Sonntag, 08 November 2026 12:45

The Ocean - Solaris Tipp

The Ocean - Solaris
    Progressive Metal

    Label: Pelagic Records
    VÖ: 25.10.2026
    Bewertung:9/10

    The Ocean


Musikalisch gesehen waren THE OCEAN die letzten Jahre eine der Konstanten für mich, die in regelmäßigen Abständen spannende und großartige neue Alben und Songs veröffentlichten. Umso mehr hat mich die Nachricht von der Trennung und dem damit einhergehenden Besetzungskarussell erschreckt und mich etwas besorgt in die Zukunft blicken lassen.

Angst vor Veränderung ...

Jetzt erscheint also "Solaris", das neue Werk von THE OCEAN. Will ich da überhaupt Punkte verteilen, zumal es sich eigentlich um eine meiner Favorite Bands handelt, die sich einem krassen Bandwandel unterziehen musste? Das waren meine ersten Gedanken, kurz bevor ich vor einer Woche das erste Mal in "Solaris" reingehört habe. 

Für diejenigen, die nicht so tief mit der THE OCEAN-Materie vertraut sind: Die Band versteht sich als Kollektiv, was bedeutet, dass gerade auf den ersten Werken ein Kommen und Gehen von Bandmitgliedern normal war. Auch gab es zu Beginn noch keinen Gesang. Das letzte Line-up bestand jedoch knapp über ein Jahrzehnt lang. Nach ihrem Album "Holocene" haben sich die Mitglieder zusammengesetzt, reflektiert und einige wollten neue Wege gehen, eine Pause machen oder einfach ihre Vaterrolle ausfüllen. Lediglich Gründer Robin Staps ist seit den Anfängen dabei; Bassist Mattias Hägerstrand hält der Band immerhin schon seit 2015 die Treue.

Mit neu an Bord sind ab jetzt Sänger Enrico Tiberi, der sich die Gesangsparts mit der ersten weiblichen THE OCEAN-Stimme Lane Shi teilt. Des Weiteren komplettieren die Gitarristen Emmanuel Jessua und Marco Gennaro sowie Schlagzeuger Jordi Farré das neue Lineup.

... muss man manchmal nicht haben

Die beiden Neuen am Gesang harmonisieren perfekt zusammen und klingen so, als hätten sie das schon die letzten Jahrzehnte lang getan. Diese Zusammenkunft geht schon einmal auf. Auch muss man ehrlicherweise gestehen, dass die Gesangart oder Tonlage sich gar nicht so extrem vom Vorgänger unterscheidet. Mir persönlich ist in diesem Moment ein großer Stein vom Herzen gefallen, und auch für die Liveversionen der alten Songs ist das mega.

Nach dem kurzen Intro "52°30‘11‘‘N, 13°26‘12‘‘E" wird in "Departure Song" die Richtung von "Solaris" klar: Progressiver Metal trifft auf Härte und ruhige ausufernde Parts, ganz im altbekannten THE OCEAN-Stil und Soundgewand. Von meinem Erinnerungsgefühl her beinhaltet der Song "Belligerence" den brutalsten Gesangspart der gesamten THE OCEAN-Chronik. Im Mittelteil gibt Lane Shi alles. Da habe ich mich sogar kurz gefragt, ob das ein männlicher Sänger auch so hinbekommen bzw. so brutal geklungen hätte ...

Frischer Wind im bekannten Kosmos

Mir gefällt das Zusammenspiel zwischen dem weiblichen und männlichen Gesang. Das hat mir damals schon bei CULT OF LUNAs "Mariner" und deren Zusammenspiel mit Julie Christmas extrem gut gefallen. Ich bin gespannt, wie es THE OCEAN gelingen wird, gerade bei den alten Songs die neue weibliche Stimme zu integrieren. Das kann man aber leicht herausfinden, weil THE OCEAN demnächst auf Tour sind.

THE OCEAN haben wieder einmal Songs geschaffen, in denen in einem Song mehr abwechselnde Riffs zu finden sind, als bei anderen Bands auf einem ganzen Album. Die Dichte, die Abwechslung, das Chaos, die Ruhe, all das fügt sich hervorragend in jeder Minute von "Solaris" zu einem Gesamtkunstwerk zusammen. Das mag für einige Hörer:innen anstrengend klingen, aber mir gefällt es, wenn Bands so abwechslungsreich klingen können, ohne dabei Überheblichkeit auszustrahlen. 

Ein Kritikpünktchen habe ich allerdings doch: Mir fehlt der eine oder andere Hit, der besonders hervorsticht. Alle Songs sind großartig, aber es fehlt meiner Meinung nach der eine "Wow-Song".

Zukunftsspannung

Ich musste eigentlich gar keine Angst haben bei dem neuen Album ... beruhigend. Allerdings darf man nicht vergessen, dass die Songs schon geschrieben und teilweise arrangiert waren zum Zeitpunkt der Bandneuzusammenfindung und der damit einhergehenden Aufnahmen mit den neuen musikalischen Mitstreitern. Das bedeutet, dass das nächste Album eigentlich wirklich spannend werden wird, weil daran auch mehr kreative Köpfe mitarbeiten werden. 

Für den Moment bin ich zumindest beruhigt und kann "Solaris" bedenkenlos empfehlen. Ich werde es auch in den kommenden Wochen hören bis zum Abwinken.

Tracklist:

  1. 52°30’11″N, 13°26’12″E
  2. Departure Song
  3. Light Pollution (Video bei YouTube)
  4. Simulacra, Pt. I
  5. Simulacra, Pt. II
  6. Simulacra, Pt. II
  7. Belligerence, Pt. I
  8. Belligerence, Pt. II
  9. Ultima Esperanza, Pt. I (Video bei YouTube)
  10. Ultima Esperanza, Pt. II
  11. Milk Of My Dream
  12. 51°28′30″S, 73°6′11″W
Arne

Stile: Postcore, Deathmetal, Sludge, Hardcore

Bands: Machine Head, Kylesa, Ryker's, Lionheart, Johnny Cash, Cult of Luna, The Ocean, Deserted Fear, TLUF

Live / Konzertberichte dazu

Mehr Progressive Metal Reviews