Seit der "Tranquilo"-Tour im Jahre 2010 war es, mit Ausnahme der legendären Loreley-Schifffahrt zum 20. Bandjubiläum und vereinzelten Unplugged-Aufnahmen, verdächtig laut um die raubeinigen Spielleute. Mit "Tranquilo II" laden IN EXTREMO 16 Jahre später erneut zur intimen musikalischen Entdeckungsreise durch ihr bisheriges Schaffen.
Für das Akustik-Album hat sich die Band mit Oliver "SaTyr" Pade und Niel Mitra (FAUN) sowie Geiger Justin Ciuche namhafte Unterstützung geholt, die auch auf den anstehenden Konzerten mit dabei ist. Dazu gesellt sich eine ganze Reihe an Gästen, die IN EXTREMO musikalisch und stimmlich unterstützen.
IN EXTREMO erfinden sich neu…
Spannend wird es auf "Tranquilo II" vor allem dann, wenn IN EXTREMO ihre Songs sezieren und neu zusammensetzen. Das gipfelt in verschiedenen, durchaus unerwarteten musikalischen Stilen und sorgt für Abwechslung.
So ertönt "Spielmannsfluch" als launige Ska-Hymne, während "Rasend Herz" mit einem orientalisch angehauchten Arrangement eine ganz neue Dramaturgie erhält. "Lebensbeichte" atmet mit luftigen Westerngitarren einen interessanten Spirit von Freiheit und Gesetzlosigkeit.
Das beste Beispiel für IN EXTREMOs kompositorischen Mut ist "Nur ihr allein", das wie eine Jazznummer direkt aus dem verrauchten Hinterzimmer einer schäbigen Spelunke wirkt. "Quid Pro Quo" als schunkelige Reggae-Nummer mit massivem Bläsereinsatz holt mich dagegen überhaupt nicht ab.
… und bleiben sich treu
Eine sichere Bank sind die Neuinterpretationen, bei denen sich IN EXTREMO nahe am Original bewegen. Der stürmisch-schmissige Ohrwurm "Störtebeker" mit Monchi von FEINE SAHNE FISCHFILET macht wie das pumpende "Troja" mit herausragendem Violinen-Solo mächtig Spaß, während das intensive "Feuertaufe" stark an Tiefe gewinnt.
Vor allem die ruhigen Momente wirken noch emotionaler und eindringlicher. Im wundervollen "Liam" kontrastiert Laura Fella von FAUN mit ihrer zarten Stimme das raue Organ von Micha Rhein, mit dem Doro Pesch in "Feine Seele" auf einer Wellenlänge liegt. "Gaukler" wird mit seinen sehnsuchtsvollen Streichern zum melancholischen Ohrenschmeichler.
Neues Material auf "Tranquilo II"
Mit "Heute wird der Himmel brennen" spendieren IN EXTREMO ihren Fans einen brandneuen Track, der mit seinen dramatischen Violinen und eingängigem Refrain begeistert. Mindestens genauso stark ist das mitreißende, treibende "Amontilado", dessen eindringlicher Rhythmus wahnsinnig schnell im Ohr kleben bleibt.
Wie die eindrucksvolle, sakrale Acapella-Umsetzung von "Ave Maria" mit METAKLAPA, bei der Micha Rheins Vocals hervorragend mit den weichen Choralgesängen der Kroaten harmonieren, findet sich der zweite neue Song nur auf der Bonus-EP "Sternhagelvoller". Die unermesslich lang gezogene XXL-Version des Saufliedes hätte es für mich hingegen nicht gebraucht.
Gelungene akustische Zeitreise durch 30 Jahre IN EXTREMO
Trotz manch uninspirierter Neuvertonung wie "Herr Mannelig" oder "Weckt die Toten" geht das Konzept von "Tranquilo II" auf. IN EXTREMO fesseln auch ohne effektvolle metallische Komponente. Großen Anteil daran haben die Violinen, die passend zur Stimmung des jeweiligen Songs dezent untermalen oder zentraler Bestandteil sind.
Für IN-EX-Anhänger ist der 70-minütige Akustik-Streifzug durch die Historie der Mittelalter-Metaller ein spannendes Alternativprogramm - selbst, wenn einzelne Nummern wie "Frei zu sein" oder "Feuertaufe" in ihren reduzierten Fassungen schon lange bekannt sind.
"Tranquilo II" Trackliste:
1. Störtebecker
2. Sternhagelvoll
3. Spielmannsfluch
4. Liam
5. Frei zu sein
6. Feine Seele
7. Rasend Herz
8. Weckt die Toten
9. Heute wird der Himmel brennen
10. Feuertaufe
11. Blutmond
12. Gaukler
13. Nur ihr allein
14. Troja
15. Lebensbeichte
16. Quid Pro Quo
17. Herr Mannelig
"Sternhagelvoller" Bonus-EP
1. Sternhagelvoller
2. Amontillado
3. Ave Maria
IN EXTREMO Line-up 2026:
Michael Robert Rhein – Hauptgesang, Akustikgitarre, Cister
Sebastian Oliver Lange – Akustikgitarre, Cister
Kay Lutter – Akustischer Bass, Kontrabass
André Strugala – Harfe, Sackpfeife, Schalmei, Drehleier
Marco Ernst-Felix Zorzytzky – Sackpfeife, Schalmei, Nyckelharpa
Florian Speckardt – Percussion, Schlagzeug, Cajón
Gäste auf "Tranquilo II":
Oliver "SaTyr" Pade (FAUN) – Nyckelharpa, Bouzouki, keltische Laute
Niel Mitra (FAUN) – Sound-Design
Justin Ciuche – Violine, Streicher-Arrangements
Laura Fella (FAUN) – Gastgesang bei "Liam"
Doro Pesch (DORO) – Gastgesang bei "Feine Seele"
Jan "Monchi" Gorkow & Max (FEINE SAHNE FISCHFILET) – Gastgesang & Trompete bei "Störtebeker"
