Geschrieben von Mittwoch, 08 Juli 2026 09:48

Drums, Dramen, Dracula – Auf einen Messbecher Kakao mit Thomen Stauch

Proberaum-Talk mit einem der beliebtesten Schlagzeuger Metal-Deutschlands: Thomen Stauch Proberaum-Talk mit einem der beliebtesten Schlagzeuger Metal-Deutschlands: Thomen Stauch Bild: Johannes Berthold

Seit 2005 ist viel passiert, aber zwei Institutionen sind nach wie vor solide am Start: BurnYourEars und Thomas „Thomen“ Stauch. Zeit für eine Reunion!

Nachdem wir zuletzt nach seinem Ausstieg bei BLIND GUARDIAN die Ehre mit Thomen hatten – damals gab es ein Telefonat nach Spanien –, ist dringend ein Update fällig! Der schon längst wieder im Rhein-Ruhr-Areal ansässige Schlagzeuger lud in seinen Proberaum und nahm sich ausgiebig Zeit für uns. Ausgiebigst. Das Originaltranskript dieses Interviews umfasst 43 Seiten – wir hätten fast schon ein ganzes Buch drucken können! Einmal in Fahrt, ist Thomen nicht mehr zu stoppen. Gut, dass er Pläne für einen Podcast hat – langweilig wird’s erstmal nicht.  

Thomen, lass uns mit einem klassischen „Was macht eigentlich …“ anfangen: Vor 21 Jahren war SAVAGE CIRCUS gerade in der Gründung. Seitdem hast du in einigen weiteren Bands gespielt (u.a. SERIOUS BLACK, zuletzt MENTALIST). Woran arbeitest du jetzt gerade musikalisch?  

Momentan baue ich zusammen mit meiner Lebensgefährtin und guten alten Freunden eine neue Band auf, ARCANE REIGN. Wir machen traditionellen Metal mit verschiedenen Einflüssen bis in den Power- und Deathmetal-Bereich rein. Melodisch, hart, episch ... alles, worauf wir Bock haben, da gibt es keine Grenzen. Meine Verlobte Silke Gärtner singt, Horst „Hotte“ Baumhackl und Marcus „Macken“ Dörk (ex-LUCIFER’s HERITAGE) spielen Gitarre, Jörg „Käptn“ Deinis (ex-PILLOW KILLZ) ist am Bass und ich am Schlagzeug. Fast alles Krefelder Urgesteine, haha!

Wie weit seid ihr mit eurem Songwriting? 

Momentan ist Hotte der Haupt-Songwriter und etliche Songs sind vom Grundgerüst her schon lange geschrieben. Er hatte die schon seit geraumer Zeit in der Schublade – aber nie eine Band, mit der er das umsetzen konnte. Silke und ich befassen uns jetzt detaillierter damit und schreiben die Gesänge dazu. Bei fünf Tracks haben wir die Arbeitsgesänge inzwischen aufgenommen, drei davon müssen aber nochmal überarbeitet werden, auch thematisch. Meine aktuelle Idee ist, Francis Ford Coppolas Film „Dracula“ zu verarbeiten. 

Oh, soll es ein komplettes Dracula-Konzeptalbum werden?

Ja, so ist der Plan. Ich weiß aber noch nicht so genau, wie die Reise weitergeht. Eine Idee zu haben ist das eine, aber sie umzusetzen, das andere – zumal Texten für mich auch eher Neuland ist. Grundsätzlich soll das ganze Album Dracula-basiert sein, aber die Idee ist, dass man es nicht zu demonstrativ in den Vordergrund stellt. Ein Dracula-Fan wird es sofort erkennen, aber man soll die Texte auch allgemeiner interpretieren können. Der Film beinhaltet ja alle möglichen Themen wie Sehnsucht, vergangene und ewig währende Liebe und so weiter. Das kann man auch offener formulieren.  

Was hörst du denn derzeit privat so für Musik?

Momentan bin ich total auf dem MYRATH-Trip. Das neue Album liebe ich, aber auch die alten Sachen sind super. Ab und zu läuft auch ein bisschen KAMELOT, die sind immer noch eine sehr gute Band. Ich mag auch gerne ganz softe Sachen, PHIL COLLINS, GENESIS, BETH HART oder sowas. GOTTHARD finde ich auch mega geil, nach wie vor. Steve Lee war für mich einer der besten Hardrock-Sänger, die es je gegeben hat. Der hat so viele Emotionen in seiner Stimme, da kriegt man Gänsehaut. 

Beeinflussen diese Bands und Künstler dich auch für deine eigene Musik oder trennst du das?

