Seit dem Jubiläumsjahr 2025 öffnet die Mainstage laut offizieller Festival-Bilanz bereits donnerstags – aus dem klassischen Wochenende ist damit ein echtes Drei-Tage-Festival geworden, und 2026 wird daran festgehalten. Neu war in diesem Jahr das Anreisekonzept: Die Zufahrten wurden erstmals nach Himmelsrichtungen aufgeteilt und per Drohnenstaffel der Feuerwehr Sulingen dynamisch gesteuert. Das Ergebnis: Ein spürbar entspannterer Einlass, trotz einer Hitzewelle, die den ersten beiden Tagen ihren staubtrockenen Charakter verpasste, ehe am Samstag kurz die Wolken aufrissen.
Tag 1: Donnerstag, 13. August – Der Auftakt
Hitze, Staub, gute Laune – und ein Line-up, das von Wrestling-Metal bis zu waschechten Genre-Größen reicht
Der Opener sorgt gleich für die erste Überraschung des Tages – und für eine Verwechslung, die ich mir hier selbst eingestehen muss: Wer die Lucha-Libre-Masken, den mit Stacheldraht umwickelten Baseballschläger und die auf nackte Haut getackerten Geldscheine sieht, hält das leicht für eine reine Show-Einlage. Ist es nicht.
WRESTLEMANIACS sind eine waschechte fünfköpfige Band aus Osnabrück, die ihren Stil selbst „Wrestlecore“ nennt – eine Mischung aus Thrash Metal, Hardcore Punk und Blackened-Anleihen. Textlich wie optisch huldigt die Band explizit Wrestling-Ikonen wie Necro Butcher und Nick Gage, zwei Gallionsfiguren der Deathmatch-Szene, die für genau solche Stacheldraht-Klassiker berüchtigt sind – der Schläger auf der Bühne ist also Konzept, kein Zufall. Seit ihrer Debüt-EP „Still Real to Us“ (2022) touren sie beharrlich durchs nordwestdeutsche Metal-Umland. Musikalisch bleibt mein erster Eindruck zwiespältig – aber als Weckruf mit Haltung funktioniert die Show blendend, und man merkt: Die Fünf meinen es ernst mit dem Klamauk.
Kein Fake-Wrestling, sondern Bandkonzept: WRESTLEMANIACS aus Osnabrück eröffnen den Donnerstag.
Direkt im Anschluss übernehmen VULVARINE aus Wien – seit 2020 aktiv, mit explizit feministischer Ausrichtung und selbstbezeichnetem „Vulvarock“ zwischen Punk und Rock’n’Roll. Erst wenige Monate zuvor waren sie als Support von THUNDERMOTHER unterwegs, die am Folgetag ebenfalls in Sulingen spielen – ein netter kleiner Kreis schließt sich hier schon am ersten Nachmittag. Ein solides Set, mit dem sich die Band früh ein paar neue Fans erspielt.
SELF DECEPTION aus Schweden bringen LIMP-BIZKIT-artige Sing-along-Nummern mit, musikalisch bleibt das für mich zwiespältig – dafür sorgt die Band schon am frühen Nachmittag für die ersten echten Moshpits, Circle Pits und Crowdsurfer des Tages. Die Stimmung springt merklich um.
Mit ZSK betritt eine Institution des deutschen Politpunk die Bühne – seit 1997 unterwegs, gegründet in Göttingen (der Bandname spielt bewusst auf das dortige „Zivile Streifenkommando“ der Polizei an), seit 2011 wieder in konstanter Besetzung. Sänger Joshi sucht immer wieder den direkten Weg ins Publikum statt hinter dem Mikroständer stehenzubleiben, dazwischen bleibt Zeit für Ansagen. Für mich das erste echte Highlight des Tages: Abriss, aber mit Haltung.
