Am 12.03.2026 gastierten AVATAR in der Berliner Columbiahalle. Wer mit der „Fanbrille" anreiste, mochte kurz stutzen: Die Empore war abgehängt, die Fläche zu gut 90 % gefüllt – die ganz große Arena-Expansion, die man dieser Band zutraut, scheint in Berlin noch einen Moment auf sich warten zu lassen. Doch was dann folgte, war eine Lektion in Sachen Showmanship.
AGABAS & ALIEN WEAPONRY – Ein Vorprogramm für Entdecker
Dass es AVATAR nicht um den kleinsten gemeinsamen Nenner geht, bewies schon die Wahl der Vorbands. AGABAS forderten das Publikum mit ihrem sperrigen „Deathjazz" heraus, während die Neuseeländer von ALIEN WEAPONRY mit ihrem walzenden Thrash und Māori-Einflüssen zwar technisch beeindruckten, aber gegen die massive Vorfreude auf den Hauptact anspielen mussten. Die geschminkten Gesichter in der Crowd machten unmissverständlich klar: Wir sind für den Zirkus hier.
AVATAR: Charme als stärkster Effekt
Als der schwedische Metal-Zirkus schließlich die Manege betrat, wurde schnell klar, dass AVATAR keine Pyro-Effekte brauchen, um eine Halle zu entzünden. In Berlin blieb die Bühne – vermutlich brandschutzbedingt – ohne Flammenwerfer, doch Sänger Johannes Eckerström füllte diese Lücke mühelos mit purer Präsenz.
Seine fast schon unheimlich guten Deutschkenntnisse und seine entwaffnend sympathische Art zwischen den Songs machten den Abend zu weit mehr als einer bloßen Musikveranstaltung. Eckerström moderierte nicht nur, er entertainte auf einem Niveau, das man heute im Metal-Sektor selten findet. Es war keine „Dienst nach Vorschrift"-Show vor nicht ganz vollem Haus, sondern eine charmante Offensive, die jeden einzelnen Fan im Raum direkt ansprach.
Die stabile Basis
Vielleicht sind AVATAR in der Realität (noch) nicht die gigantische Stadion-Band, als die sie sich visuell inszenieren. Doch die Präzision, mit der sie ihre Hits durch die Halle peitschten, und die unermüdliche Energie der drei Zugaben zeigten eine Band, die ihre Fans ernst nimmt – egal ob vor 3.000 oder 30.000 Menschen. Nach 90 Minuten wurde eine sichtlich erschöpfte, aber glückliche Fanbase in die Nacht entlassen.
Fazit: AVATAR haben abgeliefert. Die abgehängte Empore mag eine statistische Randnotiz sein, doch die Qualität der Show bewies: Diese Band ist bereit für Größeres, auch wenn sie den intimen Rahmen der Columbiahalle an diesem Abend in ein verdammt exklusives Erlebnis verwandelt hat.
