Für eine junge Band, die zuvor gerade mal eine Scheibe veröffentlicht hatte, haben VELVETEEN QUEEN schon irre viel erreicht. Die Göteborger durften für ALICE COOPER und JUDAS PRIEST eröffnen, in Deutschland überzeugten sie als Vorband von NESTOR. Ihre Videos wurden vom renommierten Filmemacher Patric Ullaeus umgesetzt, und die Produktion von „The Greater Good“ hat mit dem Dänen Søren Andersen (u.a. Glenn Hughes) eine weitere Szenegröße übernommen. Die Hoffnungen in das Album und die zukünftige Entwicklung der Band sind also groß.

Es geht auch durchaus verheißungsvoll los, „Too Far Gone“ groovt ordentlich im Stil von SKID ROW, sehr schönes Teil. Danach der Titelsong – für mich das absolute Highlight der Scheibe. Was Gitarren und Melodie angeht, könnte „The Greater Good“ in der Tat eine alte Komposition von GUNS N´ ROSES sein, eine sehr starke dazu. Unterstützt wird der Song von LYNYRD SKYNYRD-Pianist Peter Keys. Sänger Samuel Nilsson macht aus seiner Bewunderung für Axl Rose keinen Hehl, verlässt sich aber zum Glück weitgehend auf sein eigenes Timbre.
„Talk Or Walk“ und „Adrenaline“ können danach das hohe Niveau nicht ganz halten – ich höre POISON und AEROSMITH raus, die Stücke sind mir jedoch zu austauschbar geraten. Danach ist dann tatsächlich Axl-Time: Die Strophe von „Can‘t Go Back In Time“ erinnert gesanglich stark an Gunners-Material im Stile von „It´s So Easy“. Das kann man als gelungene Hommage bewerten oder auch ein wenig peinlich finden. Der Refrain macht jedenfalls großen Spaß, insofern eine weitere hörenswerte Nummer.
Dann wird´s akustisch: „Chains“ ist eine dramatische Ballade, bei der Samuel Nilsson mit ausdrucksstarkem Gesang glänzen kann. Gefällt mir mit jedem Durchlauf besser. Auch „It Ain’t Over“ ist ein Grower, den man mehrfach hören sollte – treibende Strophe, gefühlvoller Refrain, klasse!
VELVETEEN QUEEN gelingt es, die Einflüsse der erwähnten Bands gekonnt zu durchmischen und dem Ganzen ihren eigenen Stempel aufzudrücken. Leider geht der Scheibe gegen Ende ein wenig die Puste aus. Die letzten vier Songs dümpeln mir zu sehr im Mittelmaß herum, und die zweite Ballade „Sorry“ wühlt ordentlich in der Kitsch-und Klischeekiste („Sorry, I went away / I´m sorry, I couldn´t stay“).
Dennoch: „Try (Try To Believe Me)“ beendet die Scheibe mit einem starken Solo des Gitarrenduos Lukas Axx und Noah Mårdh, und ich verspüre durchaus Lust, mir das Album gleich noch mal zu Gemüte zu führen.
VELVETEEN QUEEN haben kein zweites „Appetite for Destruction“ geschrieben – das hätte auch niemand von ihnen erwarten können. Freunde des Genres sollten „The Greater Good“ dennoch ihre Aufmerksamkeit schenken und sich daran erfreuen, dass es junge talentierte Musiker gibt, die diesen Sound am Leben erhalten und in der Lage sind, ihre Songs auch auf der Bühne glaubhaft und mit viel Energie umzusetzen.
It´s a long way to the top – VELVETEEN QUEEN sind auf jeden Fall in der richtigen Richtung unterwegs.
Anspieltipps: The Greater Good / Too Far Gone / Chains / Can‘t Go Back In Time / It Ain’t Over
Tracklist:
01 Too Far Gone
02 The Greater Good
03 Talk Or Walk
04 Adrenaline
05 Can‘t Go Back In Time
06 Chains
07 It Ain’t Over
08 Liar
09 Best Of The Best
10 Sorry
11 Try (Try To Believe Me)
VELVETEEN QUEEN:
Samuel Nilsson – Lead Vocals, Keys
Lukas Axx – Guitar
Noah Mårdh – Guitar
Vilmer Fall – Bass
Isac Borg – Drums