Geschrieben von Samstag, 28 Februar 2026 11:49

IGORRR im Metropol Berlin: Ein kontrollierter Exzess in 80 Minuten

IGORRR Sängerin Marthe Alexandre live in Berlin IGORRR Sängerin Marthe Alexandre live in Berlin Fotos: Heiko Becker

24.02.2026 – Das Metropol in Berlin war nicht nur restlos ausverkauft – es war ein Schmelztiegel. Wer IGORRR bucht, bekommt das Versprechen von totalem musikalischem Chaos, geliefert in einer Präzision, die fast schon beängstigend ist. Rund 80 Minuten dauerte die Reise durch das Gehirn von Gautier Serre, und am Ende blieb ein Publikum zurück, das so durchgeschwitzt war, dass „Standing Ovations" gar nicht nötig waren: Wer noch stand, tat dies ohnehin nur noch aus purer Adrenalin-Trägheit.

Das Vorprogramm: Kontrast als Konzept

Der Abend war ein Lehrstück in Sachen Kuratierung. Den Anfang machten THOUGHTCRIMES aus Long Island, USA. Die Band um Ex-THE-DILLINGER-ESCAPE-PLAN-Drummer Billy Rymer lieferte einen intensiven Mix aus Hardcore-Punk und Mathcore. Es war laut, es war hässlich, es war genau der richtige Schlag in die Magengrube, um die Gehörgänge freizupusten.

Danach wurde es epischer: DVNE aus Edinburgh übernahmen. Mit ihrem progressiven Post-Metal und Sludge-Einflüssen bauten sie riesige Klangwände auf, die fast schon sakral wirkten. Während THOUGHTCRIMES die rohe Energie lieferten, brachten DVNE die nötige Komplexität und Atmosphäre ins Spiel – ein perfekter Teppich für das, was folgen sollte.

IGORRR: Wenn Dekonstruktion zum Standard wird

IGORRR „at its best" bedeutet: Operngesang trifft auf Breakcore, Barock-Gitarren auf Death-Metal-Growls. Von "Downgrade Desert" bis zum obligatorischen "Very Noise" war das Set ein wilder Ritt.

Trotz all der klanglichen Anarchie wirkt die Show mittlerweile extrem durchgetaktet. Die Setlist weicht kaum noch von den vorherigen Tourstops ab. Kann ein Projekt, das auf der Zerstörung von Konventionen basiert, in seiner eigenen Perfektion erstarren?

Das Konzert machte unbestreitbar Spaß und war handwerklich auf einem Niveau, das kaum ein anderer Act erreicht, aber die gefährliche Unberechenbarkeit früherer Tage weicht einer hochprofessionellen Entertainment-Maschine.

Fazit: Ein intensiver, toller Abend, der bewies, dass IGORRR auch 2026 noch die unangefochtenen Könige des Genre-Mashups sind. Das Metropol hat gebebt – und Berlin hat kollektiv den Verstand verloren.

Setlist IGORRR – Metropol, Berlin am 24.02.2026

Daemoni
Spaghetti (Spaghetti Forever)
Nerrrvous (Nervous Waltz)
Blastbeat Falafel
Downgrrrade Deserrrt (Downgrade Desert)
ADHD
iEUD
Hollow trrree (Hollow Tree)
Polyphonic Rrrust (Polyphonic Rust)
Headbutt
Infestis
PDBWN (Pure Disproportionate Black and White Nihilism)
Silence
Viande
Himalaya Massive Rrritual (Himalaya Massive Ritual)

Zugabe:

Verrry Noise (Very Noise)
Camel Dancefloorrr (Camel Dancefloor)
Opus Brrrain (Opus Brain)

Heiko

Moin!
Ich bin Heiko Becker, Schleswig-Holsteiner von Geburt und seit vielen Jahren Wahlberliner. Musikalisch bin ich in den frühen 90ern groß geworden, mitten im Grunge und in dieser „angezerrten” Gitarrenmusik, die damals alles auf den Kopf gestellt hat. Nirvana, Guns N’ Roses, AC/DC, Pearl Jam, Foo Fighters, Machine Head, Pantera, Slayer, Metallica, Paradise Lost und Sick Of It All haben mich geprägt und lassen mich bis heute nicht los. Dazu kommen Rap, Hip-Hop und Songwriter, die mich genauso packen, solange die Musik handgemacht ist und etwas in mir auslöst.

Jahrelang habe ich mir als ganz normaler Besucher den Staub oder Schlamm von Roskilde, Wacken, Hurricane und Dynamo Open Air aus den Klamotten geschüttelt. Seit 2024 stehe ich dort endlich auf der anderen Seite des Grabens: als akkreditierter Fotograf, direkt vor der Bühne, mit der Kamera im Anschlag.Genau da fange ich Momente ein, die man nicht planen kann und die man nie wieder vergisst.

Für mich ist Musik vor allem eins: Gefühl. Ob mittendrin im Publikum oder hinter dem Sucher, am Ende zählt, dass sie unter die Haut geht und hängen bleibt.

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