Ich denke heute eigentlich überhaupt nicht mehr über Einflüsse nach. Wenn ich einen Song gemacht habe, vergleiche ich vielleicht hinterher, womit der Gesamtklang Ähnlichkeit haben könnte. Aber bei meinem Schlagzeugspiel denke ich schon lange nicht mehr in irgendwelchen Schubladen. 

Dass du selbst auch Songwriter bist, ist vermutlich weniger bekannt. Auf welchen selbstgeschriebenen Song nach der BLIND-GUARDIAN-Ära bist du am meisten stolz?

Ich glaube „The Shadow‘s Serenade“, eine Ballade von DAWN OF AMBER mit Chorgesang von Hansi Kürsch [v., BLIND GUARDIAN] und Hacki, einem inzwischen verstorbenen ehemaligen BLIND-GUARDIAN-Chorsänger. Und „As Daylight Breaks“ von SERIOUS BLACK – da bin ich vor allem auf die Orchestrierungen stolz, an denen ich selbst sehr lange gebastelt habe, auch wenn sie später noch professionell überarbeitet wurden. Den Song habe ich dann aber zurückgezogen, als ich ausgestiegen bin, er ist nie veröffentlicht worden. 
 
Man hört immer wieder, dass du einen ganz individuellen Schlagzeugstil hast. Kannst du für absolute Laien erklären, was den so charakteristisch macht?

Die meisten Drummer begleiten in erster Linie die Band, indem sie sich nach der Rhythmusgitarre richten. Bei mir ist es eher so, dass ich demjenigen Instrument Gewichtung gebe, das gerade dominant ist. Das kann auch der Gesang oder die Bewegung eines Orchesterarrangements sein – hat sich über die Jahre einfach entwickelt. Das betone ich dann gerne mit einer Kombi aus Becken und Snare. Viele Produzenten haben das in der Vergangenheit bemängelt, aber so halte ich das für richtig.  

Und dann kommt noch hinzu, dass ich mir die Doublebass seitenverkehrt beigebracht habe, das heißt, mit dem linken Fuß führend. Das ist ungewöhnlich, gibt mir aber mehr Möglichkeiten in meinen Abläufen. Meine Schlagzeugschüler verzweifeln regelmäßig daran, haha!  

BLIND GUARDIAN sind teilweise ihrer Zeit voraus.

Hier kommt die einzige ausdrückliche BLIND-GUARDIAN-Frage: Trotz deines Ausstiegs hast du ja bis heute ihren Werdegang verfolgt und stehst in gutem Kontakt mit der Band. Was hältst du von der Musik, die seitdem veröffentlicht wurde, von „A Twist In The Myth“ bis „The God Machine“?

Mit der „Twist“ hatte ich am Anfang extreme Probleme, muss ich ganz ehrlich sagen. Ein paar Arbeitsversionen dafür habe ich ja sogar selbst noch eingetrommelt und dabei schon gemerkt, dass mir das alles nicht mehr gefällt. Ich habe zu Hansi gesagt, „Das geht mir total auf den Sack, dieses Geplärre! Das hat nichts mehr mit BLIND GUARDIAN zu tun!“ Ich konnte mir das nicht mehr schönhören. Das lag aber auch an dem Konflikt, der damals zwischen uns stand.

Jetzt mit Abstand kann ich das wieder etwas anders sehen. Eigentlich ist das ein echt geiles Album. Ich muss zugeben, dass ich da falsch gelegen habe. Naja, was heißt „falsch“ – es waren einfach persönliche Eindrücke. 
 
So wie du haben das aber auch viele Fans damals empfunden. Und darunter gibt es auch etliche, die ihre Meinung im Nachhinein geändert haben.

Stimmt – manche Leute sagen, BLIND GUARDIAN seien teilweise ihrer Zeit voraus. Das trifft den Nagel auf den Kopf. Manchmal denkt man, „Das passt aber jetzt gar nicht mehr zum Guardian-Sound“ – und Jahre später erkennt man erst, „Das war einfach nur geil!“. Das ist ganz komisch. 

Und der Rest der Diskografie?

„At The Edge Of Time” fand ich schon damals mega, und auch heute noch. Das ist echt ein super Album. Das einzige, auf das ich persönlich gar nicht klarkomme, ist „Beyond The Red Mirror“. Das funktioniert einfach nicht für mich. Habe ich auch André [g.] gesagt, und der meinte, „Du spinnst, das kann nicht dein Ernst sein“. Aber so ist es. Das mag handwerklich alles super sein, aber es erwischt mich einfach so gar nicht. Vielleicht in zehn Jahren.

