Um Missverständnisse zu vermeiden: Die seit ein paar Jahren grassierende NWOTHM (New Wave Of Traditional Heavy Metal) ist zum Großteil an mir vorübergerauscht, und ich bin weit davon entfernt, alles über den grünen Klee zu loben, nur weil es irgendwie so schön oll klingt. Und auch im Fall von „Eternal Dagger“ waren einige Komponenten mehr nötig, um mich zu überzeugen.

IRON KOBRA wurden 2008 in Gelsenkirchen gegründet, Inspirationsquellen waren Bands wie CIRITH UNGOL, LIVING DEATH, MANOWAR und IRON MAIDEN. 2012 erschien das Debüt „Dungeon Masters“, 2015 das zweite Album „Might & Magic“. Textlich war Sword & Sorcery angesagt, und die Bandmitglieder traten unter humorigen Namen wie Sir Serpent, Don „The Warrior“ Viper oder Cimmerian Conda auf.
Acht Jahre und etliche Konzerte später sind die Pseudonyme offenbar passé und IRON KOBRA musikalisch deutlich gereift. Das Eröffnungsdoppel „Trembling Dungeons“ und „Forbidden Fruits“ ballert mit mächtig Galopp aus den Boxen – größtenteils ist 80er-Speed-Metal angesagt, mit leichtem US-Einschlag und beeindruckender Gitarrenarbeit.
Ob ich´s wirklich gut finde, vermag ich beim ersten Durchgang noch gar nicht richtig zu sagen. Definitiv gewöhnungsbedürftig ist für mich das Timbre von Sänger/Gitarrist Ela. Stellt euch eine ungefähre Mischung aus den Debüt-Alben von HELLOWEEN, RAGE, ABATTOIR und AGENT STEEL mit einem entfernten Cousin von Farin Urlaub am Mikro vor. Und damit liegt man immer noch ziemlich weit daneben.
Song Nummer 3 hört auf den Titel „Fliehen“ – genau, IRON KOBRA versehen nämlich, wenn es sie juckt, auch mal einen US-Metal-Song mit einem deutschen Text. Zeilen wie „Ich zisch ab, hau´ in den Sack, ich muss weg von hier“ werden wohl keinen Grimme-Preis ergattern, aber das Teil funktioniert mit seiner leicht punkigen Note hervorragend.
„Shibuya Nights“ ist danach so etwas wie das Hard-Rock-Stück der Scheibe, mit einer catchy Melodie im Refrain, die mich ein wenig an die allerersten Gehversuche der SCORPIONS vor mehr als 50 Jahren erinnert. Und wertig geht´s weiter: Das starke, extrem melodische „Silver Strings And Iron Wings“ offenbart das Faible der beiden Gitarristen für die erste Maiden-Scheibe, und auch der Titelsong „Eternal Dagger“ knallt gut. Bei den Fantasy-Texten steig´ ich aber ehrlich gesagt aus – wer oder was zur Hölle ist ein „Ewiger Dolch“?
Ist aber auch egal, denn die hohe musikalische Qualität der Songs setzt sich bis zum Ende fort. Auf Anspieltipps verzichte ich bewusst – zieht euch „Eternal Dagger“ mit seinen 35 Minuten lieber am Stück rein, und wenn euch irgendwas davon anspricht, gebt dem Album noch ein paar Durchläufe – dann erschließt sich vielleicht, worauf ich hinaus will.
IRON KOBRA - Trembling Dungeons (Lyric Video)
Was die Scheibe dermaßen sympathisch macht: IRON KOBRA ziehen ihr Ding gnadenlos durch, mit Verve, leichter Schrulligkeit und Selbstvertrauen. Die Songs bleiben im Ohr, selbst wenn es mal knarzt im Gebälk - was nicht passt, wird passend gemacht! Da darf auch mal die Melodie holpern, ein Ton sitzt nicht richtig, der Text wirkt mitunter reingepresst, Tempowechsel erfolgen vollkommen unerwartet, und das Titelstück endet so abrupt, dass mancher renommierte Produzent die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würde. Aber genau deshalb funktioniert´s! „Eternal Dagger“ riecht nach Gigs im Jugendzentrum, Bockwurscht und Dosenbier – und das ist einfach extrem geil!
„Eternal Dagger“ Tracklist:
1. Trembling Dungeons
2. Forbidden Fruits
3. Fliehen
4. Shibuya Nights
5. Silver Strings And Iron Wings
6. Eternal Dagger
7. Unchained & Untamed
8. Treacherous Tyrant
9. Mountains Of Madness
IRON KOBRA Besetzung:
Ela – Vocals & Guitars
Steffen – Lead Guitars
Matze – Bass
Björn – Drums
IRON KOBRA live 2026:
Sa., 22.08., Oer-Erkenschwick (NRW), Joe e.V.
Do., 10.09., Wurzer O´Schnitt Halle (Bayern), Storm Crusher Festival – Dying Victims Label Night
Fr., 25.09., Grillplatz Rauschenberg (Hessen), Erntedrunkfest
Sa., 05.12., Hamburger Markthalle, Metal Forces II Festival