Geschrieben von Freitag, 18 September 2026 09:39

Mehr als K-Pop mit Gitarren: CHROCKTIKAL rockt das Kölner Luxor

Die Band ChRocktikal Die Band ChRocktikal Credit: ChRocktikal

Wer bei CHROCKTIKAL in erster Linie an K-Pop denkt, dürfte am 11. September im Kölner Luxor ziemlich schnell überrascht gewesen sein. Mit Lee Siyeon steht eine Sängerin auf der Bühne, die einem internationalen Publikum vor allem als Main Vocal von DREAMCATCHER bekannt ist. Musikalisch geht es bei CHROCKTIKAL allerdings deutlich rockiger zu: Gitarren, Bass, Schlagzeug und jede Menge Rock.

Im Rahmen der ersten Welttournee "CRTK: The Beginning" geht es nun, nach einer bereits erfolgreichen Tour durch Nordamerika, für die noch junge Band nach Europa – und der Name der Tour passt durchaus. Denn CHROCKTIKAL wirkt weniger wie ein fertiges Produkt als wie eine Band, die gerade dabei ist, sich ihre eigene Identität zu erspielen.

Kleine Bühne, großer Sound

Das Luxor ist dafür die passende Adresse: keine riesige Produktion, keine Distanz zwischen Band und Publikum. Hier steht man nah dran, und genau davon profitiert CHROCKTIKAL. Mit "Intro: CRTK" geht es los, bevor "PEACE", "RIDE" und "WTH" den Abend in Bewegung bringen. Schon früh wird klar: Hier steht nicht einfach die bekannte Sängerin einer K-Pop-Band mit Begleitband, sondern eine eigenständige Rockformation. Die Gitarren bekommen entsprechend viel Raum, während Siyeon ihre Stimme wesentlich rauer und druckvoller einsetzt, als man es aus vielen DREAMCATCHER-Kontexten kennt. Das Ergebnis ist ein Sound, der zwischen Alternative Rock und melodischem Hard Rock pendelt.

Kein DREAMCATCHER-Konzert

Wer wegen Siyeon gekommen ist und auf DREAMCATCHER-Songs gehofft hat, geht leer aus: CHROCKTIKAL konzentriert sich konsequent auf eigenes Material. Songs wie "Green", "Free!" und "Victor" zeigen unterschiedliche Seiten der Band, bevor ein Instrumental-Jam von Gitarrist Lee Wonseok, Bassist Lee Junyoung und Schlagzeuger Je Gwanwoo Raum gibt, sich auch abseits des Gesangs zu präsentieren. Spätestens hier wird klar: CHROCKTIKAL ist kein Nebenprojekt der Sängerin, sondern ein Herzensprojekt, zu dem sich vier Musiker gleichberechtigt zusammengefunden haben.

Zwischen "Bloom & Gloom" und Clubrock

Besonders interessant ist der Zeitpunkt der Tour: Die EP "Bloom & Gloom" ist erst wenige Tage zuvor erschienen, mit "REQUIEM" steht entsprechend aktuelles Material im Mittelpunkt des Sets. Der Titel der EP beschreibt dabei ziemlich gut, was die Band musikalisch auszeichnet – Licht und Schatten liegen nah beieinander, auf härtere Passagen folgen melodischere Momente, ohne dass der rote Faden verlorengeht.

Mit "Guilty" und "¡Corre!" nimmt das Konzert wieder Fahrt auf, später folgen unter anderem "KALish", "NAVI", "Iris" und "Memory Box", bevor der Abend nach insgesamt 18 Programmpunkten und rund 105 Minuten endet – für eine Band, die im Januar erst ihr Debütalbum "We Break, You Awake" veröffentlichte, ein durchaus umfangreiches Set.

Der interessante Teil beginnt gerade erst

Natürlich merkt man CHROCKTIKAL an, dass hier noch keine eingespielte Rockmaschine auf der Bühne steht – das ist aber kein Nachteil, sondern macht den Auftritt gerade interessant. Songs, Bühnenpräsenz und Zusammenspiel können noch wachsen, gleichzeitig ist bereits eine klare Richtung erkennbar: CHROCKTIKAL will nicht einfach "K-Pop mit Gitarren" sein.

Der vielleicht größte Trumpf der Band ist die Kombination aus einer bereits international bekannten Sängerin und einer musikalischen Ausrichtung, die sich nicht ausschließlich an deren bisherigem Publikum orientiert. Wer heute mit offenen Ohren ins Luxor gekommen ist, bekommt keine DREAMCATCHER-Show, sondern eine neue Band, die ihren Platz im Rockkosmos sucht.

Atmosphäre

Das Luxor entwickelt genau die Atmosphäre, für die ein kleiner Club gemacht ist: eng, laut und direkt. Die ersten Songs werden noch eher verhalten verfolgt, doch mit zunehmender Spieldauer schwenkt die Stimmung spürbar – Köpfe nicken im Takt, Hände gehen nach oben, vor der Bühne wird getanzt und mitgesungen. Der Abend wirkt dabei angenehm unprätentiös: keine überdimensionierte Show, keine aufwendige Inszenierung, stattdessen vier Musiker, ihre Instrumente und ein Publikum, das sich zunehmend auf den Rock der Band einlässt.

Gerade die noch vorhandenen Ecken und Kanten machen den Auftritt interessant – CHROCKTIKAL wirkt nicht wie ein bis ins Detail polierter Live-Act, sondern wie eine Band, die ihren Sound gerade vor Publikum wachsen lässt. Zum Ende des Konzerts hin blieb niemand mehr ruhig stehen.

Fazit

CHROCKTIKAL steht noch am Anfang – und genau das ist der entscheidende Punkt dieses Abends. "CRTK: The Beginning" ist kein nostalgischer Rückblick auf Siyeons bisherige Karriere, sondern der Anfang eines neuen, eigenständigen Projekts. Im kleinen Kölner Luxor funktioniert das erstaunlich gut: die Nähe zum Publikum, der gitarrenorientierte Sound und eine Setlist, die konsequent das eigene Material in den Mittelpunkt stellt, machen den Abend zu mehr als einem Ausflug eines bekannten K-Pop-Stars in die Rockwelt. Ob daraus irgendwann eine feste Größe wird, muss die Zukunft zeigen – die Voraussetzungen dafür sind jedenfalls vorhanden. CHROCKTIKAL sind angekommen, und Köln hat den Anfang miterlebt.

Setlist

  1. Intro: CRTK
  2. PEACE
  3. RIDE
  4. WTH
  5. All in on me
  6. Shame
  7. Green
  8. Free!
  9. Victor
  10. Pizchihamster Jam Session
  11. Intro (Bloom & Gloom)
  12. REQUIEM
  13. Guilty
  14. ¡Corre!
  15. KALish
  16. NAVI
  17. Iris
  18. Memory Box

Besetzung:
Gesang: Lee Siyeon
Gitarre: Lee Wonseok
Bass: Lee Junyoung
Schlagzeug: Je Gwanwoo