Montag, 25 Mai 2026 15:33

Erik Grönwall - Bad Bones Tipp

Erik Grönwall - Bad Bones

Erik Grönwall, Ex-Frontmann von H.E.A.T und SKID ROW, hat tief in den Abgrund geblickt. Seine Scheibe „Bad Bones“ ist daher mehr als nur das Solo-Album eines begnadeten Hard-Rock-Sängers – es ist ein Manifest der Liebe zum Leben und des Glaubens an die eigene Stärke.

Der 38-jährige Schwede ist eine beeindruckende Persönlichkeit. 2009 Gewinner von „Swedish Idol“, dem schwedischen Pendant zu „Deutschland sucht den Superstar“. Ab 2012 war er zehn Jahre lang Frontmann der Hard-Rocker H.E.A.T, mit denen er unter anderem den Hit „Living On The Run“ aufnahm. 2021 Krebs-Diagnose, Knochenmarktransplantation, Chemo-Therapie – für den jungen Familienvater eine zehrende und mehr als beängstigende Phase in seinem Leben.

Erik Grönwall (Photo Credit: Christian Schneider)

Doch Erik Grönwall ist ein Kämpfer. Noch während der Rekonvaleszenz nahm er das Angebot an, bei seinen Kindheitshelden SKID ROW einzusteigen und mit ihnen um die Welt zu touren. Parallel baute er seinen eigenen YouTube-Kanal aus, auf dem er mit persönlichen Interpretationen der unterschiedlichsten Rock- und Metal-Songs beeindruckt. Wer ihm auf Instagram folgt, merkt: Erik Grönwall ist nicht nur eine Rampensau, sondern auch noch eine extrem witzige, sympathische und bodenständige Type.

Ich hatte die Ehre, einige großartige Bands anzuführen, aber jetzt ist es an der Zeit, meine eigene Geschichte zu erzählen. „Bad Bones“ handelt davon, dazu zu stehen, wer man ist, und sich nicht dafür zu entschuldigen. Ich bin schon immer meinen eigenen Weg gegangen, egal, was andere dachten. Ich habe nie der Norm entsprochen und werde jetzt nicht damit anfangen.

— Erik Grönwall

Das Kapitel SKID ROW ist mittlerweile passé, dafür begleitete Erik Grönwall 2025 Michael Schenker auf seiner gefeierten Tour durch Japan und Europa. Parallel nahm er ein eigenes Album auf – zwar ist „Bad Bones“ das dritte Werk, das unter seinem Namen erscheint, jedoch das erste, bei dem er allein die Entscheidungen trifft. Unterstützung fand er unter anderem bei seinen Freunden Jona Tee (H.E.A.T), Erik Martensson (ECLIPSE) und Songwriter Fredrik Thomander

Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich das Album nach dem ersten Anhören allenfalls als „gut“ eingestuft hätte. Erst nach und nach hat sich mir die Qualität der einzelnen Songs erschlossen – und wie perfekt diese auf den kraftvollen, emotionalen und variablen Gesang des Schweden zugeschnitten sind.

Erik Grönwall - Born To Break (Official Music Video)

Das Album startet mit einem richtig starken Doppelpack: „Born To Break“ und der Titelsong „Bad Bones“ sind zwei coole, energiegeladene Rocker, die Lust auf mehr machen. Der Sound ist angenehm basisch, 80er-orientierter Hard Rock ohne dominante Keyboards und unnötige Schnörkel. Wer SKID ROW mag, aber auch Bands wie GOTTHARD und KISSIN´ DYNAMITE, sollte hier aufhorchen.

Dagegen hatten es Stücke wie das eher poppige „Praying For A Miracle“ oder „Lost For Life“ zunächst etwas schwerer, bei mir zu zünden, doch dafür ist ihre Wirkung umso nachhaltiger. Das Gleiche gilt für „Twisted Lullaby“ – es beginnt mit einem Riff, das man gefühlt schon etliche Male gehört hat, doch der Gesang von Erik Grönwall ist dermaßen mitreißend, dass ich das Stück seit Tagen nicht mehr aus dem Kopf bekomme.

Gewöhnungsbedürftig ist zunächst das opulente „Who´s The Winner“, das auch in einem Disney-Musical eine gute Figur machen würde. „Save Me“ beginnt als klassischer Stampfer mit Gangshouts im Hintergrund, wird dann aber emotional. Auf den ersten Blick könnte man Erik Grönwalls Texte wohl als typische Hard-Rock-Lyrics abtun, doch angesichts seiner Geschichte gewinnen Textzeilen wie „Can you save me from the pain?“ und „I´m gonna be stronger than ever“ deutlich an Tiefe.

Erik Grönwall - Who´s The Winner (Official Music Video)

Zwei seiner besten Songs hat sich der Blondschopf bis zum Schluss aufgehoben. „How High“ fängt eher blass an, gipfelt dann aber in einem Refrain, den die meisten anderen Sänger grandios in den Sand setzen würden. „Written In The Scars“ beendet das Album gefühlvoll in Form einer Halbballade, die auch dank toller Drums nicht im Kitsch versinkt. Ein bärenstarkes Stück, das definitiv Airplay verdient hätte. Großartig!

Fazit: Natürlich ist es schwer, dem Genre noch irgendetwas Neues zu entlocken, doch wer lebensbejahenden Hard Rock liebt und „Bad Bones“ mehr als nur einen Durchgang zugesteht, hat gute Chancen, hier sein Sommer-Album des Jahres zu entdecken. Die Scheibe macht wahninnig Spaß, und Erik Grönwall liefert eine gesangliche Weltklasseleistung ab, vom ersten bis zum letzten Ton. Bleibt zu hoffen, dass er mit „Bad Bones“ auch nach Deutschland auf Tour kommt.

Erik Grönwall - Bad Bones (Official Music Video)

„Bad Bones“ Tracklist:
Born To Break
Bad Bones
Praying For A Miracle
Who's The Winner
Lost For Life
Twisted Lullaby
Save Me
Hell & Back
How High
Written In The Scars

Marcus

Als Kind geprägt durch die umfangreiche Plattensammlung meines Vaters, in der von BAP bis Motörhead alles vertreten war, sowie eine dauerhafte Infektion mit dem Kiss-Virus (seit 1979 nicht mehr abgeklungen), entwickelte sich äußerst früh meine Begeisterung für Rock, Hardrock, Metal und Konzerte. Und abgesehen von Paul Stanley und Co. gilt in meinem Fall: Je kleiner, desto feiner! Diese unglaubliche Energie, die ein Clubgig entfachen kann, ist für mich mit nichts zu vergleichen. Insofern ist es gar nicht hoch genug zu bewerten, dass es auch nach Corona und trotz bedenklicher Preisentwicklungen kleine Veranstalter und Locations gibt, die mit Herzblut dafür kämpfen, auch unbekannteren Künstlern eine Bühne zu bieten – das ist keine Selbstverständlichkeit! Daher: Support your local clubs and bands!

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