Die Hardcore-Truppe STICK TO YOUR GUNS aus Orange County ist seit 2003 unterwegs und hat mit „Diamond“ (2012) sogar ein Mal die Billboard 200 geknackt. Handwerklich stark, keine Frage – trotzdem will bei mir an diesem Nachmittag der Funke nicht ganz überspringen. Einfach nicht meine Baustelle.
DEAFHEAVEN aus San Francisco haben sich mit ihrem gefeierten Album „Sunbather“ (2013) als Aushängeschild des „Blackgaze“ etabliert – jener Verschmelzung aus Black Metal und Shoegaze, für die es 2018 sogar eine Grammy-Nominierung gab. Live solide gespielt, keine Frage – aber auch hier gilt für mich: nicht mein Ding.
Ganz anders dann TERROR aus Los Angeles: Kaum steht Sänger Scott Vogel vorn, kippt die Stimmung von entspannt auf Totalabriss. Pit Surfing satt, die Ordner am Ende sichtlich geschafft – bei einer Band, die seit 2002 weit über 3.000 Konzerte gespielt hat, ist das kein Zufall, sondern Routine auf höchstem Niveau.
Die Australier von THY ART IS MURDER zählen zu den „Big Four“ des Deathcore. Ich habe die Texte nicht verstanden, aber irgendwer sagt, sie seien gut. Live jedenfalls verliert die Band im Verlauf des Sets für meinen Geschmack spürbar an Energie.
Mit SOULFLY kommen die „alten Recken“ – 1997 von Ex-SEPULTURA-Sänger Max Cavalera gegründet – und liefern genau das, was man von ihnen erwartet: Klassiker satt, Groove und tribale Rhythmen, die auch nach fast drei Jahrzehnten noch zünden. Eine Bank!
LAMB OF GOD aus Richmond, Virginia, liefern eine energiegeladene Show. Sänger Randy Blythe steht sichtlich unter Strom, wirft sich von einer Bühnenseite zur anderen – nur das Publikum zieht an diesem Punkt des Abends nicht ganz so mit, wie er es sich sichtlich wünscht. Gute Show trotzdem, mit spürbarem Vollgas.
Zakk Wylde und seine BLACK LABEL SOCIETY waren erst eine Woche zuvor mit einem ähnlichen Set in Berlin – tut der Show in Sulingen keinen Abbruch. Bluesiger Southern-Rock-Groove, wie gehabt solide, und vor allem: Es macht einfach Spaß, dabei zuzusehen, wie mühelos Wylde zwischen Kutte, Kilt und Kruzifix seine Riffs runterschrubbt.
Zakk Wylde mit BLACK LABEL SOCIETY: Kutte, Kilt, Kruzifix – Southern-Rock-Groove wie gehabt.
Den Abschluss des Donnerstags markiert ARCH ENEMY – und der Auftritt hat besonderen historischen Wert. Erst im Februar 2026 wurde Lauren Hart offiziell als neue Sängerin vorgestellt, als Nachfolgerin von Alissa White-Gluz, die wiederum einst Angela Gossow beerbte. Für viele im Publikum ist Sulingen eine der ersten Gelegenheiten überhaupt, die neue Besetzung live zu erleben – und man merkt der Crowd die Neugier an, bevor der erste Ton überhaupt gespielt ist. Sobald er erklingt, ist es dann auch egal: Top abgeliefert, die Crowd komplett aus dem Häuschen. Ein würdiger Schlusspunkt für den ersten Tag.
Neue Stimme, altes Feuer: Lauren Hart bei ihrem Reload-Debüt mit ARCH ENEMY.
Tag 2: Freitag, 14. August – Mad-Max-Stimmung
Staub und Dürre, so weit das Auge reicht — an diesem Tag versagt sogar zwei Mal die Kamera
Der Freitag beginnt mit dem, was schon am Vortag zu erahnen war: Menschen kauern dicht gedrängt in den wenigen Schattenplätzen, während sich der Staub über das komplette Gelände legt. Die Hitze ist so extrem, dass die Kamera im Laufe des Tages gleich zwei Mal den Dienst quittiert. Musikalisch gibt es davon zum Glück nichts zu spüren.
