Norwegischer Folk-Pop erfreut sich ja schon seit Längerem wachsender Beliebtheit. Durch unvergleichliche Charaktere wie AURORA oder EIVØR zeigt sich schnell, was das Genre ausmacht: etwas Leichtes, Ätherisches, Naturverbundenes, Mystisches und auch immer unterschwellig Düsteres.
KALANDRA sind schon lange keine unbekannten Namen mehr und garantieren auch auf ihrer neuen Scheibe „The Other Side“ ein Abtauchen in Fantasiewelten, deren wunderschöne Melodien und Harmonien unter die Haut gehen.
Diesmal steht „The Other Side“ ganz im Zeichen des Traumes. Sowohl textlich als auch durch den gezielten Einsatz von Instrumenteneffekten ist alles aufeinander abgestimmt. Von träumerisch, sanft und lieblich bis hin zu etwas härteren, albtraumhaften Sequenzen wurde hier viel Arbeit ins Mixing gesteckt, um dem gewünschten Effekt gerecht zu werden.
Einen bombastischeren Einstieg hätten sich KALANDRA kaum ausdenken können. „In The Shadows“ begleitet uns direkt in die kalten Berglandschaften Norwegens. Rauheit und wunderschöne, weite Landschaften werden musikalisch gezeichnet, bevor wir mit dem nächsten Track „Animal“ aus dieser Atmosphäre gerissen werden.
KALANDRA hat lange darüber gescherzt, dass wir keine schnellen Lieder schreiben können. Also zeigt dieses hier bei 136 bpm endlich, dass wir dazu in der Lage sind.
- Katrine
„Animal“ ist für mich das absolute Highlight der Platte. Pulsierend und düster bricht der Refrain über die Hörer:innen herein. Gemeinsam mit der färöischen Sängerin ELINBORG, EIVØRs kleiner Schwester, berührt der Track mit seiner Mehrstimmigkeit einen ganz bestimmten Nerv.
Danach beruhigt sich der generelle Puls der Platte ein wenig, und KALANDRA überzeugt mit sirenenhaften, mystischen Gesängen („Lost In The Dark“, „Let Me Be Open“). Ein weiteres Herzstück des Albums bildet „A Ship Has Left The Shore“, das vom Verlust einer geliebten Person handelt – die Leere und Einsamkeit sind förmlich greifbar. Verletzlich und zerbrechlich kommt hierbei Katrines Stimme besonders zur Geltung.
„Beauty & The Beast“ ist nun das Gegenteil: ein dramatischer Höhepunkt in Form eines bösen Albtraums. Mit einem fast schizophrenen Wechsel zwischen verführerischen Gesangslinien und einem Paukengewitter aus Gitarren und Schlagzeug wagen sich KALANDRA auch hier in neue Gefilde vor.
Einen weiteren Gastauftritt erleben wir mit den isländischen ÁRSTÍÐIR in den Tracks „Descend The Stars“ und „The Other Side“, deren tiefe, basslastige und sakrale Chöre eine weitere epische Ebene eröffnen, bevor das Album schließlich zu einem traumhaften Ende gleitet („Melanchoholic“).
„The Other Side“ ist ein Must-Listen für alle Fans der skandinavischen Dark-Pop- und Folk-Pop-Szene. Erstaunlich abwechslungsreich und surreal deckt das Album fast jede Facette der nächtlichen Fantasiewelten ab. Wunderschön und emotional repräsentiert die Platte ein Auf und Ab des Unterbewusstseins und berührt dabei auf eine ganz eigene Weise.
Tracklist
1. In The Shadows
2. Animal
3. Lost In The Dark
4. Let Me Be Open
5. Chasing Dreams
6. A Ship Has Left The Shore
7. Beauty & The Beast
8. Descend The Stars
9. The Other Side
10. Melanchoholic