Die Initiative reagiert auf die schwierige wirtschaftliche Situation vieler Clubs und Veranstalter. Steigende Kosten für Energie, Personal, Technik, Logistik und Gagen treffen vor allem kleine Spielstätten und risikoreiche Nachwuchsveranstaltungen. Gleichzeitig konzentriert sich das Publikum zunehmend auf wenige große Events, während regionale Konzertangebote und kleinere Tourneen schwerer kalkulierbar werden.
Das Grundprinzip lautet: Wer am großen Livegeschäft verdient, soll einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass die Infrastruktur erhalten bleibt, auf der spätere Erfolge überhaupt erst entstehen. Das Modell orientiert sich unter anderem am britischen Liveline Fund, wird in Deutschland aber als freiwillige, branchengetragene Lösung umgesetzt.
Drei Finanzierungsphasen
Der Fonds soll perspektivisch auf drei Einnahmequellen setzen:
- In der ersten Phase können Konzertbesucher:innen beim Ticketkauf freiwillig einen Betrag ihrer Wahl spenden. Die Funktion wird von teilnehmenden Ticketanbietern in den Bestellprozess integriert. Genannt werden unter anderem Stager, deinetickets.de, ticket i/O, Reservix, XCEED, Rausgegangen und München Ticket.
- In der zweiten Phase soll der sogenannte „Live Euro“ hinzukommen. Dabei handelt es sich um einen automatisch im Ticketpreis enthaltenen Beitrag von einem Euro – zunächst für Clubkonzerte, Open-Airs und Festivals ab einem Eintrittspreis von 35 Euro.
- In einer späteren Phase sind zusätzliche Mikroabgaben von Unternehmen vorgesehen, die am Livegeschäft beteiligt sind. Im Gespräch sind unter anderem Veranstalter, Spielstätten, Ticketfirmen, Labels, Verlage, Streamingdienste und weitere Branchenpartner.
Die Beiträge sollen nicht als staatliche Abgabe erhoben werden. Veranstalter, Ticketanbieter, Künstler:innen und weitere Beteiligte entscheiden sich freiwillig für die Teilnahme am Solidarmodell. Auch Veranstaltungen unterhalb der genannten Preisgrenze können sich beteiligen und die Spendenfunktion aktivieren.
Wofür das Geld gedacht ist
Zum Start sind drei Förderlinien vorgesehen:
- Kleine Clubs und lokale Veranstalter: Unabhängige Spielstätten und Veranstalter von Konzerten mit bis zu 500 Personen sollen pauschale Zuschüsse für einzelne Veranstaltungen beantragen können. Das Geld ist unter anderem für Miete, Technik, Personal und Gagen gedacht.
- Unabhängige Festivals: Kleine und mittlere Festivals mit regionalem Programm und Nachwuchsanteil sollen Unterstützung für Künstlergagen und zusätzliche Konzertangebote erhalten.
- Erst- und Nachwuchstourneen: Acts die ihre ersten Tourneen planen können Zuschüsse für bundesweite Touren beantragen. Vorgesehen sind mindestens fünf Konzerte in unterschiedlichen deutschen Städten. Die Förderung soll unter anderem Transport, Übernachtungen und Tourproduktion abfedern.
In früheren Ankündigungen war außerdem ein Fehlauslastungsausgleich für mittlere Konzerte bis etwa 2.000 Besucher:innen als mögliche Förderlinie genannt worden. Die aktuell beschriebenen Startlinien konzentrieren sich jedoch zunächst auf kleine Clubs, unabhängige Festivals und erste Tourneen. Weitere Bereiche wie Inklusion, Nachhaltigkeit, Ausbildung, Diversität und innovative Livemusikformate sollen später ergänzt werden.
Wer Geld beantragen kann
Der Fonds ist nicht als allgemeiner Fördertopf gedacht, bei dem sich alle Veranstalter unabhängig von ihrer Beteiligung bedienen können. Anträge sollen grundsätzlich nur von Akteur:innen gestellt werden können, die das Solidarmodell unterstützen. Das kann beispielsweise durch die Aktivierung der Spendenoption im eigenen Ticketing geschehen.
Die konkreten Förderbedingungen sollen im vierten Quartal 2026 durch den Förderbeirat final beschlossen und veröffentlicht werden. Geplant sind digitale Anträge mit möglichst geringem bürokratischem Aufwand. Für einzelne Förderlinien sollen technische Kriterien und feste Berechnungsschlüssel gelten, statt jede Veranstaltung einer klassischen Juryentscheidung zu unterziehen.
Eine weitere Voraussetzung ist eine Selbstverpflichtung zu einem respektvollen und diskriminierungsfreien Veranstaltungsumfeld. Die Mittel sollen nicht an Veranstaltungen fließen, die rassistische, antisemitische, sexistische, homophobe, transfeindliche oder anderweitig menschenverachtende Inhalte verbreiten oder unterstützen.
Einschätzung zum Live Music Fund Germany
Der Live Music Fund bietet der Branche die Möglichkeit, einen Teil ihrer Infrastruktur aus eigenen Mitteln zu stabilisieren. Gerade kleine Clubs und Newcomer-Tourneen könnten von einem unkomplizierten Zuschuss profitieren, wenn ein einzelnes Konzert wirtschaftlich nicht aufgeht.
Gleichzeitig hängt die Wirksamkeit des Modells davon ab, wie viele Ticketanbieter, Veranstalter und große Shows tatsächlich teilnehmen. Offen sind außerdem die endgültige Höhe des Live Euros, die konkreten Fördersätze, die Zahl der verfügbaren Förderungen und die genaue Zusammensetzung der regionalen Beiräte. Die verantwortlichen Stellen wollen diese Details im Laufe des vierten Quartals 2026 festlegen.
Für Konzertbesucher:innen bleibt der Einstieg zunächst unkompliziert: Wer ein Ticket bei einem teilnehmenden Anbieter kauft, kann beim Bezahlvorgang freiwillig einen zusätzlichen Betrag an den Fonds geben. Veranstalter und Branchenunternehmen können sich über die offizielle Website des Live Music Fund an der Initiative beteiligen