Den Auftakt machte die französische Gruppe TSS. Die vier Musiker konnten den kleinen Club mit ihrem melodischen Alternative Rock gut aufheizen: klare Vocals und tiefe Growls brachten das Publikum ordentlich in Stimmung.
JILUKA – Kein kuscheliger Akt
Den Auftakt von JILUKA machte "DeViLs", die neueste Single und Namensgeber der Tour, gefolgt von "KVLT". Beide EGM-Songs sind geprägt von schnellem Tempo, chaotischen Instrumenten und aggressiven Vocals; veredelt durch elektronische Highlights. Wer bisher nicht wusste, worauf er sich bei JILUKA einlässt, dem wurde nun klar, dass die Band kein kuscheliger Akt ist, zu dem man einfach entspannt im Publikum stehen und mitnicken kann.
Mit "Divine Error" und "Lethal Affliction" leitete die Band über zu älteren Werken, bevor "BaLa-DeDa", Fan-Favorit und absoluter Live-Klassiker, den Raum zum Explodieren brachte: wortlos übernahm die Crowd ihre Parts in dem interaktiven, bewusst unstrukturierten Song, geprägt durch Gitarrist Senas Rap und mehrere Breakdowns.
Obwohl der Fokus der Tour die EGM-Songs sind, die der Band zu internationaler Bekanntheit halfen und sie auf mehreren Festivals und eine US-Tour mit 35 Stopps brachte, überraschten die Japaner ihre Fans mit einer bunt gemischten Setlist. Der mittlere Teil des Auftritts war dabei geprägt von melodischen Klassikern. Beginnend mit „Screamer", dem ersten Release der Band aus dem Jahr 2015, brachte Sänger Ricko auch die letzte stillstehende Person im Saal zum Hüpfen, Mitsingen oder Headbangen – zur Not sogar mit persönlicher Aufforderung. Stillstehen und mit dem Handy ein paar Videos aufnehmen war nicht erwünscht, Mitmachen und gemeinsames Genießen war stattdessen angesagt.
Weitere ältere Stücke wie "ELIZA", "Twisted Pain" oder "Eclipse", die vor allem die Fähigkeit des Sängers zeigten, mühelos zwischen Growls und Clean Vocals zu wechseln, konnten das hohe Engagement des bunt gemischten Publikums durchweg halten. Auch Drummer Zyean bekam die ihm gebührende Aufmerksamkeit mit einem beeindruckenden und zugleich verspielten Schlagzeugsolo, während die anderen Gruppenmitglieder abseits der Bühne kurz durchatmen konnten.
I want to see chaos!
Zum Abschluss des Konzerts wurden "OVERKILL", "S4VAGE", "BLVCK" und "VENΦM" gespielt, hiermit schlug die Band wieder eine Kurve zu den EGM-Songs. Wie eine freundliche Erinnerung, dass man ein JILUKA Konzert nicht unterschätzen sollte. Für diesen letzten Teil des Sets gab die Band nicht nur selbst alles, Sänger Ricko zog mit seiner charismatischen Art und überschäumenden Energie das Publikum mit. Seine Bitte: „I want to see chaos!“
Wall Of Death als Höhepunkt
Und dann kam sie: die Wall of Death. Das Publikum teilte sich mitten in der ZOOM Kantine, links und rechts wurde Platz geschaffen – und für einen kurzen Moment sah es fast so aus, als hätte jemand die Zeit angehalten. Dann setzte der Breakdown ein und beide Seiten stürmten aufeinander zu. Keine elegante Choreografie, sondern kontrolliertes Chaos. Die Menge prallte ineinander, überall flogen Haare und Arme, und innerhalb weniger Sekunden war klar: Hier hat gerade niemand vor, sich zurückzuhalten.
JILUKA liefern den Soundtrack, Frankfurt erledigt den Rest. Genau für solche Momente sind Songs mit dieser Wucht gemacht. Ein wahrlich krönender Abschluss für dieses Konzert.
Schlussendlich schien die Setlist mit 14 gespielten Stücken doch relativ kurz, aufgrund der dauerhaft hohen Intensität und bedingt durch die Location – das ZOOM ist ein kleiner Club – war sie jedoch selbst für den Konzert-erfahrensten Körper ausreichend.
Fazit
Die Setlist war für den Abend betrachtet abwechslungsreich, aber im Vergleich zur letzten Europatour nicht besonders überraschend. Bei der mehr als zehnjährigen Geschichte der Band gibt es ein so großes Repertoire, dass man hoffen kann, dass für den nächsten Besuch der Japaner mehr Lieder ihren Weg auf die deutschen Bühnen finden, die bisher nicht hier gespielt wurden.
JILUKA funktionieren live vor allem wegen der Kombination aus musikalischer Härte, elektronischen Elementen und Publikumsinteraktion: Tiefe Growls und schöne Cleanparts treffen auf musikalisches Talent und elektronische Beats. Wer auf prägnante Gitarren, starke Doublebass und eine charismatische Stimmungskanone steht, kann sich diese Band ohne Bedenken angucken. Den Studioaufnahmen fehlt dabei teilweise genau das, was JILUKA live so besonders macht: die rohe Energie und unmittelbare Verbindung zum Publikum.
Setlist
DeViLs
KVLT
Divine Error
Lethal Affliction
BaLa-DeDa
Screamer
ELIZA
Prisoners
- drums solo –
Twisted Pain
Eclipse
OVERKILL
S4VAGE
BLVCK
VENΦM
Besetzung
Gesang: Ricko (リコ)
Gitarre: Sena (セナ)
Bass: Boogie (ブギー)
Schlagzeug: Zyean (ジェーン)