Donnerstag, 30 Juli 2026 17:08

Der Zweite Mensch - Sterbt alle Tipp

Der Zweite Mensch - Sterbt alle

Sechs Jahre nach "Ich hasse Menschen" kommt jetzt "Sterbt alle" - DER ZWEITE MENSCH zeigt also immer noch gerne Mittelfinger. Im Vergleich zu damals ist es nun kein Soloprojekt mehr, sondern eine Band. Am grundsätzlichen Sound, der harte Gitarren mit Rap mischt, ändert das nichts. Zwei Elemente des Debüts gibt's bei DER ZWEITE MENSCH jetzt aber nicht mehr.

Zum einen sind die Black-Metal-Elemente, die auf Album Eins hier und da zu hören waren, Geschichte. Das macht "Sterbt alle" etwas geradliniger und konsistenter, obwohl sich bei den Songs klassischer Hardcore mit D-Beat und Gebrüll abwechselt mit lupenreinen Hip-Hop-Songs. So folgt auf den tendenziell motörheadigen Crust-Song "Hölle" das entspannte Kopfnicker-Stück "Alles gut".

Warum funktioniert das trotzdem? Weil bei "Sterbt alle" an jeder Stelle die Texte im Zentrum stehen, die musikalisch sehr unterschiedlich gerahmt werden, aber einen inhaltlichen roten Faden bilden.

Womit wir bei Punkt zwei der Änderungen ankommen: Während es auf dem Debüt auch klassische Rap-Lyrics gab, die die eigene Geilheit und die Whackness der anderen beschrieben haben, gibt es auf dem zweiten Album zu hundert Prozent Inhalte, die das Schlechte im Menschen und in unserer Gesellschaft offenlegen.

Das tut weh, denn das Ganze wird mit gnadenlosem Sarkasmus und Zynismus vorgetragen - da lindert auch der Wortwitz, der die harte Sprache etwas abschleift, den Schmerz nicht.

Besonders unangenehm ist beispielsweise der Song "Keule", der nicht nur das Prinzip fragiler Männlichkeit auf den Punkt bringt, sondern auch noch von einem Björn-Höcke-Sample eingeleitet wird. Ebenfalls eklig: "Gerne Täter", Thema Fleischkonsum. Und bei "Optimier dich" muss man unweigerlich an Friedrich Merz denken, wie er uns zu mehr Leistung motivieren will. Bei "Alles gut" übrigens auch.

Besonders herausstellen muss ich den ruhigsten Song des Albums: "Streunender Hund". Wohl so eine Art Rede an ein jüngeres Ich und ziemlich wahrscheinlich biografisch inspiriert, ist das Stück auf andere Art berührend und greift sicher allen ans Herz, die als Kind oder Jugendliche mal an ihrem Umfeld gezweifelt haben und vielleicht daran verzweifelt sind.

DER ZWEITE MENSCH haben im Vorfeld der Veröffentlichung das ganze Album (mit Ausnahme von "Alles gut" und ergänzt um das alte Stück "Hurensohnmassaker") live gespielt und gefilmt. Einen Vorgeschmack gibt's unten - und wer das Album haben will: Neben der digitalen Version gibt es "Sterbt alle" auch auf Vinyl.

Helge

Death Metal, Thrash Metal, Black Metal: immer gerne. Kann ich den ganzen Tag hören. Die störrische Art, unpolitisch sein zu wollen, nervt mich aber an der Metalszene – dabei ist doch alles politisch, auch Schweigen. Für Musik mit Haltung zieht es mich immer wieder zum Punk, vor allem zu melodischem US-Punk und Riot-Grrrl-Sound. Gleichzeitig habe ich einen sweet spot für 80er-Hair-Metal und für vieles, was mich in den 90ern musikalisch sozialisiert hat.

Bands

Amorphis, Amyl And The Sniffers, Bad Religion, Brutus, Cinderella, Dool, Entombed, Gggolddd, Gorefest, Grave, Guns n' Roses, Hail Spirit Noir, Iron Maiden, King Buffalo, Megadeth, Mötley Crüe, My Dying Bride, Obituary, Prong, Sodom, Solbrud, Spectral Wound, The Great Old Ones, Valborg, War On Women, White Ward, ZZ Top, ...

Prägende Alben

AC/DC - Let There Be Rock
Aerosmith - live! Bootleg
Amorphis - Tales From The Thousand Lakes
Bad Religion - Suffer
Benediction - Transcend The Rubicon
Bruce Springsteen - Nebraska
Death - The Sound Of Perseverance
Don Dokken - Up From The Ashes
Eloy - Inside
Genesis - Trespass
Grave - You'll Never See
Guns n' Roses - Use Your Illusion I & II
Kyuss - Welcome To Sky Valley
Megadeth - Rust In Peace
My Dying Bride - The Angel And The Dark River
Ramones - Loco live
Sepultura - Arise
Sodom - Agent Orange
Tankard - Two-faced
Tool - Aenima
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