Zuvor beschließt das Sextett seine diesjährige "Burgen Tour" im Sauerland – genauer gesagt auf der Naturbühne in Lennestadt-Elspe, der Heimat der Karl-May-Festspiele. Damit gastieren IN EXTREMO zum zweiten Mal nach 2018 im Rahmen des "Indian Summers" in der Wild-West-Location.
FIDDLER'S GREEN heizen ein
Den Anheizer machen FIDDLER'S GREEN, die aktuell ihr 35-jähriges Jubiläum feiern. Gut 50 Minuten lang darf der sympathische Haufen die Gunst des Publikums für sich gewinnen. Auch, wenn die Irish Speedfolker schon für zahlreiche Konzerte mit dem Haupt-Act unterwegs waren, will der Funke zumindest bei mir nicht überspringen. Dafür ist der musikalische Kontrast zu krass, und ich kann allzu sauf- und feierfreudigen Trupps nicht (mehr) besonders viel abgewinnen. Der Großteil des Publikums scheint's zu mögen.
Es regnet, es regnet Blut
Anders sieht das bei IN EXTREMO aus, die pünktlich um 20 Uhr mit einem ohrenbetäubenden Knall und "Ólafur" für überraschte Aufschreie im Publikum sorgen."Sternhagelvoll" oder "Wolkenschieber" (mit passender Ansage von Micha Rhein gegen alle Idioten, die heutzutage in der Welt herumlaufen) sind dann auch nicht gerade meine liebsten IN-EX-Tracks, doch der Rest der bunt gemischten Setlist lässt nur wenige Highlights der mittlerweile umfangreichen Diskografie vermissen.
Mit "Spielmannsfluch", gnadenlos laut vom Publikum mitgesungen, legen IN EXTREMO die Messlatte bereits zu Beginn beeindruckend hoch und lassen direkt zu Beginn mal eben den wohl bekanntesten Song der Bandgeschichte raus. Mit "Weckt die Toten" und "Werd ich am Galgen hochgezogen" taucht die Mittelalter-Institution tief in ihre Vergangenheit ein und begeistert Fans der ersten Stunde damit ebenso wie mit "Villeman og Magnhjild" und "Ai Vis Lo Lop".
"Feuertaufe", "Vollmond", "Küss mich" und "Sängerkrieg" beziehen die Fans blendend mit ein. Die gesamte Band ist bestens gelaunt, lässt sich mit "In Extremo!"-Sprechchören feiern, während sie selbst ein ums andere Mal Fans wie Crew von Herzen dankt. Sänger Micha hat sichtlich Spaß auf der Bühne, schrammt mit seinen Scherzen und debilem Quieken schon gefährlich nah an der Grenze zur Albernheit entlang.

Komm, schließ die Augen, folge mir
Es macht einfach mächtig Spaß, dieser eingespielten Truppe dabei zuzusehen (und zu lauschen), wie sie treibende Songs wie "Troja" und "Wind" genauso routiniert und leidenschaftlich zum Besten gibt wie das ewig schöne "Liam" oder das ergreifende, wunderbar ktischfreie "Feine Seele" als Hommage an all die verblichenen Seelen.
Untermalt wird das fleißige Treiben auf der Bühne von einer beeindruckenden Light- und Pyroshow, die neben regelmäßig eingesetzten Feuer-Fontänen mit unerwarteten knalligen Effekten wahlweise für erschrecktes Zucken oder breites Grinsen sorgt. Wenn es im "Spielmannsfluch" das sprichwörtliche Blut regnet, die Musiker im Funkenregen stehen oder am Ende mit Nebel gefüllte Seifenblasen auf die Menge losgelassen werden, weiß man auch als IN-EX-Fan einmal mehr, dass man von der Band verlässlich was auf die Augen und Ohren bekommt.
Frei zu sein bedarf es wenig
Dazu kommt ein Sound, der – im Gegensatz zu FIDDLER'S GREEN, die zu laut abgemischt waren – wuchtig, knackig und transparent aus den Boxen dröhnt. Ob's am Soundmann gelegen hat oder die Naturbühne einfach einen geilen Klang bietet, weiß ich nicht, doch der Klang war beeindruckend gut!
Nach einem Zugabenblock, bestehend aus "Rotes Haar", dem Mitgröhler "Frei zu sein" und dem Rausschmeißer "Pikse Palve", ist um kurz vor 22 Uhr Schluss. Band und Fans wirken zurecht sehr glücklich – wenn eine leidenschaftliche Performance auf der Bühne auf ein dankbares, lautstark mitsingendes Publikum trifft und alle Rahmenbedingungen vom Wetter über Show bis zum Sound passen, ist das der Stoff für Gigs, die noch lange in Erinnerung bleiben.

IN EXTREMO: immer einen Besuch wert
Für mich hatten IN EXTREMO mit ihrer raubeinigen Art, Härte und Micha Rheins charismatischer Stimme fernab vom Märchenonkel schon immer eine Sonderstellung unter den mittelalterlichen Rockbands inne. Das stellt das Sextett mit der finalen Show der "Burgen Tour" inklusive vollem Pyro-Einsatz und bestem Sound auch auf der Naturbühne in Elspe unter Beweis. Gerne, sehr gerne wieder!
IN EXTREMO Setlist
Ólafur
Spielmannsfluch
Troja
Weckt die Toten
Feuertaufe
Werd ich am Galgen hochgezogen
Vollmond
Rasend Herz
Blutmond
Liam
Küss mich
Feine Seele
Wind
Störtebeker
Villeman og Magnhild
Ai Vis Lo Lop
Sängerkrieg
Wolkenschieber
Sternhagelvoll
Rotes Haar
Frei zu sein
Pikse Palve