Los geht's standesgemäß mit Party und guter Laune am frühen Morgen: die Hannoveraner Fun-Metal-Institution EXCREMENTORY GRINDFUCKERS, seit 2001 dabei und 2026 im 25. Bandjahr, sorgt sofort für einen doppelten Circle Pit im Infield. Wer schon zum Frühstück Bock auf Grindcore-Klamauk hat, ist hier goldrichtig.
Trikot statt Trikotwerbung: Ein Fan der EXCREMENTORY GRINDFUCKERS auf Schultern, im Hintergrund die Reload-Bühne.
CYTOTOXIN aus Chemnitz sind mit ihrer eigenen „Circle Pitournium“-Headliner-Tour ohnehin schon ein Garant für Pit-Chaos. Nomen est omen, es geht ordentlich ab im Infield, noch bevor der brutal-technische Death Metal überhaupt richtig Fahrt aufgenommen hat.
FIT FOR AN AUTOPSY aus Jersey City liefern solide ab – wie erwartet. Die Band, deren Album „Oh What The Future Holds“ 2022 von der Fachpresse gefeiert wurde, füllt die Impericon-Mainstage bis weit ins Publikum hinein, ohne dass an diesem Nachmittag besondere Ausreißer nach oben zu vermelden wären.
Die Impericon-Mainstage im gleißenden Nachmittagslicht: FIT FOR AN AUTOPSY vor dichtem Publikum.
Ein echter Kontrastpunkt: BROKEN BY THE SCREAM aus Tokio verbinden Idol-Pop mit Extreme Metal, choreografiert bis ins letzte Detail. Genau das kommt bei mir an diesem Tag aber eher langweilig rüber – zu einstudiert, zu wenig Chaos für meinen Geschmack.
PALEFACE SWISS aus Zürich covern mit ihrem Mix aus Deathcore, Hardcore und Nu Metal gerade in atemberaubendem Tempo die Festivalbühnen Europas. Die Ansage „Wir sind hier, um zu saufen und Party zu machen“ ist Programm – und wird auch eingelöst: Abriss!
Die Schwedinnen von THUNDERMOTHER liefern trotz mehrerer kompletter Bandumbesetzungen in den letzten Jahren genau das ab, wofür sie stehen: ehrlichen Rock’n’Roll aus Schweden, ohne Schnörkel, dafür mit spürbarer Spielfreude.
Bei IMMINENCE aus Trelleborg bleibt vor allem ein Instrument hängen: die Geige. Sänger Eddie Berg spielt sie live selbst und verleiht dem „Violincore“-Sound damit eine fast kirchenfensterhafte Feierlichkeit, die auf einer Metal-Bühne herrlich fremd wirkt – mehr fällt mir zu diesem Set ehrlich gesagt nicht ein, aber allein die Geige bleibt hängen.
Metalcore trifft Kirchenfenster-Ästhetik: IMMINENCE mit Geige live auf der Bühne.
Die schottischen Piraten von ALESTORM sorgen für die Mega-Party des Tages: Crowdsurfen ohne Ende, dazu wandern riesige aufblasbare Enten durchs Publikum. Pirate-Folk-Metal vom Feinsten – genau das Ventil, das man nach Stunden in der Sonne braucht.
KIM DRACULA – eigentlich ein Solo-Projekt, das 2020 über ein virales LADY-GAGA-Cover berühmt wurde – zieht auch in Sulingen eine volle Crowd an. Ich mag's, aber bei so einer vollen Menge um mich herum ist meine Einschätzung ohnehin keine Einzelmeinung mehr. Der wilde Genre-Crossover aus Metal, Rap und Alternative Rock funktioniert live erstaunlich gut.
AIRBOURNE sind der lebende Beweis, dass man mit drei Akkorden und einer Bierdose in der Hand ganze Festival-Infields zum Beben bringen kann. Crowdsurfen, Circle Pits, Pyro – was will man mehr? Klasse wie immer.
