Mittwoch, 19 August 2026 21:00

Nestor - Live at Gothenburg Film Studios

Nestor - Live at Gothenburg Film Studios
    Hard Rock / Classic Rock

    Label: Napalm Records
    VÖ: 14.08.2026
    Bewertung:7/10

    Bandpage


NESTOR sind eine absolute Live-Band, deren Auftritte eine unglaubliche Energie und Glücksgefühle ohne Ende auslösen können. Die Idee, bereits nach zwei veröffentlichten Studioalben eine Live-Scheibe aufzunehmen, ist im Fall der schwedischen Hard-Rocker also alles andere als aus der Luft gegriffen. Allerdings: Das Ergebnis lässt mich ein wenig ratlos zurück.

Live-Alben entpuppen sich ja im Idealfall als Dokumente unfassbarer Konzerterlebnisse, bei denen die Euphorie der Fans unentwegt greifbar wird, altbekannte Songs in neuem musikalischen Gewand erstrahlen und das Zusammenspiel zwischen Band und Publikum eine mitreißende Eigendynamik gewinnt. Von all dem spüre ich auf „Live at Gothenburg Film Studios“ leider zu wenig.

Nicht falsch verstehen: NESTOR, vor allem Sänger Tobias und Gitarrist Jonny, präsentieren sich spieltechnisch wie immer absolut tight und auf Top-Niveau, der Sound ist druckvoll und transparent, fast schon wie im Studio, und praktisch jeder der dargebotenen 15 Songs – grandiose Rocker wie „We Come Alive“, das tolle „Signed In Blood“ oder der schwülstige Tanzflächenschwofer „Perfect 10“, alle musikalisch in der Schnittmenge von JOURNEY, FOREIGNER und CHICAGO – hätte das Zeug, selbst im vollbesetzen Madison Square Garden abzuräumen.

Video: Nestor - On The Run (Live at Gothenburg Film Studios)

Was mir jedoch zu kurz kommt, sind Spontanität und die Reaktionen des Publikums, die meines Erachtens nach nicht genug Raum erhalten. Während NESTOR eine makellose Performance abliefern, scheint sich die Interaktion auf ein paar Ansagen auf Schwedisch sowie gelegentliche „Come on“-Aufforderungen zu beschränken. Klar, Blicke und Gesten kann man nicht hören, doch erst beim vorletzten Song, dem wunderbar melancholischen „1989“, entwickelt sich so etwas wie ein hörbares Wechselspiel zwischen der Band und den Fans, das die erhoffte Live-Magie entfacht.

All das wäre vielleicht auch gar nicht so sehr ins Gewicht gefallen, hätte nicht jemand die unsägliche Entscheidung getroffen, jeden einzelnen Song auf dem Album ein- und dann wieder auszufaden. Will heißen: Nach jedem Stück brandet für drei Sekündchen Jubel auf, dann wird’s totenstill, und das Spiel beginnt von Neuem.

Ich habe keine Ahnung, ob das eine Anbiederung an die algorithmusgesteuerten, sogenannten „heutigen Hörgewohnheiten“ des jüngeren Publikums darstellen soll, doch für mich als Fan eines lebendigen und zumindest halbwegs authentischen Konzertfeelings ist sowas nicht einmal im Ansatz nachvollziehbar. Liebe Freunde bei Napalm Records, bitte lasst sowas in Zukunft sein – das ist wirklich kompletter Murks und raubt jedem Live-Mitschnitt die Seele!

Video: Nestor - Teenage Rebel (Live at Gothenburg Film Studios)

Nichtsdestotrotz wird es ganz sicher viele NESTOR-Fans geben, für die „Live at Gothenburg Film Studios“ eine schöne Erinnerung an die letzte Tour darstellt. Wer die Band noch nicht gesehen hat, dem empfehle ich, unbedingt eines ihrer Konzerte zu besuchen – manche Dinge lassen sich, wie man hört, nur schwer auf Konserve bannen und man sollte sie stattdessen lieber selbst erlebt haben.

„Live at Gothenburg Film Studios“ gibt’s auch als CD mit zusätzlicher Blue-Ray. Darauf wurden vier Songs der Audioscheibe weggelassen.

Live at Gothenburg Film Studios Tracklist:
1. Intro
2. We Come Alive
3. Kids In A Ghost Town
4. Stone Cold Eyes
5. Perfect 10
6. The One That Got Away
7. Last To Know
8. Unchain My Heart
9. Signed In Blood
10. Victorious
11. Caroline
12. Firesign
13. On The Run
14. Teenage Rebel
15. 1989
16. It Ain't Me

NESTOR Besetzung:
Tobias Gustavsson (v.)
Jonny Wemmenstedt (g.)
Martin Frejinger (key.)
Marcus Åblad (b.)
Matthias Carlsson (dr.)


Marcus

Als Kind geprägt durch die umfangreiche Plattensammlung meines Vaters, in der von BAP bis Motörhead alles vertreten war, sowie eine dauerhafte Infektion mit dem Kiss-Virus (seit 1979 nicht mehr abgeklungen), entwickelte sich äußerst früh meine Begeisterung für Rock, Hardrock, Metal und Konzerte. Und abgesehen von Paul Stanley und Co. gilt in meinem Fall: Je kleiner, desto feiner! Diese unglaubliche Energie, die ein Clubgig entfachen kann, ist für mich mit nichts zu vergleichen. Insofern ist es gar nicht hoch genug zu bewerten, dass es auch nach Corona und trotz bedenklicher Preisentwicklungen kleine Veranstalter und Locations gibt, die mit Herzblut dafür kämpfen, auch unbekannteren Künstlern eine Bühne zu bieten – das ist keine Selbstverständlichkeit! Daher: Support your local clubs and bands!

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Rückmeldungen und Fragen sehr gerne per Instagram @bendelmarcus oder per Mail an marcus@burnyourears.de

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