„The God Machine“ ist wieder großartig. Ich mag die Roughness, diese Brutalität, die da drin steckt, und gleichzeitig die Emotionen wie bei „Let It Be No More“. Was mir ein bisschen fehlt, sind hymnische Tracks, die trotzdem auf die Fresse gehen, wie „The Script For My Requiem“. Aber insgesamt ein richtig starkes Album. 

Wir begeben uns mal auf eine Meta-Ebene. Wie beurteilst du die Metal Szene heute, im Unterschied zu deiner aktivsten Zeit?

Vieles hat sich verändert. In den 80er- und 90er-Jahren gab es einfach noch nicht diese Flut von Bands. Alles war etwas übersichtlicher. Heute kann ich mich gar nicht mehr mit allem befassen, was es gibt – aber ich habe gleichzeitig den Eindruck, dass auch nichts wirklich Innovatives mehr auf den Markt kommt. Dass mal eine Band ganz neu aufsteigt und man denkt sich, „Alter, was die da geschaffen haben, ist einmalig“, so wie METALLICA damals oder RUSH, das gibt es nicht mehr. Heute ist alles mehr oder weniger Einheitsbrei.

Und wenn man damals sein Hobby zum Beruf gemacht hat, konnte man damit noch Geld verdienen. Das geht heute nur noch als etablierte Band. Wer heute neu anfängt, muss wirklich einen absoluten Glückstreffer landen – und das ist höchst unwahrscheinlich. Allein schon, weil die Plattenfirmen eine Band nicht mehr von Anfang an so supporten, wie es damals noch üblich war. Heute haben sie Deals mit den Streaminganbietern und es ist eine Frechheit, was da verdient wird, während die Musiker auf der Strecke bleiben. Es ist unter aller Würde, wie mit den Musikern umgegangen wird, und mit der Arbeit, die sie da reinstecken. 

Gibt es etwas, das besser geworden ist?

Die technischen Möglichkeiten sind heute natürlich ganz anders. Ich kenne noch die Zeit des Harddisk-Recording. Das heißt, du hast wirklich auf einer Bandmaschine aufgenommen, und wenn du dich da vertrommelt hast, dann hast du neu gespielt, und zwar von vorne bis hinten. Mit einem coolen, erfahrungsreichen Engineer konnte man natürlich auch mal was im Nachhinein reindroppen. Aber wenn dann dein Becken schon gerade im Sound ausklang, konntest du nicht vernünftig schneiden. Da hat man lieber nochmal von vorne gespielt. Heute ist Studioarbeit natürlich viel einfacher und man hat mit weniger Mitteln deutlich mehr Möglichkeiten. 

Setz das um, was du fühlst, und lass dir nicht reinreden.

Welchen Tipp würdest du heute einer jungen Band geben, die gerade neu anfängt?

Immer weiter an euch glauben. Weitermachen und das Beste daraus machen, denn eine Garantie kann euch niemand geben. Und macht es vor allen Dingen niemals nur für Geld, denn das kann nicht funktionieren. Dann wirst du nur enttäuscht. 
 
Und etwas spezifischer – was wäre dein Tipp für jemanden, der gerade neu am Schlagzeug anfängt und in einer Band spielen möchte?

Sei immer eine gute Basis für deine Mitmusiker. Du bist das Uhrwerk der Band und deswegen ist Timing das Nonplusultra. Und überfordere dich am Anfang nicht. Wenn du sofort technisch virtuos sein willst, wirst du dich selber verschlechtern. Übe die Basics und entwickle dich mit den Jahren. Irgendwann machst du dein eigenes Ding draus. Setz das um, was du fühlst, und lass dir nicht reinreden. Lass dir Tipps geben, aber lass dich nicht in eine Richtung drücken, wie du angeblich zu klingen hast.  

thomen actionSeit über vier Jahrzehnten hinterm Kit: Thomen sammelte intensive und internationale Erfahrung bei BLIND GUARDIAN, trommelte aber auch für andere namhafte Bands. Bild: Anne

And now for something completely different. Es folgen ein paar mehr oder weniger random gewählte Schlagworte und du erzählst einfach, was dir als Erstes dazu einfällt. Los geht’s!  

SPANISCHE BRÄUCHE

Hahaha, da ist mir vor allem Silvester in Erinnerung geblieben. Da gibt es viele Bräuche. Zum Beispiel, dass eine offizielle Jahresfarbe bekanntgegeben wird, und man trägt dann zu Neujahr eine Unterhose in dieser Farbe. Außerdem gibt es die Tradition, dass man vor sich auf dem Tisch zwölf Trauben auf Alufolie liegen hat. Im Fernsehen wird der Glockenschlag des Madrider Doms übertragen und zu jedem Glockenschlag muss man eine Traube in den Mund nehmen. Und wenn die Glockenschläge vorbei sind, müssen alle Trauben zerkaut und heruntergeschluckt sein, sonst bringt es Pech. Danach trinkt man Sekt aus einem Glas, in dem ein Ring, Ohrring oder anderes Schmuckstück gelegt wurde, und muss aufpassen, dass man das nicht mittrinkt.  