Über THROWN, eine der jüngeren Bands im Line-up, lässt sich noch nicht allzu viel sagen – aber die junge, engagierte Truppe kommt beim Publikum spürbar gut an, und genau dafür ist ein Festival wie dieses auch da.
Der Freitag endet mit einer echten Festivalpremiere: Erstmals in ihrer Geschichte spielt mit JUDAS PRIEST eine der prägendsten Bands der Metal-Geschichte in Sulingen. Der „alte Mann“ auf der Bühne – Rob Halford – und die noch älteren Männer davor, die hier unbestritten ein Lebenswerk abfeiern, treffen sich zu Recht in gegenseitiger Verehrung. Kein Nostalgie-Abklatsch, sondern eine Band, die immer noch weiß, wie man einen Zeltplatz voller erschöpfter, staubverkrusteter Metalheads für neunzig Minuten zum Kochen bringt. Gut abgeliefert.
Tag 3: Samstag, 15. August – Enten, Zombies und ein nasser Stundenschlag
Vom Eurodance-Frühschoppen bis zum tränenreichen Feuerwerk zum Abschluss
Nach zwei staubtrockenen Tagen bringt der Samstag etwas Abwechslung beim Wetter: ein kurzer Schauer am Nachmittag, und – ausgerechnet – eine gute Stunde Dauerregen exakt während des AVATAR-Sets. Der Rest des Tages bleibt überwiegend trocken, was angesichts der Hitze der Vortage niemand ernsthaft beklagt.
Los geht es ungewöhnlich: Statt Gitarren gibt es Synthesizer satt, denn die niederländischen VENGABOYS eröffnen mit einem bewusst unmetallischen Kontrastprogramm. Leider verpasse ich den Auftritt selbst – aber alle, die dabei waren, werden ihren Enkeln noch davon erzählen. Ekstase vor dem Frühstück.
LUNA KILLS aus Finnland geben sich bemüht – das Publikum reagiert zunächst mit höflichem Applaus. Als die Band süffisant fragt, ob es Crowdsurfing in Deutschland überhaupt gebe, zeigt sich das Publikum kurz darauf umso dankbarer und beweist das Gegenteil.
LUNA KILLS aus Finnland eröffnen den letzten Festivaltag mit vollem Einsatz.
Bei VENDED aus Iowa hört man die musikalische Herkunft förmlich heraus: Sänger Griffin Taylor ist der Sohn von Corey Taylor, Schlagzeuger Simon Crahan der Sohn von Shawn „Clown“ Crahan – beide von SLIPKNOT. Die „Slipknot Kids“ sorgen prompt für Abriss, ganz ohne dass der berühmte Nachname dafür nötig gewesen wäre.
100 KILO HERZ aus Leipzig positionieren sich als „Brass Punk“-Band explizit antifaschistisch und antisexistisch – „alerta alerta Antifascista“ hallt entsprechend übers Gelände. Zwischen den Songs fällt der Satz, der die eigene Festivalidentität auf den Punkt bringt:
Die Leute sagen immer, Reload ist das kleine Wacken. Wir sagen, Reload ist das geile Wacken!
Dazu gibt es sogar einen eigenen FLINTA-Pit-Song – Haltung inklusive Blechbläsern.
DOMINUM aus Nürnberg inszenieren Power Metal als waschechte Zombie-Show – erkennbar von „The Walking Dead“ und „The Last Of Us“ inspiriert, konsequenterweise trägt ihr zweites Album den Titel „The Dead Don't Die“. In Sulingen geht das Konzept voll auf: Untote Priester, Nebel, Theaterdonner – und mittendrin Songs, die tatsächlich tragen.
Untot und textsicher: DOMINUM verwandeln die Bühne in ein Zombie-Szenario.
