Geschrieben von Dienstag, 20 Oktober 2026 18:15

„Dit is knorke“: EUROPE lassen den Admiralspalast aufstehen

EUROPE im Berliner Admiralspalast am 18. Oktober 2026 EUROPE im Berliner Admiralspalast am 18. Oktober 2026 Fotos: Heiko Becker

Bestuhlung gibt es im Berliner Admiralspalast Theater, doch an diesem Montagabend, dem 19. Oktober 2026, ist sie ab dem ersten Ton nur noch Dekoration. Das gesamte Publikum steht, und es bleibt stehen. EUROPE feiern 40 Jahre „The Final Countdown“, und sie tun es ohne Mätzchen: ehrlicher Hardrock, Four to the Floor, gut 90 Minuten lang.

Dass es so weit kam, war keine Selbstverständlichkeit. 1979 gründen Joey Tempest und John Norum in Upplands Väsby bei Stockholm die Band Force, 1982 gewinnen sie den Wettbewerb Rock-SM und nennen sich fortan EUROPE. 1986 erscheint „The Final Countdown“, im Oktober verlässt Norum die Band, Kee Marcello ersetzt ihn. 1992 folgt die Pause, Silvester 1999 die Wiedervereinigung bei einem Konzert in Stockholm, 2003 die offizielle Rückkehr mit Norum, 2004 das Comeback-Album „Start from the Dark“. Heute stehen EUROPE wieder in der Besetzung von 1986 auf der Bühne: Tempest, Norum, John Levén, Mic Michaeli und Ian Haugland.

EUROPE im Admiralspalast BerlinEUROPE im Admiralspalast Berlin

Die Setlist schlägt den Bogen bis ins Jetzt: Mit „Scandinavian Eyes“, „One on One“ und „The Cult of Ignorance“ stehen drei Stücke des neuen Albums „Come This Madness“ auf dem Programm, das erst seit Ende September erhältlich ist. „Superstitious“ geht schon gut nach vorn, direkt danach gibt es bei Song vier, „One on One“, schöne Riffs. Im Mittelteil ist Kopfnicken die höchste Eskalationsstufe im Saal. Dann der erste Ausbruch: „Rock the Night“ ist das erste Highlight des Abends, „Carrie“ folgt direkt darauf.

Joey Tempest ist gut bei Stimme, hat das Zahnpastalächeln im Gepäck und gibt die kleine Rampensau. Seine Akrobatik hält sich in Grenzen: ein paar Bottleflip-Moves mit dem Handmikro, dazu kleine Jonglageeinlagen mit dem Mikrofonständer. Mehr braucht es nicht, denn er sucht ohnehin den Kontakt zum Publikum, bis hin zu Fistbumps. Er berlinert sich charmant durch den Abend („Dit is knorke“) und versichert, heutzutage trinke man nicht mehr so viel wie Harald Juhnke.EUROPE in Berlin - Joey Tempest jongliertEUROPE in Berlin - Joey Tempest jongliert

Zwischendurch nimmt die Band das Publikum mit auf eine Zeit- und Weltreise, vom Proberaum in Schweden über Japan bis nach San Francisco. Im Hintergrund läuft dazu eine Dia-Show aus den goldenen Zeiten: EUROPE teils in Badehose, mit Haarspray und allem, was dazugehört. Nostalgie, aber ohne Museumsatmosphäre, weil die Band sich selbst am wenigsten ernst nimmt und trotzdem liefert.

Der Schlussteil gehört dem Jubiläumsalbum, das mit „Love Chaser“ ausklingt und mit dem Titelsong endet. Eine Zugabe gibt es nicht. Wer „The Final Countdown“ zuletzt spielt, braucht auch keine: Danach kommt ohnehin nichts mehr.


Setlist

1. Scandinavian Eyes

2. Walk the Earth

3. Superstitious

4. One on One

5. Prelude

6. Last Look at Eden

7. War of Kings

8. Prisoners in Paradise

9. The Cult of Ignorance

10. On Broken Wings

11. Rock the Night

12. Carrie

13. Danger on the Track

14. Ninja

15. Cherokee

16. Time Has Come

17. Heart of Stone

18. On the Loose

19. Love Chaser

20. The Final Countdown

Heiko

Moin!
Ich bin Heiko Becker, Schleswig-Holsteiner von Geburt und seit vielen Jahren Wahlberliner. Musikalisch bin ich in den frühen 90ern groß geworden, mitten im Grunge und in dieser „angezerrten” Gitarrenmusik, die damals alles auf den Kopf gestellt hat. Nirvana, Guns N’ Roses, AC/DC, Pearl Jam, Foo Fighters, Machine Head, Pantera, Slayer, Metallica, Paradise Lost und Sick Of It All haben mich geprägt und lassen mich bis heute nicht los. Dazu kommen Rap, Hip-Hop und Songwriter, die mich genauso packen, solange die Musik handgemacht ist und etwas in mir auslöst.

Jahrelang habe ich mir als ganz normaler Besucher den Staub oder Schlamm von Roskilde, Wacken, Hurricane und Dynamo Open Air aus den Klamotten geschüttelt. Seit 2024 stehe ich dort endlich auf der anderen Seite des Grabens: als akkreditierter Fotograf, direkt vor der Bühne, mit der Kamera im Anschlag.Genau da fange ich Momente ein, die man nicht planen kann und die man nie wieder vergisst.

Für mich ist Musik vor allem eins: Gefühl. Ob mittendrin im Publikum oder hinter dem Sucher, am Ende zählt, dass sie unter die Haut geht und hängen bleibt.

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