Und, naja, das ist jetzt kein Brauch, aber ich wurde mal richtig schön verarscht in Spanien. Da waren wir nach einem Konzert in einer alteingesessenen Metalkneipe und anlässlich unseres Besuchs wurde eine kleine Ansprache gehalten. Da meinte jemand, ich solle einen spanischen Trinkspruch ausbringen. Er hat mir vorgesprochen, was ich sagen soll, und mich feierlich angekündigt mit „Der Thomen möchte euch noch etwas mitteilen“. Ich habe das brav aufgesagt und plötzlich lag der ganze Laden am Boden vor Lachen. Ich hatte wohl so etwas gesagt wie „Prost, Prost, Prost, weil ich einen schönen Bauchnabel habe“. 

(NEVER) MEET YOUR IDOLS 

Irgendwo in Griechenland haben wir mal gemeinsam mit HALFORD auf einem Festival gespielt und uns mit Rob Halford einen Backstagebereich geteilt. Das war für mich als alten Priest-Fan natürlich ein erhebendes Erlebnis. Der war für mich der absolute Metalgott! Er war aber schon nicht mehr im Raum, als wir kamen, und ich habe ihn dann auch nicht mehr getroffen. Aber ich saß im gleichen Sessel, in dem er gesessen hatte, haha! Später hat man dann aber gesehen, dass er zu dieser Zeit in keiner guten Verfassung war. Er kam mit Gehstöcken auf die Bühne und hat alle Texte vom Teleprompter abgelesen. Das war so krass. 

ALBUMCOVER

Als wir damals an „A Night At The Opera“ gearbeitet haben, hatten Hansi und André eine interessante Idee für ein Cover-Artwork, das ein russischer Künstler gigantisch umgesetzt hat. Ich war Feuer und Flamme dafür, ich fand das mega geil, weil es zwei Welten gezeigt hat: Vorne sieht man einen Jungen mit zwei gesichtslosen Kuttengestalten in einer Zirkusmanege in einer schönen, ausgelassenen Stimmung. Und hinten ist genau das gleiche Motiv abgebildet, aber in dunklen Farben, alles etwas zerrüttet, und die gleichen Gestalten fangen den Jungen mit einem Netz ein und führen ihn in Ketten ab. Ich weiß bis heute nicht, warum es dieses Cover nicht geworden ist. Die finale Umsetzung von Paul Gregory passt ja stilistisch eigentlich gar nicht zu BLIND GUARDIAN. 

Unser eigenes Festival war adrenalinmäßig nicht zu toppen.

BESTES KONZERT

Adrenalinmäßig nicht mehr zu toppen war natürlich unser selbst konzipiertes BLIND-GUARDIAN-Open-Air. Ich kann mit Gewissheit sagen, dass ich dort die beste Schlagzeugperformance meines Lebens abgeliefert habe. Und Wahnsinn, dass wir das damals so auf die Beine stellen konnten, das war einfach ein unvergessliches Erlebnis. 

STÖRUNG

„Imaginations From The Other Side“ haben wir in Dänemark im Studio des Produzenten Flemming Rasmussen aufgenommen. Einmal sollte ich in einer riesigen Halle spielen, in der Flemming sein ganzes Archiv an Bändern mit Aufnahmen von DEEP PURPLE, METALLICA und anderen großen Bands aufbewahrt hat. Die Tür zu dieser Halle war aus Vollholz und mit einer superdicken Kette und einem fetten Riegel versperrt.

Ich sitze also da, mit dem Rücken zur Tür, Kopfhörer auf den Ohren, trommle „The Wizard“, Flemming ist in der Regie. Und plötzlich steht irgendein Typ neben mir. Ich grinse den an und versuche erstmal, mich zu konzentrieren und weiterzutrommeln. Irgendwann ist er wieder weg und ich frage Flemming übers Mikro, wo sein Kumpel plötzlich hergekommen sei. Flemming weiß von nichts.

Ich drehe mich um und die ganze Tür hinter uns ist eingetreten, die Kette rausgerissen. Flemming fragt mich, wie der Typ aussah, und meint, „Das kann nicht wahr sein! Der ist von so ‘ner Rockergang, der war wegen Totschlags im Knast und ist gerade entlassen worden!” Wir haben sofort die Polizei gerufen. Der Typ war wohl im Hinterhof in seiner Garage am Schrauben und einfach nur stinksauer, dass ich da Krach mache. Der wollte mich zum Aufhören bringen. Aber das war ein Killer! 