FUTURE PALACE aus Berlin mischen Post-Hardcore mit 80er-Synth-Pop-Anleihen und sprechen zwischen den Songs offen über Depressionen und Mental-Health-Themen. Solide, aber ohne die ganz großen Ausschläge nach oben.
GAEREA aus Porto treten konsequent maskiert und anonym auf – ein bewusstes Konzept, das die Kunst für sich stehen lassen soll, ohne Gesichter dahinter. Genau das bleibt an diesem Nachmittag auch am ehesten hängen: der visuelle Auftritt, weniger die Musik selbst.
THE GHOST INSIDE haben eine der bewegendsten Comeback-Geschichten der Szene hinter sich: Nach einem schweren Busunfall 2015, bei dem unter anderem ihr Schlagzeuger ein Bein verlor, kehrte die Band erst Jahre später zurück auf die Bühne. Was in Sulingen folgt, lässt sich kaum in Worte fassen: Abriss, Schwerstarbeit für die Security – ein Auftritt mit spürbar besonderer emotionaler Wucht, bei dem man merkt, dass hier mehr auf dem Spiel steht als nur eine gute Setlist.
KITTIE aus Ontario, 1996 noch als Teenager-Band gegründet, liefern in Sulingen ein fettes Brett ab – kompromisslos, laut, ohne jede Schonzeit fürs Publikum.
Ausgerechnet während AVATARs Set zieht der einzige richtige Regenguss des Wochenendes auf – eine gute Stunde lang schüttet es, während die Schweden mit ihrem als Clown geschminkten Frontmann Johannes Eckerström die Bühne rocken. Zum Glück ist das Set durchweg hitlastig, entsprechend gut bleibt die Stimmung trotz Nässe: Die „Freak Show“ funktioniert auch klitschnass.
AGNOSTIC FRONT aus New York City gelten seit 1980 als „Godfathers of Hardcore“. NYHC direkt ins Gesicht – genau das liefern Roger Miret und Vinnie Stigma auch in Sulingen ab, kompromisslos und ohne Umwege.
New York Hardcore, live und ungefiltert: AGNOSTIC FRONT auf der Reload-Bühne.
GODSMACK sorgen mit einem Schlagzeug-Battle an zwei parallel aufgebauten Drumkits für einen der technischen Höhepunkte des Abends – dazu gibt es Coverschnipsel von AC/DC, METALLICA und RUN DMC. Gut, fett, mit nur einem kurzen Hänger bei "VooDoo".
AMORPHIS aus Finnland ziehen trotz vergleichsweise kleiner Bühne eine große, treue Fanbase an. Bei Einbruch der Dunkelheit entfaltet der Auftritt eine dichte, fast schon rituelle Atmosphäre – eine feste Bank.
Den Schlusspunkt setzen IN FLAMES aus Göteborg. Sänger Anders Fridén fragt an diesem Abend auffällig oft ins Publikum, wie es ihm gehe – und wirkt streckenweise, als sei er mit der Resonanz nicht ganz zufrieden. Das eigentliche Highlight des Sets liefert dafür die Security selbst: ein spontaner Circle Pit direkt vor der Bühne, unter den Augen des sichtlich überraschten Sängers.
Nach einem Ritt durch 30 Jahre Bandgeschichte endet das Reload Festival 2026 standesgemäß mit einem großen Feuerwerk über dem Gelände – und einem Publikum, das sich schon jetzt aufs nächste Jahr freut.
Schlusspunkt: Feuerwerk über der Mainstage zum Abschluss des Reload Festivals 2026.
Zahlen, Fakten und ein Dankeschön
Vom 13. bis 15. August feierten laut offizieller Bilanz des Veranstalters rund 20.000 Besucherinnen und Besucher in Sulingen – die nach eigener Aussage bislang stärkste Ausgabe der Reload-Geschichte. Möglich wurde der reibungslose Ablauf nicht zuletzt durch das neue, nach Himmelsrichtungen aufgeteilte Anreisekonzept, das mit Unterstützung der Drohnenstaffel der Feuerwehr Sulingen dynamisch gesteuert wurde.
