Caspian - The Four Trees


Review

Stil (Spielzeit): Post-Rock (60:22)
Label/Vertrieb (VÖ): Make My Day Records / Alive (25.07.2008)
Bewertung: 7/10


Link: http://www.caspianmusic.net/

Allen Nörglern sei es vorab bereits gesagt: Nein, auch CASPIAN erfinden den Post-Rock nicht neu. Und Ja, Vergleiche zu MOGWAI oder EXPLOSIONS IN THE SKY kommen beim ersten Hören zweifelsfrei auf. Jedoch macht die fünfköpfige amerikanische Band aus Beverly, Massachusetts, einiges richtig auf ihrem ersten Album „The Four Trees“: Sie bringen erfrischend neuen Wind in das mittlerweile stark überlaufene und fast schon ausgelatschte Genre der emotionalen Instrumentalmusik. Dabei verfolgen sie ihren Weg, den sie bereits auf ihrer 2005er EP „You are the Conductor“ einschlugen, stringent weiter und setzen ihren Songs hier und da noch einige Sahnehäubchen auf. 

Auch funktioniert „The Four Trees“ wieder im Gesamtkonzept, welches da heißt: Spannungsbögen, vom ersten bis zum letzten Song, gepaart mit geballter Instrumentalkraft und Aussparung jeglichen Gesangs. Klingt nicht neu, wird hier aber mit eindrucksvoller Neuinterpretation umgesetzt. Mit dem Opener „Moksha“ (Befreiung) wird ordentlich in den kaspischen Mikrokosmos eingeführt; sowohl wuchtige, pathetische Gitarrenwände als auch ruhige Ambientpassagen erstrecken sich über eine Länge von ca. neun Minuten und sorgen beim aufmerksamen Musikfan für ein Wechselbad der Gefühle. Mit dem anschließenden „Some Are White Light“ setzen die Jungs in Sachen Schnelligkeit und Härte nochmal einiges drauf und holen dabei alles aus ihren Instrumenten heraus. Generell klingt „The Four Trees“ im Vergleich zu anderen Alben des Genres an einigen Stellen auffallend hart, ohne dies mit „brutal“ oder „aggressiv“ gleichsetzen zu wollen. Da wird auch schon mal der Hall zurückgenommen und einfach in Distortion gerockt – wenn auch nur kurz. 

Mit „Crawlspace“ und „Brombie“ finden sich definitiv zwei Herzstücke, die dem Album einen wirklich wunderschönen Mittelpart mit allen Facetten bescheren- hier wird ein Höhepunkt an den nächsten gereiht. Mit Stücken wie „Our Breaths in Winter“ und „ASA“ beweisen Caspian ebenfalls, dass sie auch einfach mal innehalten können – und verwöhnen den Hörer mit beruhigenden Melodien, die einen verträumt zurücklassen. „Reprise“ rundet die Platte wunderbar ab und lässt noch einmal den gesamten Wirbelsturm losziehen, der sich in den vorangegangenen Stücken aufgebaut hat. 

Bei einer beachtlichen Spielzeit von rund einer Stunde wirkt der Sound durchgehend hochglänzend, was mit Sicherheit auch auf die hervorragende Arbeit von Produzent Nick Zampiello zurückzuführen ist, der bereits Kapellen wie ISIS und CONVERGE unter seine Fittiche nahm. 
Das Grundprinzip, das hier von CASPIAN ausgelebt wird, ist – wie anfangs erwähnt – bereits bekannt, jedoch kann man dem Album eine gewisse Frische, sowie stark spürbare Ambitionen attestieren, denn jeder der elf Songs wirkt kraftvoll und durchdacht. Aber mit dem Post-Rock ist es wie mit anderen „Modemusik“-Sparten: Früher oder später wird die Zeit kommen, da wird sich die Spreu vom Weizen trennen, und nur die ganz Großen werden in Erinnerung bleiben und nachhaltig stellvertretend für das Genre sein. Ob CASPIAN irgendwann dazu gehören werden, lässt sich jetzt noch nicht sagen. Zumindest haben sie ihre vier Bäumchen bereits ordentlich eingepflanzt, jetzt muss nur noch regelmäßig und vor allem angemessen gegossen werden...

Wer sich bereits zu Platten von THIS WILL DESTROY YOU oder MONO mit einer Flasche Wein im Wohnzimmer einschließen und assoziativ Farbkleckse gegen die Leinwand feuern konnte, der kann dies mit „The Four Trees“ auch tun – bedenkenlos.