokeks für zwischendurch wirkt dies aber sehr lecker und stört das musikalische Blutbad drumherum nicht.
Um den Ohren Entspannung zu gönnen – falls man das in diesem Genre überhaupt sagen kann – rockt der siebte Track „Virus Design" mit einer schönen Hookline davon, so dass es fast schon melodisch sexy wird. Aber kleine auflockernde Blastgeschosse können die Nordmänner dann doch nicht weglassen.

Insgesamt habe ich das Gefühl, dass in der zweiten Hälfte der Platte der Death Metal mit manchen rockenden Passagen mehr Einfluss bekommt. Dabei bleibt die hohe Durchschnittsgeschwindigkeit aber nicht auf der Strecke. Mit einem schwerfälligen Epilog, der nochmals alles platt walzt, was vorher noch in irgendeiner Weise stehen blieb, endet eine heftige Platte, die nicht viel länger als eine gute halbe Stunde dauern muss.
Die Kollegen von SANCTIFICATION holzen ähnlich flott und brachial durch die Gegend, wobei CARNALATION deutlich mehr grindige Anteile haben. Ob man nun die verrückten ABORTED oder lieber BENIGHTED als Vergleich heranzieht, ist nicht von Belang. Wer sich einer ordentlichen Tracht Ohrenprügelei unterziehen will, der ist bei dem Debüt dieser Finnen an der richtigen Adresse.
Manuel

"Größtenteils harmlos."