Auch die Logistik im Hintergrund war beeindruckend: 18 Kilometer Bauzaun wurden errichtet, 45 Kilometer Wege mit Kreidefarbe markiert, dazu standen 20 Dusch- und WC-Wagen sowie 400 Mobiltoiletten für die Gäste bereit.
Das Reload 2026 war die bisher stärkste Festivalausgabe in unserer Geschichte. Die Bands, die Stimmung und die Energie auf dem Gelände haben dieses Wochenende zu etwas ganz Besonderem gemacht. Besonders freut uns, dass sich auch unser neues Anreisekonzept bewährt hat.
Der Veranstalter bedankt sich in seiner Nachlese ausdrücklich bei der gesamten Crew, den Helferinnen und Helfern sowie allen Sicherheits- und Sanitätskräften, Behörden und Partnern – und natürlich bei den Bands und dem Publikum für drei intensive Tage.
Ausblick: Reload 2027
Kaum ist das letzte Feuerwerk verglüht, richtet sich der Blick schon nach vorn: Für das Reload Festival 2027 sind bereits 30 Bands bestätigt. Angeführt wird die erste Welle von ELECTRIC CALLBOY als Headliner – die Band kehrt damit an den Ort zurück, an dem ihre Reload-Geschichte 2012 als Opener begann. Ebenfalls mit von der Partie: HEAVEN SHALL BURN, die ihr 30-jähriges Bandbestehen mit einer einmaligen Anniversary-Show zelebrieren, dazu CHILDREN OF BODOM, KANONENFIEBER (Reload-Debüt), THE BUTCHER SISTERS (bereits zum dritten Mal in Sulingen, mit neuem Album im Gepäck) sowie JINJER, die nach ihrem Donnerstag-Headlinerslot 2022 ebenfalls zum dritten Mal auf die Reload-Bühne zurückkehren.
Der Ticketverkauf für 2027 lief bereits am Sonntag nach dem diesjährigen Festival, dem 16. August 2026, an – und das Tempo ist bemerkenswert: Stand 18. August ist bereits die Hälfte der Tickets für 2027 verkauft. Wer schon jetzt weiß, dass er nächstes Jahr wieder im Staub von Sulingen stehen will, sollte sich also nicht allzu lange Zeit lassen.
Fazit
Was in dieser Aufzählung fast untergeht, aber für mich zum eigentlichen Kern des Festivals gehört: die Stimmung abseits der Bühnen. An den Bierständen wurde gescherzt statt nur kassiert, die Ersthelferinnen und Ersthelfer wirkten selbst nach Stunden in der Hitze noch geduldig und zugewandt, und die Security im Infield blieb auch nach dem gefühlt hundertsten Circle Pit freundlich statt genervt. Auch in der Crowd selbst ging man auffallend rücksichtsvoll miteinander um – wer stolperte, wurde aufgefangen, wer crowdsurfte, wurde sanft wieder abgesetzt. So viele freundliche Menschen an einem Fleck habe ich lange nicht erlebt.
Drei Tage, ungezählte Genres, eine geschätzte Tonne Staub und eine sehr nasse Stunde bei AVATAR – und trotzdem, oder gerade deswegen: Reload 2026 war wieder dieses Festival, bei dem man sich noch kennt, in dem eine Band mit Stacheldraht-Baseballschläger genauso ihren Platz hat wie eine Metal-Legende, die zum ersten Mal überhaupt auf der Bühne steht.
Vom Wrestling-Konzept der Osnabrücker bis zur neuen Stimme bei ARCH ENEMY, von der Zombie-Party von DOMINUM bis zum tränenreichen Comeback von THE GHOST INSIDE und dem großen Finale mit IN FLAMES: Sulingen bleibt klein genug, um familiär zu sein – und groß genug, um jedes Jahr aufs Neue zu überraschen. Bis 2027!