Schon auf dem Weg zur Venue war klar, welche Stunde im Berliner Ortsteil Neukölln geschlagen hatte. Die umliegenden Spätis und Gehwege rund um das Huxleys Neue Welt waren fest in der Hand einer eingeschworenen Gemeinschaft, die mit Kutten, BLACK LABEL SOCIETY-Shirts und fließendem Bier eine beinahe spürbare Dosis Testosteron in der Luft zurückließen. Die Erwartungshaltung der Zakk-Wylde-Jünger war riesig – und sie sollte nicht enttäuscht werden. Vom allerersten Ton an brannte die Hütte.
Das restlos ausverkaufte Huxleys erlebte eine Band in absoluter Hochform. Was BLS an diesem Abend ablieferten, war kein stumpfes Abspulen von Riffs, sondern eine Show, die sich von Song zu Song steigerte, tighter wurde und an Intensität kaum zu überbieten war.
Der Schatten der Giganten: Ozzy, PANTERA und Dimebag
Man kann Zakk Wylde nicht verstehen, ohne seine tiefen Spuren in der Rockgeschichte zu betrachten. 1987 wurde der damals erst 20-jährige Gitarren-Virtuose von Ozzy Osbourne entdeckt und prägte Meisterwerke wie „No More Tears" maßgeblich mit. Sein unverkennbarer Stil – geprägt von Brachial-Riffs, unendlichem Sustain und seinen charakteristischen, pfeifenden Pinch Harmonics – machte ihn zur absoluten Ikone der modernen Heavy-Gitarre. Später zollte ihm die Metal-Welt vollsten Respekt, als er 2022 den unendlich schweren Dienst antrat, für die reformierten PANTERA die Gitarre seines verstorbenen Seelenverwandten Dimebag Darrell zu übernehmen.
Dementsprechend emotional gestalteten sich auch im Huxleys die unumgänglichen Reminiszenzen: Die ehrfürchtigen Danksagungen an den 2004 erschossenen Dimebag sowie die Hommage an seinen musikalischen Ziehvater Ozzy Osbourne gehörten zu den ergreifendsten Momenten des Abends. Mit der spürbaren Ehrfurcht im Song „Ozzy's Song" setzte Zakk seinem „Prince of Darkness" ein eindrucksvolles Denkmal – keine kalkulierte Showeinlage, sondern ehrliche, tiefe Dankbarkeit.
Klaviermagie auf und vor dem Flügel: Das furiose Tasten-Gitarren-Duell
Den absoluten Höhepunkt der Show markierte schließlich der Wechsel an die Tasten. Wenn der Hüne im Schottenrock den Flügel betritt, verwandelt sich der Nackenbrecher-Sound in schiere Monumentalität. Doch Wylde beließ es nicht beim schlichten Klavierspiel:
Er stieg kurzerhand selbst auf den Flügel, um von ganz oben ein rasend schnelles Gitarrensolo hinter dem Kopf zu feuern. Parallel dazu unterstrich Co-Gitarrist Dario Lorina direkt vor dem Instrument seine spielerische Ausnahmeklasse und tat es seinem Chef gleich: Auch Lorina spielte sein Solo hinter dem Nacken – zwei Gitarren-Virtuosen in perfekter Symmetrie, die den Saal zum Kochen brachten. Mehr Rock'n'Roll-Zirkus auf höchstem musikalischen Niveau geht schlichtweg nicht.
Fazit: Es war ein rundum großartiger, mitreißender Abend. Zakk Wylde unterstrich im Huxleys sein eindrucksvolles Standing als einer der letzten echten, unkaputtbaren Titanen der Gitarrenwelt. Ein glückseliges Berliner Publikum wurde nach dieser Riff-Messe bedingungslos begeistert in die Nacht entlassen.