Geschrieben von Mittwoch, 22 April 2026 14:53

KREATOR in der Uber Eats Music Hall: Ein feuriges Jubiläum in der „Homebase" Berlin

Mille Petrozza von KREATOR live in Berlin Mille Petrozza von KREATOR live in Berlin Fotos: Heiko Becker

Am 18. April wurde die Uber Eats Music Hall zum Schauplatz einer metallischen Geschichtsstunde. Dass die Venue fast ausverkauft war, ist angesichts der Konkurrenz besonders bemerkenswert: Parallel ließen MACHINE HEAD in der Columbiahalle die Wände beben – ein Termin-Clash, der das Berliner Metal-Publikum spaltete, aber in der Music Hall für eine besonders loyale und energetische Kulisse sorgte.

Das Vorprogramm: Licht und Schatten

Der Abend startete mit NAILS, die mit ihrem gewohnt rasanten Hardcore/Grind-Mix das erste Adrenalin freisetzten. Deutlich präsenter zeigten sich danach die Bay-Area-Legenden EXODUS. Die Truppe lieferte in ihren etwas mehr als 45 Minuten ein absolutes Brett ab, inklusive einer massiven Wall of Death. Die Interaktion mit der Crowd war extrem herzlich; Frontmann Rob Dukes betonte sogar, dass Berlin für ihn der „1st Place to live" wäre, was ihm zusätzliche Sympathiepunkte einbrachte.

Einen spürbaren Bruch gab es jedoch bei CARCASS. Während die musikalische Qualität der Death-Metal-Pioniere außer Frage steht, wirkte der Auftritt seltsam distanziert. Abgesehen davon, dass Jeff Walker routiniert zahlreiche Plektren ins Publikum warf, gab es kaum nennenswerte Kommunikation mit den Fans. Das kuriose Ende mit einem Disco-Track ließ viele Zuschauer ratlos zurück – ein Experiment, das im Vergleich zur Spielfreude von EXODUS eher deplatziert wirkte.

KREATOR: 40 Jahre Thrash-Perfektion

Als schließlich KREATOR die Bühne übernahmen, wurde sofort klar, wer die Hausherren sind. Mille Petrozza schlug direkt die Brücke zur besonderen Beziehung der Band zur Hauptstadt: „1985 haben wir unser erstes Album in Berlin aufgenommen, 1986 unsere erste Show hier gespielt." Diese tiefe Verwurzelung spiegelte sich in einer Setlist wider, die gleichermaßen neues Material wie Klassiker aus vier Jahrzehnten Bandgeschichte feierte.

Die vier spielten ein gewohnt routiniertes Brett. Die Inszenierung setzte dabei neue Maßstäbe: Neben einem beeindruckenden Bühnenbild und dem massiven Einsatz von Pyro und Feuer war es vor allem das Lichtdesign, das begeisterte. Es war eines der durchdachtesten Konzepte, die man im Metal-Sektor bisher sehen konnte – ästhetisch brillant und perfekt auf die Brachialität der Musik abgestimmt. Nach rund 90 Minuten ohne klassische Zugaben-Unterbrechung endete die Show auf dem absoluten Höhepunkt.

Fazit: KREATOR bleiben die unangefochtene Speerspitze des deutschen Thrash Metal. Während EXODUS den Boden mit viel Herzblut bereiteten, bewies der Hauptact, dass man auch nach 40 Jahren mit moderner Show-Technik und ungebrochener Härte die Thronfolge verteidigen kann.

Setlist: KREATOR
(Berlin, Uber Eats Music Hall, 18.04.2026)

  1. Seven Serpents
  2. Hail to the Hordes
  3. Enemy of God
  4. Satanic Anarchy
  5. Hate Über Alles
  6. People of the Lie
  7. Betrayer
  8. Krushers of the World
  9. Hordes of Chaos (A Necrologue for the Elite)
  10. Satan is Real
  11. Loyal to the Grave
  12. Phantom Antichrist
  13. Endless Pain
  14. 666 - World Divided
  15. Violent Revolution
  16. Pleasure to Kill
Heiko

Moin!
Ich bin Heiko Becker, Schleswig-Holsteiner von Geburt und seit vielen Jahren Wahlberliner. Musikalisch bin ich in den frühen 90ern groß geworden, mitten im Grunge und in dieser „angezerrten” Gitarrenmusik, die damals alles auf den Kopf gestellt hat. Nirvana, Guns N’ Roses, AC/DC, Pearl Jam, Foo Fighters, Machine Head, Pantera, Slayer, Metallica, Paradise Lost und Sick Of It All haben mich geprägt und lassen mich bis heute nicht los. Dazu kommen Rap, Hip-Hop und Songwriter, die mich genauso packen, solange die Musik handgemacht ist und etwas in mir auslöst.

Jahrelang habe ich mir als ganz normaler Besucher den Staub oder Schlamm von Roskilde, Wacken, Hurricane und Dynamo Open Air aus den Klamotten geschüttelt. Seit 2024 stehe ich dort endlich auf der anderen Seite des Grabens: als akkreditierter Fotograf, direkt vor der Bühne, mit der Kamera im Anschlag.Genau da fange ich Momente ein, die man nicht planen kann und die man nie wieder vergisst.

Für mich ist Musik vor allem eins: Gefühl. Ob mittendrin im Publikum oder hinter dem Sucher, am Ende zählt, dass sie unter die Haut geht und hängen bleibt.