Geschrieben von Donnerstag, 25 Juni 2026 21:04

STEEL PANTHER im Berliner Metropol: Stets bemüht im Spandex-Vakuum

STEEL PANTHER wie man sie kennt STEEL PANTHER wie man sie kennt Fotos: Heiko Becker

Wenn die kalifornischen Satire-Metaller von STEEL PANTHER rufen, verwandelt sich die Fan-Base traditionell in ein farbenfrohes Meer aus Spandex, Animal-Prints und Haarbändern. Am 22.06. im Berliner Metropol war das stilecht gekleidete Publikum zwar hochmotiviert, blieb jedoch überschaubar: Die ehrwürdige Venue war leider nur etwas mehr als zur Hälfte gefüllt.

Ob es an der zeitgleichen Konkurrenz durch das GUNS N' ROSES-Doppelpack in der Hauptstadt lag, bleibt Spekulation – fest steht jedoch, dass die leeren Ränge wie ein Stimmungsdämpfer über dem Abend hingen. Der Funke wollte einfach nicht so recht überspringen.

Politisch unkorrekt und selbstironisch

An der Band selbst lag es im ersten Teil der Show am wenigsten. Das Quartett tat alles, um die Energie nach oben zu treiben, und spulte gut gelaunt ihr berühmt-berüchtigtes Entertainment-Programm ab. Die gewohnt ausgiebigen Ansagen Richtung Publikum bedienten zielsicher jedes politisch unkorrekte Klischee: Es wurde ausgiebig über Koks, Blowjobs und Genitalien gewitzelt – exakt das Niveau, das man als Fan der Truppe kennt, liebt und schlicht erwartet. Ihre prekäre Zuschauersituation konterte die Band mit bissiger Selbstironie: „We sold out the floor!“, scherzten die Jungs mit Blick auf das luftige Parkett.

Musikalisch gab es die bewährte Kost. Für die Nummern „Girl From Oklahoma“ und „17 Girls“ holten sich die Musiker wie gewohnt weibliche Unterstützung aus dem Publikum auf die Bühne, was für den gewohnt turbulenten Trubel sorgte.

Der Geigen-Derwisch und ein unrunder Abgang

Für den absoluten Knalleffekt sorgte die Überleitung zu „Party All Night“. Die Band holte zu einem geschichtsträchtigen Exkurs über berühmte deutsche „Davids“ aus: Früher sei David Hasselhoff der unangefochtene Gott in Germany gewesen, heute trage ein ganz anderer die Krone – David Garrett. Nachdem die Jungs erst mal eine Runde standesgemäß über den Star-Geiger abgerantet hatten, stürmte der Saiten-Magier auch schon wie ein geölter Blitz mit seiner Violine auf die Bühne. Das anschließende musikalische Duell zündete fantastisch und lieferte den wohl energetischsten Moment des Abends.

Nach rund 90 Minuten setzte der Klassiker „Glory Hole“ den vermeintlichen Schlusspunkt. Wer nun aber auf die erlösenden Zugaben lauerte, um den Abend gemeinsam mit der Band auf dem Siedepunkt zu beenden, erlebte eine emotionale Vollbremsung. Anstatt noch mal die musikalische Abrissbirne schwingen zu lassen, kippte die Konzertatmosphäre schlagartig in skurrilen Slapstick: Die Band verlor sich in einem zähen, minutenlangen Gag, bei dem der Sänger einen Hut durch die Luft feuerte und die restlichen Musiker versuchten, das Teil mit ihren Instrumenten aufzuspießen. Das Metropol mutierte vom Rock-Club zur Zirkusarena – und hinterließ eine Crowd, deren anfängliche Party-Euphorie sichtlich in kollektive Ratlosigkeit umschlug. Ein denkbar unrunder, seltsam zerschnittener Ausklang für eine Truppe, die eigentlich von purer Ekstase lebt.

Wie durchgetaktet das finanzielle Fundament hinter der scheinbaren Anarchie inzwischen ist, offenbarte übrigens der Blick auf den offiziellen Setlist-Zettel: Dort stand im Header schwarz auf weiß als Gedankenstütze für die Musiker einprogrammiert: „BERLIN, GERMANY - T-SHIRT 45 EUROS“. Als man dann am Ausgang mit exakt diesen stolzen Merch-Preisen konfrontiert wurde – gepaart mit dem ohnehin stolzen Ticketpreis von fast 60 Euro –, hinterließ das bei vielen Gästen einen zusätzlichen schalen Beigeschmack.

Fazit: Wer STEEL PANTHER schon einmal auf den monumentalen Hauptbühnen in Wacken erlebt hat, weiß, wie gut diese Party-Maschine vor riesigen Massen funktioniert. Im intimeren Metropol wollte die Magie dieses Mal einfach nicht zünden. Das Gesamturteil des Abends pendelt sich bei einem soliden „stets bemüht“ ein. Manchmal fragt man sich, ob das Konzept der Band in Ehren gealtert ist oder ob der Zenit hier schlicht überschritten wurde.

Setlist: STEEL PANTHER

(Berlin, Metropol, 22.06.2026)

1. Eyes of a Panther
2. Tomorrow Night
3. Asian Hooker
4. Just Like Tiger Woods
5. Friends With Benefits
6. Guitar Solo
7. Death to All but Metal
8. Weenie Ride
9. 1987
10. Girl From Oklahoma
11. 17 Girls in a Row
12. Party All Night (Never Ending)
13. Community Property
14. Glory Hole

Heiko

Ich bin Heiko Becker, gebürtiger Schleswig-Holsteiner und seit vielen Jahren in Berlin zu Hause. Meine musikalische Herkunft liegt im Grunge und der „angezerrten Gitarrenmusik“ der frühen 90er – Bands wie Nirvana, Guns N’ Roses, AC/DC, Pearl Jam, Foo Fighters, Machine Head, Pantera, Slayer, Metallica, Paradise Lost und Sick Of It All gehören zu meinen prägendsten Lieblingsbands. Aber auch Rap, Hip-Hop und Songwriter begeistern mich, solange die Musik handgemacht ist und bei mir Emotionen weckt.

Viele Jahre war ich als normaler Besucher auf Festivals wie Roskilde, Wacken Open Air, Hurricane Festival und Dynamo Open Air unterwegs. Seit 2024 darf ich endlich als akkreditierter Fotograf dabei sein und tolle Bilder von diesen besonderen Momenten machen.

Musik für mich ist immer eine emotionale Erfahrung – egal ob im Publikum oder hinter der Kamera, Hauptsache, sie berührt und bleibt im Gedächtnis.

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