Dass es so weit kam, war keine Selbstverständlichkeit. 1979 gründen Joey Tempest und John Norum in Upplands Väsby bei Stockholm die Band Force, 1982 gewinnen sie den Wettbewerb Rock-SM und nennen sich fortan EUROPE. 1986 erscheint „The Final Countdown“, im Oktober verlässt Norum die Band, Kee Marcello ersetzt ihn. 1992 folgt die Pause, Silvester 1999 die Wiedervereinigung bei einem Konzert in Stockholm, 2003 die offizielle Rückkehr mit Norum, 2004 das Comeback-Album „Start from the Dark“. Heute stehen EUROPE wieder in der Besetzung von 1986 auf der Bühne: Tempest, Norum, John Levén, Mic Michaeli und Ian Haugland.
EUROPE im Admiralspalast Berlin
Die Setlist schlägt den Bogen bis ins Jetzt: Mit „Scandinavian Eyes“, „One on One“ und „The Cult of Ignorance“ stehen drei Stücke des neuen Albums „Come This Madness“ auf dem Programm, das erst seit Ende September erhältlich ist. „Superstitious“ geht schon gut nach vorn, direkt danach gibt es bei Song vier, „One on One“, schöne Riffs. Im Mittelteil ist Kopfnicken die höchste Eskalationsstufe im Saal. Dann der erste Ausbruch: „Rock the Night“ ist das erste Highlight des Abends, „Carrie“ folgt direkt darauf.
Joey Tempest ist gut bei Stimme, hat das Zahnpastalächeln im Gepäck und gibt die kleine Rampensau. Seine Akrobatik hält sich in Grenzen: ein paar Bottleflip-Moves mit dem Handmikro, dazu kleine Jonglageeinlagen mit dem Mikrofonständer. Mehr braucht es nicht, denn er sucht ohnehin den Kontakt zum Publikum, bis hin zu Fistbumps. Er berlinert sich charmant durch den Abend („Dit is knorke“) und versichert, heutzutage trinke man nicht mehr so viel wie Harald Juhnke.
EUROPE in Berlin - Joey Tempest jongliert
Zwischendurch nimmt die Band das Publikum mit auf eine Zeit- und Weltreise, vom Proberaum in Schweden über Japan bis nach San Francisco. Im Hintergrund läuft dazu eine Dia-Show aus den goldenen Zeiten: EUROPE teils in Badehose, mit Haarspray und allem, was dazugehört. Nostalgie, aber ohne Museumsatmosphäre, weil die Band sich selbst am wenigsten ernst nimmt und trotzdem liefert.
Der Schlussteil gehört dem Jubiläumsalbum, das mit „Love Chaser“ ausklingt und mit dem Titelsong endet. Eine Zugabe gibt es nicht. Wer „The Final Countdown“ zuletzt spielt, braucht auch keine: Danach kommt ohnehin nichts mehr.
Setlist
1. Scandinavian Eyes
2. Walk the Earth
3. Superstitious
4. One on One
5. Prelude
6. Last Look at Eden
7. War of Kings
8. Prisoners in Paradise
9. The Cult of Ignorance
10. On Broken Wings
11. Rock the Night
12. Carrie
13. Danger on the Track
14. Ninja
15. Cherokee
16. Time Has Come
17. Heart of Stone
18. On the Loose
19. Love Chaser
20. The Final Countdown

