Nick Mason - Inside Out. Mein persönliches Porträt von Pink Floyd Tipp



Label/Vertrieb (VÖ):
Rockbuch Verlag (Juni 2009; 360 Seiten)
Link: www.pinkfloyd.com
PINK FLOYD sind zweifellos eine der großartigsten, erfolgreichsten und stilprägendsten Rockbands der Welt. Mit Meisterwerken wie „Dark Side Of The Moon", „The Wall", „Wish You Were Here" und auch Frühwerken wie „The Piper At The Gates Of Dawn" zeigten sich die Musiker als experimentierfreudig und versiert und verzauberten Millionen von Hörern und Zuschauern vor der Bühne. Das Live-Sahnestück „Pulse" zeigte Mitte der Neunziger, dass alte und neue Songs auch ohne Roger Waters funktionieren.

Schlagzeuger Nick Mason, neben dem 2008 verstorbenen Keyboarder Richard Wright, Gitarrist Roger Waters und Syd Barrett (1968 von David Gilmour ersetzt und ebenfalls verstorben) eines der Gründungsmitglieder von PINK FLOYD, legt mit „Inside Out. Mein persönliches Porträt von Pink Floyd" eine umfassende Dokumentation der Bandgeschichte vor, die in der deutschen Ausgabe großformatig und mit zahlreichen Bildern versehen erschienen ist. In der aktuellen Auflage enthält das schon länger auf Englisch erhältliche Buch auch ein Nachwort, in dem die kurze Live 8-Reunion angesprochen wird.

Doch zum Anfang: In einem lebhaften und witzigen Stil beschreibt Mason die Entwicklung der Bandgeschichte auf seine ganz eigene Weise. Dabei halfen ihm Aufzeichnungen der anderen Bandmitglieder, im Grunde ist „Inside Out" aber als subjektive Geschichte aus der Sicht des Drummers zu sehen, wobei Mason aber versucht, objektiv zu Werke zu gehen. Er erzählt von den Anfangstagen der Band, vom gemeinsamen Studium, vom Kennenlernen der anderen Mitglieder, gemeinsamen Proben, ersten Auftritten, seinem ersten Schlagzeug und davon, dass die Band für Pressefotos einen Verstärker aus Pappe zurecht zimmerte. „Inside Out" lässt sich flüssig lesen, allerdings holt Mason weit aus und stellt viele verschiedene Personen vor, die früher oder später im Umfeld der Band eine mehr oder weniger große Rolle spielten. Es ist teilweise schwer, sich die ganzen Namen zu merken, und Mason taucht wirklich sehr tief in die Bandgeschichte ein. Er erzählt von den ersten Shows, bei denen sich 20-minütige Jams entwickelten und bei denen die Band mehr als einmal mit ihren überhitzten Diaprojektoren fast den Saal abfackelte, vom Absturz Syd Barretts, vom Einstieg David Gilmours, dem plötzlichen Ruhm mit „Dark Side Of The Moon", der Mammut-Tour zu „The Wall" und Bandstreitigkeiten. Dabei nimmt der Drummer kaum ein Blatt vor den Mund, was dem Werk einen lebhaften Charakter verleiht. Die zahlreichen Anekdoten laden zum Schmunzeln ein, oft muss man auch brüllend lachen.

Die Frühphase der Band wird sehr detailliert dargestellt, der PINK FLOYD-Verlauf nach Waters‘ Ausstieg (und auch schon einige Jahre davor) kommt meiner Meinung nach jedoch etwas zu kurz. Mason verwendet längst nicht so viel Zeit darauf, spätere Ereignisse zu aufzuarbeiten wie die frühen Erfahrungen. Mehr hätte ich mir auch von den Beschreibungen der Alben und Songs versprochen. Einige Titel werden sehr genau beschrieben, andere Songs und ganze Alben jedoch nur kurz nebenbei erwähnt. Dabei wäre es sehr interessant gewesen, von dem Musiker mehr über die Thematik der Songs zu lesen, als über technische Begriffe und Informationen zu Aufnahmeprozessen zu stolpern, mit denen die meisten Nichtmusiker ihre Probleme haben werden.

Trotz dieser kleinen Mängel ist „Inside Out" ein umfassendes, schön geschriebenes Werk geworden, das die Geschichte von PINK FLOYD aus Sicht des Drummers präsentiert. Wem die knapp 50 Euro zu teuer sind, dem sei gesagt, dass das Buch edel aufgemacht wurde, sehr stabile Seiten enthält und mit zahlreichen klein- und großformatigen Fotos bestückt ist. PINK FLOYD-Fans werden um diesen Wälzer nicht herum kommen.