Am Abend saßen wir alle zusammen bei einem feinen Essen und plötzlich brüllt Piet [Sielck, Co-Produzent] mit Blick aufs Fenster, „Ey, da ist einer mit Knarre!” Boah, mir hing das Herz in der Hose. Wie kann der nach diesem Tag sowas bringen?! [lacht] 

RELEASE DAY

Im Zusammenhang mit BLIND GUARDIAN? Noch nie eingehalten, haha! Obwohl, vielleicht liege ich da auch falsch.  

FANGESCHENK

Ein paar japanische Mädels, die jahrelang auch nach Deutschland zu Konzerten kamen, sind gute Freunde geworden. Eine von ihnen malt gigantisch, die hat eine Zeit lang auf jeder Japantour von uns allen Porträts gemalt, groß auf Leinwand. Ich habe drei, die stehen immer noch bei mir zu Hause. Auf einem sitze ich hinter dem Schlagzeug, da ist das ganze Set drauf, richtig gut.

Es gab aber auch immer mal wieder Fans, die Geschenke eingefordert haben: Einmal wollte ein Typ super penetrant mein Shirt haben. Nicht mal ein Bandshirt, sondern einfach nur irgendein Standardshirt, das ich an dem Tag gerade anhatte. Es war super heiß und ich war komplett am Ölen. Der Typ hat nicht aufgehört: „Give me your shirt, give me your shirt!“ Ich so: „No, I won’t give you my shirt!“ Bin dann irgendwann aufgestanden, hab meine Tasche genommen und bin Richtung Bus gegangen, woraufhin er meinte: „Don’t give me you shirt? You’re so German, man! Then give me your bag!“ Einfach nur Wahnsinn! [lacht] 

CHALLENGE

Als ich bei meinem Vater im Dachdeckerbetrieb garbeitet habe, war ich bekannt dafür, Unmengen an Kakao zu verdrücken. Morgens habe ich mir erstmal eine Zigarette angezündet, laut Metal angemacht und einen Messbecher Kakao angerührt. Ganz normales Frühstück. Bei irgendeiner BLIND-GUARDIAN-PROBE mit ein paar Freunden kam es dann zu einer Wette. Ich habe gesagt, ich schaffe es locker, in einer Stunde vier Liter Kakao zu trinken. Die anderen meinten, das schaffe ich niemals. Ich dürfe zwar zwischendurch pinkeln gehen, aber wenn ich kotzen würde, hätte ich verloren.

Und was soll ich sagen – fast hätte ich es geschafft. Wir hatten acht Halbliterflaschen Kakao. Sieben davon habe ich weggemacht. Dann musste ich pinkeln, und die anderen meinten, da müsse Magnus [Marcus Siepen, g.] aber mitgehen zur Kontrolle. Ich habe protestiert, dass ich mir dabei doch nicht zugucken lasse, aber Magnus stand nur an der Tür und konnte schon von da aus gut sehen, dass der ganze Kakao oben rauskam. Wir haben uns alle kaputtgelacht. 

thomen funNiederrheinische Frohnatur und Anekdotenmaschine: Ein Interview mit Thomen ersetzt jeden Kabarettbesuch. Bild: Anne

Zum Abschluss: Hast du neben ARCANE REIGN weitere Pläne für die Zukunft?

Ich möchte unbedingt einen Podcast machen. Sowas Ähnliches hatte ich mit „Thomen Drum Chamber“ schon mal angefangen, aber ich hätte gerne langfristig ein Projekt mit Freunden oder Kollegen, bei dem wir über alles Mögliche reden – Musik, Metal, Gott und die Welt. Muss gar nicht mit enger Taktung sein – einfach so, wie ich dazu komme oder wie die Gäste Zeit haben. Irgendwas in diese Richtung werde ich definitiv machen. Reden tu' ich ja ab und zu ganz gerne – viel Spaß schon mal beim Kürzen des Interviews! 

Anne

Stilübergreifend Fan von packenden Harmonien und Lyrics. Es muss Spaß machen oder berühren – oder beides. In früher Jugend große Seelenanteile an den Powermetal verkauft. Trotzdem nie was mit Drachen und Einhörnern am Hut gehabt. Konzertliebe wiederentdeckt und zur Sucht werden lassen. Frontrowbegeisterung! Lebensziel: Mit 80 immer noch vorne mithüpfen.

Instagram: @now.spring.is.in.the.air