Geschrieben von Dienstag, 04 August 2026 18:47

Heavy Metal auf dem Flügel: BLACK LABEL SOCIETY walzen durchs Huxleys

Zakk Wylde von BLACK LABEL SOCIETY live in Berlin Zakk Wylde von BLACK LABEL SOCIETY live in Berlin Fotos: Heiko Becker

Zakk Wylde und seine BLACK LABEL SOCIETY rockten am 30.07. ein restlos ausverkauftes Huxleys Neue Welt in Berlin und lieferten eine Show, die von Song zu Song intensiver wurde. Zwischen Gitarren-Pyrotechnik, emotionalen Hommagen an Ozzy Osbourne und Dimebag Darrell sowie einem furiosen Tasten-Gitarren-Duell auf dem Flügel wurde Neukölln zur Riff-Messe.

Schon auf dem Weg zur Venue war klar, welche Stunde im Berliner Ortsteil Neukölln geschlagen hatte. Die umliegenden Spätis und Gehwege rund um das Huxleys Neue Welt waren fest in der Hand einer eingeschworenen Gemeinschaft, die mit Kutten, BLACK LABEL SOCIETY-Shirts und fließendem Bier eine beinahe spürbare Dosis Testosteron in der Luft zurückließen. Die Erwartungshaltung der Zakk-Wylde-Jünger war riesig – und sie sollte nicht enttäuscht werden. Vom allerersten Ton an brannte die Hütte.

Das restlos ausverkaufte Huxleys erlebte eine Band in absoluter Hochform. Was BLS an diesem Abend ablieferten, war kein stumpfes Abspulen von Riffs, sondern eine Show, die sich von Song zu Song steigerte, tighter wurde und an Intensität kaum zu überbieten war.

Der Schatten der Giganten: Ozzy, PANTERA und Dimebag

Man kann Zakk Wylde nicht verstehen, ohne seine tiefen Spuren in der Rockgeschichte zu betrachten. 1987 wurde der damals erst 20-jährige Gitarren-Virtuose von Ozzy Osbourne entdeckt und prägte Meisterwerke wie „No More Tears" maßgeblich mit. Sein unverkennbarer Stil – geprägt von Brachial-Riffs, unendlichem Sustain und seinen charakteristischen, pfeifenden Pinch Harmonics – machte ihn zur absoluten Ikone der modernen Heavy-Gitarre. Später zollte ihm die Metal-Welt vollsten Respekt, als er 2022 den unendlich schweren Dienst antrat, für die reformierten PANTERA die Gitarre seines verstorbenen Seelenverwandten Dimebag Darrell zu übernehmen.

Dementsprechend emotional gestalteten sich auch im Huxleys die unumgänglichen Reminiszenzen: Die ehrfürchtigen Danksagungen an den 2004 erschossenen Dimebag sowie die Hommage an seinen musikalischen Ziehvater Ozzy Osbourne gehörten zu den ergreifendsten Momenten des Abends. Mit der spürbaren Ehrfurcht im Song „Ozzy's Song" setzte Zakk seinem „Prince of Darkness" ein eindrucksvolles Denkmal – keine kalkulierte Showeinlage, sondern ehrliche, tiefe Dankbarkeit.

Klaviermagie auf und vor dem Flügel: Das furiose Tasten-Gitarren-Duell

Den absoluten Höhepunkt der Show markierte schließlich der Wechsel an die Tasten. Wenn der Hüne im Schottenrock den Flügel betritt, verwandelt sich der Nackenbrecher-Sound in schiere Monumentalität. Doch Wylde beließ es nicht beim schlichten Klavierspiel:

Er stieg kurzerhand selbst auf den Flügel, um von ganz oben ein rasend schnelles Gitarrensolo hinter dem Kopf zu feuern. Parallel dazu unterstrich Co-Gitarrist Dario Lorina direkt vor dem Instrument seine spielerische Ausnahmeklasse und tat es seinem Chef gleich: Auch Lorina spielte sein Solo hinter dem Nacken – zwei Gitarren-Virtuosen in perfekter Symmetrie, die den Saal zum Kochen brachten. Mehr Rock'n'Roll-Zirkus auf höchstem musikalischen Niveau geht schlichtweg nicht.

Fazit: Es war ein rundum großartiger, mitreißender Abend. Zakk Wylde unterstrich im Huxleys sein eindrucksvolles Standing als einer der letzten echten, unkaputtbaren Titanen der Gitarrenwelt. Ein glückseliges Berliner Publikum wurde nach dieser Riff-Messe bedingungslos begeistert in die Nacht entlassen.

Heiko

Ich bin Heiko Becker, gebürtiger Schleswig-Holsteiner und seit vielen Jahren in Berlin zu Hause. Meine musikalische Herkunft liegt im Grunge und der „angezerrten Gitarrenmusik“ der frühen 90er – Bands wie Nirvana, Guns N’ Roses, AC/DC, Pearl Jam, Foo Fighters, Machine Head, Pantera, Slayer, Metallica, Paradise Lost und Sick Of It All gehören zu meinen prägendsten Lieblingsbands. Aber auch Rap, Hip-Hop und Songwriter begeistern mich, solange die Musik handgemacht ist und bei mir Emotionen weckt.

Viele Jahre war ich als normaler Besucher auf Festivals wie Roskilde, Wacken Open Air, Hurricane Festival und Dynamo Open Air unterwegs. Seit 2024 darf ich endlich als akkreditierter Fotograf dabei sein und tolle Bilder von diesen besonderen Momenten machen.

Musik für mich ist immer eine emotionale Erfahrung – egal ob im Publikum oder hinter der Kamera, Hauptsache, sie berührt und bleibt im Gedächtnis.

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